Dunkle Schatten: Was wäre, wenn Mulan in die Unterwelt hätte reisen müssen?

Erschienen: September 2020

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel Reflection - What if Mulan had to travel to the Underworld?; aus dem Englischen von Ronald Gutberlet; Hardcover, 432 Seiten

ISBN: 9783551280480

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Yannic Niehr
Disney’s ‚Was wäre, wenn…?‘

Buch-Rezension von Yannic Niehr Okt 2020

Vom Regen in die Traufe: China befindet sich im Krieg mit den Hunnen, die in das Land eingedrungen sind. Fa Zhou, der Vater der jungen Mulan, hätte eingezogen werden sollen; doch ist er noch vom letzten Krieg verletzt und würde weitere Kämpfe kaum überstehen. Also nimmt Mulan sich seine Rüstung und Schwert, gibt sich als Mann aus und tritt als „Ping“ der Armee bei. Unter dem strengen Regiment von Hauptmann Li Shang bringt sie es weit, und besiegt sogar den gegnerischen Anführer Shan-Yu dank ihres Einfallsreichtums. Doch beim Versuch, sie zu schützen, wird Shang tödlich verletzt. Wie schon so oft hat Mulan das Gefühl, mit ihrer leichtsinnigen Entscheidung alles ruiniert zu haben. Doch nachts, während Shang noch um sein Leben ringt, erscheint ihr der Geist von dessen Vater. Beeindruckt von ihrer Entschlossenheit eröffnet er ihr die Möglichkeit, mithilfe des Beschützers der Li-Familie, des eingebildeten, aber mächtigen Löwen ShiShi, in die Unterwelt Diyu zu reisen – denn vielleicht gibt es ja noch eine Chance, Shang zu retten.

Diyu untersteht König Yama, der darüber entscheidet, ob Seelen zur ewigen Folter einbehalten werden, in den Himmel aufsteigen dürfen oder wiedergeboren ein neues Leben auf Erden beginnen. Doch dass bereits dem Tod Geweihte die Unterwelt wieder verlassen, ist nicht gerade üblich. Trotzdem lässt Yama sich auf einen Handel mit Mulan ein: Shang darf weiterleben, wenn es Mulan gelingt, ihn vor Sonnenaufgang zu finden und aller Gefahren zum Trotz aus Diyu herauszuführen; andernfalls jedoch muss Mulan selbst bleiben. Wird sie es schaffen? Diyu ist ein seltsames Reich voller Tücke, und um ihre Mission zu erfüllen, muss Mulan nicht nur die hier weilenden Dämonen bezwingen, sondern auch die in ihrem Innern …

„Heiß wie Höllenfeuer, geheimnisvoll wie der Mond“

Neuinterpretationen von Disney-Klassikern sind nach wie vor groß in Mode: Neben den umstrittenen Real-Neuverfilmungen aus dem Haus der Maus wäre da z.B. noch die „Disney Villains“-Buchreihe zu nennen, welche einen anderen Blick auf die Hintergrundgeschichte von Schurken wie Mutter Gothel, Ursula oder der bösen Königin wirft. Wo diese aber durchwachsen war (sich aber auch an ein etwas jüngeres Zielpublikum richtete), funktionieren die Twisted Tales schon besser, zu deren ersten Bänden nun Dunkle Schatten zählt. Hier darf die Handlung des jeweiligen Originalfilms eine Abzweigung nehmen, und auf der Grundlage dieses Aufhängers wird eine Alternativgeschichte entsponnen.

So ist auch eine Szene mitten aus Disneys Mulan von 1998 jetzt der Einstiegspunkt: Actionreich wird man in die Sequenz geworfen, in welcher Mulan dank ihrer Cleverness eine Lawine auslöst und damit die Übermacht der Hunnen vernichtet. Dann jedoch kommen die Dinge anders: Nicht sie wird dabei verwundet, sondern Hauptmann Li Shang. Ihr Geheimnis, dass sie eigentlich eine Frau ist und der Kaiserlichen Armee gar nicht beitreten dürfte, bleibt also zunächst gewahrt; doch Mulans innerer Kampf ist damit noch lange nicht vorüber. Elizabeth Lim gelingt es, die Charakterisierung aus dem Film größtenteils beizubehalten und Mulan als tollpatschig und störrisch, aber vor allem als klug, mutig, aufrichtig und stark zu zeichnen, sodass es durchaus glaubhaft ist, als sie ihre Chance ergreift und in die Unterwelt reist, um Shang zu retten und ihre Schuld zu begleichen. Mushu-Fans müssen zwar leider fast gänzlich ohne den kleinen Drachen auskommen, dafür werden aber eine Riege neuer Figuren und Ideen geboten. Dunkle Schatten ist sehr bemüht, auf dem Fundament des Originals etwas Eigenständiges aufzubauen.

„Wann zeigt mir mein Spiegelbild, wer ich wirklich bin?“

Die Story kommt anfangs nur schwer in die Gänge, und die frühen Passagen sind nicht sehr gut geschrieben: Es gibt einige Wiederholungen, und die Dialoge sind eingangs etwas oberflächlich und belanglos. Ein bisschen Kürzen hätte dem Buch gutgetan. Bei der Reise in die Unterwelt wird es dann interessanter: Hier kann Lim alle Fantasy-Register ziehen und beschreibt eine atmosphärische, mystische Parallelwelt. Mulans dortige Erlebnisse lesen sich teilweise wie Fanfiction oder gar wie ein Videospiel (Kingdom Hearts lässt grüßen) – im schlechten wie im guten Sinne.

Insgesamt ist der Hauptteil des Buches unterhaltsam und lebendig geraten. Erfreulich ist insbesondere, dass sich die Autorin tatsächlicher chinesischer Mythologie bedient und diese einbaut: So ist König Yama auch in der traditionellen chinesischen Sagenlandschaft der Herrscher der Unterwelt, und die geheimnisvolle Herrin des Vergessens, Meng-Po, ist ebenfalls eine aus alten Legenden entlehnte Figur. Das verleiht der Story einen originellen Anstrich. Gleichzeitig schneidet Lim nicht nur eigene Themen an, an denen sich auch das diesjährige „Live Action“-Remake von Mulan versucht (jedoch weitaus weniger gekonnt), sondern greift auch stringent die roten Fäden der Filmvorlage auf. So ist es gerechtfertigt, dass der englische Titel mit Mulans großer, zentraler Selbstfindungs-Ballade identisch ist: Reflection.

Fazit

Dieser vielversprechende Einstieg in die Twisted Tales setzt die Messlatte für die Folgebände schon recht hoch an: Dunkle Schatten ist ein kurzweiliges Fantasy-Abenteuer, das eine spannende Neuinterpretation von Mulan ermöglicht. Ohne Vorkenntnisse des Zeichentrickfilms wird das Buch sicher keinen umhauen, aber gerade für Disney-Fans ist es ein Muss!

Dunkle Schatten: Was wäre, wenn Mulan in die Unterwelt hätte reisen müssen?

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