Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen von Steven Herrick

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel By the River, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Thienemann , 239 Seiten. ISBN nicht vorhanden.

ab 14 Jahren

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Jugendbuch-Rezension von Lisa Reim: Poetisch angehauchte Geschichte über ein entbehrungsreiches Erwachsenwerden

Ein komplett in Versform verfasstes Jugendbuch zu veröffentlichen, ist mutig. Gerade wenn junge Leser im Deutschunterricht mit Gedichtinterpretationen von experimentierfreudigen Texten der Gegenwartslyrik konfrontiert werden, hält sich die Motivation sich mit vergleichbaren Formen in der Freizeit zu beschäftigen vermutlich in Grenzen. Autor Steven Herrick wagt dieses Experiment mit »Ich weiß heute Nacht werde ich träumen« nun schon ein zweites Mal. Bereits in seinem Debütroman »Wir beide wussten, es war was passiert« folgt er der Versform und wurde mit einer Nominierung beim Deutschen Jugendliteraturpreis 2017 belohnt.

Herrick behandelt in seinem neuen Roman das verlustreiche Leben des 14-jährigen Harry, der mit seinem Bruder Keith und seinem Vater in einem australischen Dorf lebt. Harry, dessen Familie immer noch mit dem frühen Tod der Mutter zu kämpfen hat, muss sich sowohl seinem ersten Liebeskummer als auch Reibereien mit der Dorfjugend stellen. Eine überschaubare Handlung, jedoch mit tiefgründigen Passagen, über die sich auch mal Nachdenken lohnt.

Ein Buch, auf das man sich einlassen muss

Liebe, Hass, Tod und Familienleben – alles Themen, die Herrick in durchschnittlich 1,5 Seiten umfassenden Kapiteln unterbringt. Schonungslos und zugleich einfühlsam, ruhig doch teilweise bedrohlich wird dem Leser ein Gefühl für das Leben des pubertierenden Jungen vermittelt, der in der vertrackten Welt seines Dorfes seinen eigenen Weg sucht. Auf die Darstellung einer ausformulierten Handlung verzichtet Herrick dabei weitestgehend. Auch wenn die Kapitel inhaltlich zusammenhängen, wird in jedem Abschnitt vielmehr ein Bild herausgearbeitet, das dem Leser Harrys Alltagswelt näher bringt.

Wie bei einem derartig gestalteten Text nicht anders zu erwarten ist, bedient sich Herrick einer poetischen Sprache, die den heraufbeschworenen Bildern und der losen Handlung die nötige Tiefe verleiht. Zusammen mit der Versform mag dies auf manche Leser zu Beginn recht exotisch wirken, dennoch ist der Text überraschend zugänglich. Aufmerksamkeit ist dabei stets gefragt, denn zwischen den Zeilen finden sich noch so manche interessante Informationen. Hier kommt die Versform ins Spiel, durch die sich beim Lesen automatisch ein Rhythmus einstellt, der eine ganz atypische Betonung der Sätze ermöglicht, anders als bei herkömmlichen erzählenden Texten. Dadurch treten plötzlich andere Dinge in den Vordergrund, scheinbar Belangloses wird wichtig, der Leser wird sensibilisiert für Details.

Dass bei solchen Büchern durch die Übersetzung einiges verloren geht, dürfte niemanden überraschen. Tatsächlich gibt es einige Stellen, die dafür sprechen: Die sprachliche Finesse gerät ins stocken, der Sprachklang wirkt eher hölzern, denn harmonisch. Auch inhaltlich läuft es nicht immer rund: In vielen Passagen mag der Funke nicht ganz überspringen und der Text verliert sich in seiner eigenen verkünstelten Darstellung.

Fazit:

»Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen« behandelt viele Motive, mit denen sich die ausgewiesene Zielgruppe der 13-Jährigen identifizieren kann. Allein die formale Gestaltung der Geschichte könnte ein Hindernis sein: Dies ist kein Buch zum schnellen Weglesen. Man braucht Zeit, um die Informationen zwischen den Zeilen zu erkennen und aufzunehmen. Potential zum mehrmaligen Lesen gibt es deshalb zuhauf.


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