Thalamus von Ursula Poznanski

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2018 deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Loewe , 448 Seiten. ISBN 978-3785586143.

ab 14 Jahren

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Jugendbuch-Rezension von Julian Hübecker: Ich könnte dich einfach mit meinem Kissen ersticken, wenn ich Lust drauf hätte, flüsterte Magnus

Was passiert, wenn Komapatienten am Abend plötzlich zu laufen und zu sprechen anfangen? Wenn Patienten nachts fremdgesteuerte Verhaltensweisen zeigen? So erlebt es der jugendliche Timo, der in einer einsamen Rehaklinik auf seine Genesung hinarbeitet. Doch das muss erstmal warten, denn plötzlich trachtet jemand nach seinem Leben und nutzt die Klinik für seine ganz eigenen Experimente.

Die Wunder der Medizin – bis sie zu einem Albtraum werden

Timos Leben verändert sich an einem regnerischen Abend für immer, als er mit seinem Motorrad auf der nassen Straße verunfallt und wenig später schwer verletzt im Krankenhaus erwacht. Seine motorischen Fähigkeiten sind aufgrund vieler Knochenbrüche und eines Schädelhirntraumas stark eingeschränkt, seine Fähigkeit zu sprechen geht verloren. Seine Ärzte sehen jedoch eine Chance, dass er wieder vollkommen genesen könnte, und verlegen ihn daher in eine auf Traumapatienten spezialisierte Klinik, den Markwaldhof.

Erstmals hofft Timo darauf, wieder völlig gesund zu werden. So bekommt er viele Therapien verordnet, die ihn Schritt für Schritt ins normale Leben zurückholen sollen. Auch Freunde findet er: besonders der unkomplizierte Carl (mit C, wie er sich gerne vorstellt), schließt schnell Kontakt und lässt Timo am Alltagsleben in der Klinik teilhaben.

Doch alles ändert sich, als die ersten Nächte anbrechen und plötzlich sein Bettnachbar Magnus, der eigentlich ein Wachkomapatient ist, vor Timos Bett steht und mit ihm spricht. Vollkommen paralysiert von dieser Begegnung, hofft er, diese am nächsten Tag einem der Therapeuten mitteilen zu können. Jedoch noch immer unfähig zu sprechen oder zu schreiben, ist es ihm unmöglich, sich mitzuteilen. Von nun an gehen immer merkwürdigere Dinge vor: Timo hört eine Stimme in seinem Kopf, die ihm kryptische Nachrichten hinterlässt; er ist zudem in der Lage, per Gedankenkraft das Licht ein- und auszuschalten, und eigentlich genesene Patienten versterben plötzlich oder bauen gesundheitlich rapide ab.

Als es dann noch Hinweise darauf gibt, dass auch Carl und Timos andere Freunde in Gefahr sind, beschließt er, sich nachts durch die Klinik zu schleichen, um mehr über die Vorkommnisse herauszufinden. Und was er herausfindet, sprengt jede seiner Erwartungen.

Eine einsame Klinik, ein Patient, der sich nicht mitteilen kann, und allabendliche Vorkommnisse

Der Thalamus, jenes kugelige Gebilde des Zwischenhirns, beschert uns den neuesten Titel aus Ursula Poznanskis Gedankenwelt. Mit ihrem neuen Werk beweist sie wieder einmal, wie ideenreich und vielseitig ihre Schaffenskraft ist. Der Thalamus gilt als das »Tor zum Bewusstsein«, der filtert, welche Informationen für den Organismus gerade wichtig sind und welche nicht. Wie sich im Laufe der Handlung herausstellt, könnte der Titel nicht treffender sein – und das macht das Buch zu einem kleinen Meisterwerk.

Ist der Markwaldhof durch seine Lage mitten in einem Waldgebiet schon dadurch atmosphärisch vorbelastet, bildet er im Inneren am Tage eine freundliche Umgebung, doch nachts eine bedrückende Stimmung. Dadurch schafft Poznanski eine stetige Spannung, die als konstante Bedrohung unter der Oberfläche brodelt. Dabei geht es nicht nur um das, was Timo im Buch erlebt, sondern darum, dass das Thema eine reelle Zukunftsvision ist. Natürlich kennt die Fantasie eines Autors bekanntlich keine Grenzen und darf das Reale bis in das Unmögliche verzerren. Dennoch bleibt das Nagen im Hinterkopf, der bittere Gedanke, dass wirklich daran geforscht wird. Nun mag der Leser dieser Rezension verständlicherweise wissen wollen, um was es genau geht. Doch dies sei hier nicht verraten, da auch Poznanski über zwei Drittel des Buches Stillschweigen bewahrt. Stattdessen darf der Leser sich seine eigenen Überlegungen schaffen.

Überzeugend sind aber auch und vor allem die Protagonisten. Neben Timo handelt es sich da um Mitpatienten, um Therapeuten und Krankenpfleger sowie Ärzte. Sie alle sind eine feste Größe in der Geschichte und bestechen durch Undurchschaubarkeit, da sie zwar alle durchweg menschlich und individuell, doch auch ausnahmslos in irgendeiner Form bei dem Grusel involviert zu sein scheinen.

Fazit:

Ein packender Jugendthriller, der davon lebt, den Leser im Dunkeln zu lassen und dadurch seinen eigenen Spuk schafft. Er ist unbedingt weiterzuempfehlen, da er zwar gemächlich beginnt, jedoch mit jeder weiteren Seite packender wird.


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