Eine Lüge ist nicht genug von Alan Gratz

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Something Rotten, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Boje , 224 Seiten. ISBN 3414822865.

ab 14 Jahren

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Jugendbuch-Rezension von Corinna Abbassi-Götte: »der moderne Hamlet«

[Jugendbuch des Monats – August 2011]
Der junge Horatio begleitet seinen besten Freund Hamilton über die Ferien nach Hause und gerät dort in eine völlig fremde Welt. Selbst in etwas ärmeren Verhältnissen aufgewachsen, wusste er natürlich, dass die Familie seines Freundes sehr wohlhabend ist, doch die gigantische Villa, in der man sich verlaufen kann, erschlägt ihn, und sich vom Dienstpersonal bedienen zu lassen, behagt ihm nicht. Doch was ihn vielmehr beschäftigt ist der psychische Zustand seines besten Freundes. Dessen Vater ist erst vor kurzem gestorben, und kurz danach hat seine Mutter bereits seinen Onkel geheiratet.
Hamilton leidet darunter und beginnt zu trinken, denn er glaubt, dass sein Onkel seinen Vater ermordet hat.
Für Horatio ist selbstverständlich, dass er Hamilton dabei helfen wird, die Wahrheit herauszufinden. Denn dass etwas stinkt, beweist nicht nur die Papierfabrik der Familie, die im großen Stil die Umwelt verschmutzt.

Sich mit Horatio anzufreunden ist eigentlich recht einfach, obwohl er es schafft, den Leser durch seine respektlose Art das ein oder andere Mal zusammenzucken zu lassen. Fast vermittelt er den Eindruck, als würde er über keinerlei Anstand verfügen, doch schnell wird deutlich, dass er genau deswegen den Mut besitzt, auch den reichen und scheinbar mächtigen Leuten indiskrete, direkte und aufwühlende Fragen zu stellen. Und genau solch einen Freund braucht Hamilton, denn er selbst verfällt mehr und mehr dem Alkohol und lässt sich zunehmend von seinen durcheinanderwirbelnden Emotionen und vor allem durch seinen Hass auf seinen Onkel leiten. Hamiltons Gefühl und Horatios Verstand bilden hier also eine perfekte, aber auch explosive Mischung.

Dass Horatio langsam des Rätsels Lösung näherkommt, ist letztendlich seiner Hartnäckigkeit und seiner Kombinationsgabe zu verdanken. Als Leser fiebert man mit, folgt neugierig jedem seiner Schritte und freut sich dabei darüber, dass er nicht auf den Mund gefallen ist und seinen Freund nicht im Stich lässt. Wie loyal Horatio wirklich ist, zeigt sich spätestens in seiner Beziehung zur hübschen Olivia, deren Beziehung zu Hamilton noch nicht vollkommen abgeschlossen ist.

Obwohl »Eine Lüge ist nicht genug« eine moderne Adaption von »Hamlet« ist und man aus diesem Grund zu wissen glaubt, wie alles ausgeht, sollte man sich dessen jedoch nie vollkommen sicher sein. Denn natürlich verändert und modernisiert Alan Gratz den Lauf der altbekannten Handlung und passt alles seinen Vorstellungen an, so dass ein spannender Thriller entsteht, in dem nicht nur Licht in einen eventueller Mordfall gebracht wird, sondern zusätzlich einem dreisten Umweltsünder das Handwerk gelegt wird.
Daher ist es eigentlich auch völlig egal, ob man »Hamlet« nun kennt oder nicht. Die Story funktioniert auch bestens, ohne dass man Shakespeares Werk gelesen hat, was natürlich ein großer Vorteil ist.
Dass Alan Gratz noch diverse Überraschungen einbaut und das Talent besitzt, den Leser durch seinen flotten Schreibstil und eine leicht träge, aber immer brisante Atmosphäre zu fesseln, macht dieses Buch zu einem unbedingt empfehlenswerten Thriller.

FAZIT

Shakespeares »Hamlet« als moderner Thriller, in dem ein selbstbewusster und sympathischer junger Mann dafür sorgt, dass nicht nur ein, sondern gleich zwei Verbrechen aufgeklärt werden. Gefühl und Verstand gepaart mit einem ganzen Haufen Intelligenz und Wagemut machen »Eine Lüge ist nicht genug« zu einem hochspannenden Lesevergnügen!

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