your name. von Makoto Shinkai

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel Kimi no na wa, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Egmont INK , 304 Seiten. ISBN 3770496779.

ab 14 Jahren

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Jugendbuch-Rezension von André C. Schmechta:

In dem japanischen Bergdorf Itomori lebt die 17-jährige Oberschülerin Mitsuha. Die Idylle hat ihren Preis. Es gibt keine Geschäfte und das einzige Café ist eigentlich nur ein Getränkeautomat. Ihre Familie ist für den örtlichen Shinto-Schrein verantwortlich, ihr Vater steckt im Wahlkampf, so engen Traditionen und Pflichten das gemeinsame Leben mit Schwester und Großmutter zusätzlich ein.

Entsprechend unglücklich ist das Mädchen und wünscht sich nichts sehnlicher, als ein Leben als attraktiver Junge in der pulsierenden Großstadt Tokio. Taki ist ein solcher Junge. Nach der Schule jobbt er in einem italienischen Restaurant in Japans Metropole. Er hat in der letzten Zeit sehr reale erscheinende Träume in denen er als Mädchen in einem Dorf in den Bergen lebt. Nur ein Traum? Mitsuha findet sich eines Morgens tatsächlich im Körper von Taki wieder.

Mit der Zeit realisieren beide, dass sie tatsächlich regelmäßig im Körper des anderen aufwachen. Das sorgt vor allem anfangs für viel Irritationen und Verwunderung bei Freunden und Familien, schließlich sind beide nicht vertraut mit den jeweiligen Lebensgewohnheiten des anderen. So ergeben sich aber interessante und amüsante Situationen und Begegnungen – ob in der Schule oder zuhause.

Aber die Erinnerungen an die Zeit während des Rollentausches verblassen sofort nach dem Aufwachen im eigenen Körper. Über das Smartphone dokumentieren Mitsuha und Taki daher die Ereignisse des Tages und koordinieren darüber Begegnungen und Abläufe.

Taki und Mitsuha lernen sich mit der Zeit über den Körpertausch immer besser kennen, die Neugierde aufeinander wächst. Doch plötzlich bricht die Verbindung der beiden ab und Taki begibt sich auf die Suche nach Mitsuha und ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nichts von dem Schicksal, das ihre ungewöhnlichen Erlebnisse umgibt …

Vom Manga...zum Film …zum Roman

Wer erstmals etwas von »your name.« aus der Feder von Makoto Shinkai hört, hat mittlerweile die Wahl zwischen Manga, Comic oder Film. Letzterer ist in Japan ein riesiger Erfolg gewesen und hat der Geschichte um Mitsusha und Taki viel neue Aufmerksamkeit beschert. Der Roman basiert auf dem Film, zu dem Makoto Shinkai auch das Drehbuch verfasst hat.

Im Vergleich zur Manga-Vorlage punktet der Roman natürlich durch die Möglichkeit Handlungsstränge erzählerisch zu vertiefen und die Protagonisten damit stärker zu charakterisieren. Das wird schon in der Anfangsphase deutlich. Mitsuhas Unzufriedenheit über ihr Leben im Dorf wird umso deutlicher und nachvollziehbarer, da wir mehr Einblicke in die Lebensumstände erhalten und in die Bedeutung von Riten und Tradition für ihre Familie und ihre Rolle, die sie nur ungerne einnimmt. Auch die Gegensätze zwischen dem modernen Stadtleben Japans und dem Leben auf dem Land werden deutlich.

Aber vor allem schafft es der Roman die immer stärker werdende Verbindung zwischen Mitsuha und Taki mit jeder Seite greifbarer auszugestalten. So bekommen wir deutlich mehr und nuancierte Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt von Taki und Mitsuha. Und gerade hier liegt ein Großteil des Reizes des Buches.

Stärker als im Manga werden auch die körperlichen Aspekte thematisiert, die der Rollentausch nun mal mit sich bringt. Und das gelingt humorvoll und augenzwinkernd ohne allzu große Scham. Da sind gegenseitig auferlegte Verbote, wie mit dem Körper des anderen umzugehen ist, durchaus verständlich und für den Leser äußerst amüsant zu lesen.

Übrigens greift Shinkai zu einem einfachen Hilfsmittel, um beim Lesen den Überblick über die Zeit- und Handlungsebene zu erhalten. Erzählt Mitsuha – egal ob im eigenen oder im fremden Körper – ist der Text links bündig gesetzt, bei Taki ist es entsprechend umgekehrt.

Vom Romance-Schmöker zum Fantasy-Drama

Auch wenn die Geschichte in Japan spielt, fällt die Identifikation mit den beiden Hauptdarstellern nicht allzu schwer. Beide hadern mit ihrem Alltag, sind nicht nur auf der Suche nach neuen Ankerpunkten in ihrem Leben, sondern auch nach einem gleichgesinnten Menschen.

Als Taki bei seiner Suche nach Mitsuha in Erfahrung bringt, dass das Dorf in dem sie lebt von einem Kometeneinschlag getroffen wurde und zahlreiche Menschenleben gekostet hat, wird ihm – und dem Leser – schlagartig bewusst, welche Bedeutung das für die letzten Ereignisse und das plötzliche Abreißen der Verbindung haben könnte. Und wir fürchten um das Leben von Mitsuha.

Damit verändert sich Stimmung und Intensität der Geschichte. Und spätestens jetzt wird »your name.« zum rasanten Page-Turner. Makoto Shinkai steuert Mitsuha und Taki auf ein emotionales Ende zu. Der Kometeneinschlag ist mit ihrem Leben verknüpft und so versucht Taki zusammen mit seinen Freunden das Schicksal zu verändern …

Fazit:

»your name.« ist eine romantische Coming-of-Age Liebesgeschichte und ein aufwühlendes Drama mit Fantasy-Elementen zugleich – kurzweilig, amüsant, spannend. Makoto Shinkai erzählt von der Suche nach dem einen Menschen, dem wir uns verbunden fühlen, und der Suche nach uns selbst. Alles das unter schicksalhaften Bedingungen, denen sich die Protagonisten stellen und nicht unterwerfen.

Makoto Shinkai gelingt der Spagat zwischen jugendlicher Tonalität und wortgewandter, bildhafter Sprache. Vor dem Hintergrund japanischer Lebensweisen mit ihrer Philosophie und Tradition erhält die Geschichte eine gewisse Bodenständigkeit.

Mitsuha und Taki sind schlicht liebenswerte Menschen, die sich jeder Jugendliche an seiner Seite wünschen dürfte und dementsprechend mit jeder Seite mitfiebert – bis zum packende Finale.

Hier geht es übrigens zur Manga-Rezension auf Comic-Couch.de


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