Witchborn - Königin der Düsternis von Nicholas Bowling

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel Witchborn, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Chicken House , 384 Seiten. ISBN nicht vorhanden.

ab 14 Jahren

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Jugendbuch-Rezension von Julian Hübecker: Wenn ich Angst bekomme, dann geschieht etwas mit mir. Ich rede nicht mit den Toten. Sie reden mit mir.

Alyce ist 14, als ihre Mutter von Hexenjägern hingerichtet wird. Da ebenfalls Hexenblut in ihr fließt, flieht sie nach London, in der Hoffnung, mehr über ihre Hexenkünste zu erfahren. Doch das misstrauische England ist kein guter Ort für Hexen – und ein hartnäckiger Hexenjäger ist ihr schon auf der Spur: Alyce könnte die Zukunft Englands entscheiden.

Wie eine junge Hexe zum Spielball zweier mächtiger Königinnen wird

Nicholas Bowling nimmt den Leser mit ins elisabethanische England des 16. Jahrhunderts. Dieses goldene Zeitalter unter der Herrschaft von Königin Elisabeth I. dauerte fast 50 Jahre an und prägte das England jener Zeit nachhaltig. Doch auch Armut war weit verbreitet, vor allem unter der ländlichen Bevölkerung. Zu jenen zählt die 14-jährige Alyce, die mit ihrer Mutter im Dorf Fordham in Essex lebt. Doch beide sind sie auch Hexen und damit der ständigen Gefahr ausgesetzt, von Hexenjägern entdeckt und angeklagt zu werden. Als dies eines Tages geschieht und ihre Mutter getötet wird, kann Alyce nur knapp entkommen.

Bevor sie hingerichtet wurde, beschwor ihre Mutter sie, einen Dr. John Dee in London aufzusuchen und ihm einen Brief zu übergeben, der merkwürdige Runen beinhaltet. Unfähig diese zu entziffern, erhofft Alyce Antworten von dem Mann. Allerdings ist ihr der Hexenjäger John Hopkins dicht auf den Fersen. Nachdem Alyce ihn auf der Flucht mit einem Messer verwunden konnte, wähnt sie ihn eigentlich tot. Welche dunklen Künste halten ihn am Leben?

Gemeinsam mit dem jungen Schausteller Solomon, dessen Mutter ebenfalls als Hexe hingerichtet worden sein soll, möchte sie endlich Sicherheit finden und ihre eigenen Fähigkeiten kontrollieren lernen.

Doch es ist nicht so einfach, in London Verbündete zu finden, da jeder jedem misstraut und die Jagd auf Hexen in dieser Zeit ihren Höhepunkt findet.

Schließlich führt ihre Spur sie an den königlichen Hof und zum Buch der Toten, dem Necronomicon. Obwohl wegen seiner dunklen Zauber gefürchtet, verspricht es Macht unter den Hexen. Kein Wunder, dass das Buch Gegenstand der Intrige zwischen Elisabeth I. und Maria Stuart, einstiger Königin der Schotten, ist. Doch welche Rolle spielt Alyce? Als sie schließlich die Wahrheit erfährt, versteht sie, dass beide Königinnen stets ein doppeltes Spiel getrieben haben.

Ein fantasievoller, düsterer Roman über Hexenverfolgung in einer historischen Zeit

Obwohl ich mich sehr auf das Buch gefreut habe, war ich gleichzeitig wahnsinnig skeptisch, da ich es schwierig finde, einen historischen Roman mit Fantasy-Elementen zu vereinen. Ich glaube, die Herausforderung dabei ist, das Fantastische in eine historisch glaubwürdige Zeit zu packen, ohne dieser ihren geschichtlichen Wert zu nehmen. Umgekehrt ist dies jedoch aus mehreren Werken bekannt: viele Fantasy-Romane beruhen auf historischen Elementen und Settings. Obwohl der Autor dies nicht hundertprozentig geschafft hat, hat er doch das elisabethanische England gut getroffen und somit einfangen können.

Die historisch überlieferten Protagonisten hat er sich zu eigen gemacht und ihnen, neben den historisch bekannten, neue Gesichter gegeben. Das hat mir gut gefallen, da es erlaubt, die strenge Erwartungshaltung an geschichtlich authentische Personen loszulassen.

Das gesellschaftliche Leben sowie die Schauplätze waren nachvollziehbar und gut beschrieben. Vor allem Bedlam, das königliche Hospital für Geisteskranke, war ebenso verstörend geschildert wie interessant für die Geschichte genutzt.

Erfrischend fand ich außerdem, dass hier keine enormen magischen Kräfte zum Einsatz kamen, sondern eher kleine Hexenkünste, solche, die vermeintlichen Hexen damals tatsächlich zur Last gelegt wurden. So wurden kleine Strohpuppen für Sympathiezauber genutzt, die sowohl Schaden als auch Heilung bringen konnten. Das machte es wirklichkeitsnäher.

Obwohl die Geschichte mehr über die historische Hexenverfolgung hätte informieren können und Alyce mich von ihrem Verhalten und Charakter nicht vollkommen überzeugt hat, habe ich das Buch gerne gelesen. Das Ende genügt, um das Buch für sich allein zu betrachten. Dennoch bleiben einige Fragen offen, sodass auf eine Fortsetzung gehofft werden darf. Leider liegen mir noch keine Informationen vor, ob dies auch realisiert wird.

Fazit:

Ein historisch nicht ganz einwandfreier Roman mit leichten Fantasy-Elementen. Sein Wert liegt vor allem in seinem Setting, das der Autor gut für seine Geschichte genutzt hat. Obwohl Alyce als Protagonistin nicht überzeugen konnte, passen die anderen Figuren gut in die Geschichte hinein. Zu empfehlen für solche, die in eine weit zurückliegende, magische Vergangenheit eintauchen möchten.


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