Allein in der Stille von Susanne Clay

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2012 bei Arena , 259 Seiten. ISBN 3401027638.

ab 12 Jahren

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Jugendbuch-Rezension von Rita Dell’Agnese: »Mehr davon versprochen«

Mickys Mutter kommt bei einem Autounfall ums Leben, als er gerade mal 15 Jahre alt ist. Damit beginnt für Micky eine stille Zeit, was seine Mutter betrifft. Sein Vater weigert sich, über sie zu sprechen. Es ist, als ob sie nie existiert hätte. Micky, der in einem Internat lebt, muss allein mit seinem Schmerz zurechtkommen. Als er diesen Sommer – zwei Jahre nach dem Unfall seiner Mutter – in den Ferien nach Hause kommt, scheint sein Vater anders als sonst. Aus dem klar strukturierten, ordentlichen Mann ist ein legerer Typ geworden. Misstrauisch registriert Micky die Veränderungen. Und beschließt, das Schweigen über die Mutter endlich zu brechen.

Was die Autorin Susanne Clay hier vorlegt, könnte eine Geschichte mit viel Tiefgang sein. Thema und Wahl der Charaktere versprechen eine intensive Auseinandersetzung mit den Gefühlen von Hinterbliebenen. Doch leider verspricht man sich mehr von diesem Roman, als letztlich gehalten wird: Die Geschichte entwickelt sich nur schleppend, die Autorin verliert sich immer mal wieder in Details und schrammt dabei sehr eng an der Grenze zur Langeweile vorbei. Ob es nun die Eingangs-Schilderungen aus dem Internat oder das verlegene Schweigen zwischen Vater und Sohn ist – es scheint, als ob Susanne Clay hier mit angezogener Handbremse fährt. Sie schleicht um das Thema herum, wie eine Katze um den heißen Brei.

Die Geschichte hat aber durchaus auch ihre starken Seiten. So etwa Mickys Versuch, durch sein Gartenprojekt im Internat seiner Mutter – einer passionierten Gärtnerin – nahe zu kommen. Hier erzählt Susanne Clay mit Umsicht und einer ausgewogenen Mischung zwischen Detailreichtum und Erzähltempo. Leider verliert sich das aber spätestens in ausführlicheren Schilderungen über den leicht verwahrlosten Zustand der elterlichen Villa, über den geliebten Kater oder über die unerklärliche Verwandlung des Vaters. Immer wieder schwappt die Frage an die Oberfläche, was denn die Autorin tatsächlich erzählen möchte. Das angekündigte Thema ist zwar omnipräsent, bleibt aber im Verlauf der Geschichte weitgehend ausgeklammert. Es schwebt sozusagen über allem, ohne greifbar zu werden.

In ihrer Erzählweise schlägt Susanne Clay einen leicht humoristisch gefärbten Ton an. An sich eine passende Grundlage für einen Jugendroman, der über das Erwachsenwerden berichtet oder eine nette Geschichte aus dem Internatsleben wiedergibt. Hier wollen Story und Tonfall aber nicht ganz zusammen passen. Die witzige Note scheint da und dort deplatziert und an anderen Stellen bekommt sie den Anschein von Ironie. Dies ist angesichts des Themas und der eigentlichen Richtung des Buches jedoch nicht die ideale Variante.

FAZIT

Susanne Clay hat alle Zutaten zusammen getragen, die für einen ausgezeichneten Roman notwendig sind. Insbesondere das Thema »Loslassen« bietet großen erzählerischen Spielraum. Allerdings hat die Autorin die sich hier bietende Chance nicht gut genutzt. Sie bleibt stark an der Oberfläche, schweift immer wieder ab und serviert auf diese Weise eine eher seichte Geschichte, die irgendwo zwischen amüsanten Kindheitserinnerungen und dem Erwachsenwerden angesiedelt ist. Anhand des Klappentextes hätte man sich hier eindeutig mehr versprochen.


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