4 auf die Ohren

Natürlich haben wir auch im Jahr 2012 wieder Hörbuch-Tipps für Euch!

"Ich mach dich tot" von E. Nikes

Ohne den Klappentext zu lesen die erste von zwei CDs in den Player geschoben und gestartet. Irrtümlich für einen Thriller gehalten war die Überraschung umso größer, als sich eine ganz andere Geschichte offenbarte. Es geht um die 13-jährige Ich-Erzählerin Eva, die in einer offenen Jugend-WG lebt und ihren Alltag schildert.
Früher war die Welt noch in Ordnung, doch dann hat sich ihr Vater das Leben genommen. Ihre Mutter, die damit nicht fertig geworden ist, befindet sich inzwischen in einer Entzugsklinik.
Gut geht es Eva natürlich nicht in der WG. Sie vermisst ihre Mutter und kann sich nur schwer an ihre neue, von den Behörden aufgezwungene Situation gewöhnen. Vor allem hat sie Angst vor den anderen Bewohnern, die ebenfalls alle mehr oder weniger große bis gigantische Päckchen zu tragen haben. Da muss sie sich erstmal durchsetzen und versuchen, nicht unterzugehen.
Schauspielerin und Hörbuchsprecherin Anna Thalbach interpretiert mit ihrer ruhigen Stimme perfekt den Ton, den E. Nikes in Evas Geschichte vermittelt. Was natürlich sofort auffällt ist die typische Sprache einer 13-jährigen, die dieser Geschichte einen authentischen Anstrich verleiht und auf positive Weise an einen ungeschönten Bericht erinnert. Bedrückend und beeindruckend, welche Gefühle E. Nikes beim Leser auslöst. Ebenso beeindruckend, wie Anna Thalbach Evas deprimierende Situation und die Atmosphäre transportiert.
»Ich mach dich tot« ist ein Stück Realität, mit dem man im wahren Leben wahrscheinlich nicht oft in Berührung kommt. Und wenn man doch darauf gestoßen wird, ist die Versuchung, einfach wegzuschauen, wahrscheinlich groß. Sowohl E. Nikes, als auch Anna Thalbach und nicht zuletzt Eva verhindern, dass man wegschauen will.
Eine Geschichte, die nachdenklich macht.
Übrigens hat E. Nikes (Pseudonym des Autors Peter Muhr) eine Zeit lang in einer Jugend-WG gearbeitet.

 

"Tschick" von Wolfgang Herrndorf

Das skurril anmutende Roadmovie mit seinen ernsten Untertönen wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2011 ausgezeichnet.
»Unvergesslich wie die Flussfahrt von Tom Sawyer und Huckleberry Finn« berichtet der Klappentext, und so wunderbar wie wahr ist dieser Vergleich tatsächlich. Hier geht’s zur Rezensionen, daher nun zu Hanno Koffler, der »Tschick« eingelesen hat.
Der 1980 geborene Theater- und Filmschauspieler Hanno Koffler ist schon lange kein Unbekannter mehr. »Krabat«, »Der Rote Baron«, »Sommersturm« – in diversen namhaften Filmen war er bereits zu sehen. Seine jugendliche Stimme, so gewöhnungsbedürftig sie in den ersten drei Minuten auch ist, erweist sich schnell als die perfekte Wahl für den 14-jährigen Ich-Erzähler Maik. Man nimmt Hanno Koffler einfach ab, dass er Maik ist, und folgt ihm bereitwillig in dieses fragwürdige, bittersüße und wahnwitzige Abenteuer.

 

"Den Mond aus den Angeln heben" von Gregory Hughes

Als ihr Vater stirbt, beschließen Bob und seine Schwester, genannt die Ratte, von Kanada nach New York zu gehen, wo angeblich ihr Onkel lebt. Sie kennen nur seinen Namen, wissen nicht einmal, wo er wohnt, doch dies kann die beiden jungen Abenteurer natürlich nicht abschrecken.
Gemeinsam – und dies ist das Wichtigste für beide – verlassen sie ihr sicheres Nest und reisen quer durchs Land, bis sie endlich am Ziel sind. Doch New York ist groß, viel größer, als sie erwartet haben. Doch die Ratte ist einfallsreich und besonders, und so überwinden sie die kleinen und größeren Hindernisse und lernen allerlei unterschiedliche Personen kennen, die ihnen auf ihrer merkwürdigen, wunderbaren und abenteuerlichen Odyssee zur Seite stehen.
Doch was ist mit den Visionen und den regelmäßig auftretenden Anfällen der Ratte?
Und kann ihr großes Idol ihnen vielleicht doch helfen? Werden sie ihren Onkel finden?
Diese ganz und gar besondere Geschichte wird gelesen von Andreas Fröhlich, über den man eigentlich keine Worte mehr verlieren muss, und tut man es, so verfällt man allzu leicht in eine Lobeshymne. »Herr Fröhlich kann mir auch das Telefonbuch vorlesen!« ist ein Satz, den man im Internet häufiger liest und der wohl am deutlichsten beschreibt, dass Andreas Fröhlich einer der beliebtesten Hörbuchsprecher Deutschlands ist. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch dieses Hörbuch wieder ein vollkommener Hörgenuss ist.

 

"Das Tal 1.1 – Das Spiel" von Krystyna Kuhn

Julia und ihr Bruder beginnen ihr erstes Jahr auf dem Solomon-College. Mitten in einem Tal liegt es, das nächste Dorf ist weit entfernt, die Schüler und Lehrer sind für sich. Julia fällt sofort die sonderbare Stimmung auf, die über dem Tal liegt, doch viel mehr ist sie damit beschäftigt, ihren Bruder zu schützen, der nachts schreiend aufwacht und sich auch sonst etwas merkwürdig verhält. Doch dann wird eine Mitschülerin tot aufgefunden, und sie erfährt, dass in den 70ern eine Gruppe von Jugendlichen in den Bergen verschwunden ist. Außerdem scheinen sie und ihr Bruder nicht die Einzigen zu sein, die sorgsam darauf bedacht sind, ein großes Geheimnis zu verbergen.
Mystery oder Thriller ? Oder doch nur eine normale Teenie-Internatsstory?
Krystyna Kuhn baut die Story um das Hochbegabten-Internat und seine Bewohner äußerst spannend und rätselhaft auf. Natürlich muss man sich erstmal einhören, und ein wenig muss man sich daran gewöhnen, nicht gleich zu erkennen, was hier eigentlich für eine Story vorliegt, aber das ist nicht weiter wild, denn die Autorin weiß den Zuhörer bestens zu unterhalten. 
Franziska Pigulla, die Hollywood-Größen wie Demi Moore, Sharon Stone, Gillian Anderson und Sean Young ihre Stimme leiht, und die im deutschen Fernsehen vor allem als Sprecherin der Galileo-Serie zu hören ist, legt hier eine außerordentlich bannende Lesung hin. Bereits nach wenigen Sekunden kann man sich keine andere Sprecherin mehr vorstellen. Unaufdringlich, aber eindringlich, ruhig und zurückhaltend, aber gefühlvoll, interpretiert sie Krystyna Kuhns »Das Tal«-Serie und fesselt den Hörer bis zum Ende.

 

Corinna Abbassi-Götte

April 2012


nach oben

Inhalte von www.jugendbuch-couch.de:

über die Jugendbuch-Couch: