Das Herz des Verräters - Die Chroniken der Verbliebenen, Band 2 von Mary E. Pearson

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2016 unter dem Titel Heart of Betrayal, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei One by Lübbe , 528 Seiten. ISBN 3846600423.

ab 14 Jahren

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In Kürze:

»Diese Welt atmet dich ein, sie teilt sich mit allem anderen.«

Nachdem Lia von Kaden nach Venda verschleppt wurde, soll sie dort dem Komizar – dem Herrscher des Reichs – vorgeführt werden. Allerdings gibt es ein Problem: Venda macht keine Gefangenen. Somit hängt Lias Leben am seidenen Faden und auch Kaden selbst hat sich durch seine Gefühle in Gefahr gebracht, sollte er die Prinzessin doch eigentlich längst umgebracht haben. Aber damit nicht genug, hat es auch Prinz Jaxon (Rafe) geschafft, sich in Venda einzuschleichen – mit falscher Identität. Ein Drahtseilakt beginnt, denn jeder der drei spielt ein falsches Spiel, das jederzeit aufzufliegen droht. Und dann gibt es da noch die größte aller Miseren: Wie kann Lia und Rafe die Flucht gelingen, bevor sie umgebracht werden?

Jugendbuch-Rezension von Melanie Reichert: Auch der zweite Teil überzeugt

Mit »Das Herz des Verräters« legt uns die Autorin eine tolle Fortsetzung der »Chronik der Verbliebenen« vor. Trotz kleiner Schwächen gegenüber dem Auftakt hat mich auch dieser Teil absolut überzeugen können.

Neben der detailreichen Ausstattung (Übersichtskarte vorne, farblich passendes Cover + Details darauf) ist auch die Story an sich, wie im Vorgängerteil, wieder in verschiedene Perspektiven aufgeteilt. Während der Hauptanteil auf Lias Erzählung liegt, bekommen wir die Geschehnisse aber zwischendurch auch von Kaden, Rafe oder Pauline erzählt. Das hat vor allem den Vorteil, dass man als Leser stets an den Handlungen teilnehmen kann, weil die Charaktere ja bekanntlich nach Band eins getrennt wurden. Auch die Dynamik sammelt dadurch extreme Pluspunkte, weil man immer mal wieder neue Orte entdecken kann.

Lia ist nach wie vor ein absoluter Lieblingscharakter und beweist eine Stärke, die beispiellos ist. Dabei ist sie aber keineswegs perfekt. Auch sie macht Fehler oder lässt sich teilweise zu sehr von ihren Gefühlen leiten. Aber genau dieser Punkt macht sie sympathisch, weil sie dadurch extrem authentisch erscheint. Sie verliert ihr Ziel nicht aus den Augen und steht für die ein, die ihr am Herzen liegen – und dabei ist es ganz egal, aus welchem Volk der Betroffene stammt.

Die Nebencharaktere werden diesmal etwas zahlreicher, weil in Venda verschiedene Institutionen am Werk sind, die für die Story wichtig sind. Allerdings bedeutet das auch, dass man als Leser einige Namen um die Ohren gehauen bekommt, die ich nicht immer sofort zuordnen konnte – besonders auch deswegen, weil die Autorin größten Teils auf einen Rückblick verzichtet und bei mir eine längere Zeit zwischen Band eins und zwei lag. Nichtsdestotrotz spielt erneut jeder hervorragend die ihm zugedachte Rolle und fügt sich in das Gesamtbild ein. Bei diesem Teil kann ich mich nur schwer entscheiden, ob ich Rafe oder Kaden lieber mag. Fest steht, dass beide einen Platz in meinem Herzen haben.

Ein etwas schwerfälliger Einstieg, aber eine umso rasantere zweite Hälfte

Die zuvor erwähnten kleinen Schwächen beziehen sich hauptsächlich auf die Spannung in der ersten Hälfte. Ich muss zugeben, dass mir der Einstieg nicht ganz so leicht fiel (viele Namen, längere Zeit zwischen den Bänden) und die ersten 250 Seiten ruhig ein wenig komprimierter hätten dargestellt werden können. Ich möchte auf keinen Fall sagen, dass es langweilig war, aber ich bin natürlich vom ersten Band verwöhnt, bei dem andauernd irgendwelche Wendungen geschehen sind und man das Buch kaum weglegen konnte. Auch die Fortsetzung ist insgesamt sehr spannend, aber eben etwas schwerfällig zu Beginn. Die zweite Hälfte ist dafür umso rasanter und endet mit einem bösen Cliffhanger – was können wir froh sein, dass die beiden abschließenden Teile schon erschienen sind!

Während wir im ersten Band die fast schon märchenhaften Seiten von Terravin kennenlernen durften, werden wir in »Das Herz des Verräters« in ein absolut düsteres, von Hunger verzehrtes Venda entführt, dass eine wirklich schwermütige Atmosphäre beim Leser hinterlässt. Obwohl man sich eher unbehaglich fühlt, finde ich es grandios, wie die Autorin es geschafft hat, mich diese ganzen Emotionen spüren zu lassen, als wäre ich selbst vor Ort.

Die Liebesgeschichte rutscht bei diesem Teil ein wenig in den Hintergrund, da sich Lia und Rafe gegenüber nicht offenbaren können. Allerdings bedeutet das nicht, dass es sich um einen emotionslosen Roman handelt – ganz im Gegenteil. Wir haben drei Personen, die sich vor Sehnsucht verzehren und alles dafür tun, um die zu schützen, die sie lieben. Wirklich überaus gefühlvoll und teilweise sehr dramatisch.

Ich würde mich der Altersempfehlung des Verlags anschließen, allerdings soll gesagt sein, dass die Gewalt mit dem Wechsel des Ortes nach Venda mehr in den Vordergrund rutscht. Man sollte also nicht zartbesaitet sein und auch mit dem einen oder anderen barbarischen Ritual umgehen können. Auch die politischen Verstrickungen, die immer deutlicher werden, brauchen ein gewisses Verständnis.

Fazit:

Auch der zweite Band konnte mich absolut überzeugen und man MUSS einfach wissen, wie es mit Lia, Rafe und Kaden weitergeht. Tolles Charakterdesign, atmosphärische Schauplätze und jede Menge Emotionen, die einen in den Bann ziehen.


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