Fallende Stadt von Lauren DeStefano

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2013 unter dem Titel Perfect Ruin, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei cbj / cbt , 416 Seiten. ISBN 3-570-31199-6.

ab 14 Jahren

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Jugendbuch-Rezension von Julian Hübecker: »Das erste Mal in meinem Leben fühle ich mich nicht sicher, und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.«

Morgan kann nicht aufhören daran zu denken – an den Rand, jene unsichtbare Grenze, der es sich zu nähern verboten ist. Was erwartet sie außerhalb von Internment, dieser Stadt, die noch keiner verlassen hat? Je mehr sie darüber nachdenkt, umso mehr sehnt sie sich danach, aus den Zwängen zu fliehen. Doch schon der Gedanke daran genügt, um sich und ihre Liebsten in große Gefahr zu bringen.

Das Leben in einer abgeschlossenen Stadt – ist es das Paradies oder ein Gefängnis?

Internment – eine fliegende Stadt, weit entfernt von jeglicher anderen Zivilisation. Der König regiert sein Reich mit eiserner Hand und untersagt den Fortschritt. Dadurch ist die Stadt von der Welt »darunter« abgeschottet. Dem Großteil der Bewohner bietet diese Abgeschiedenheit Sicherheit und Schutz. Sie müssen sich um nichts sorgen oder planen – dies übernimmt das totalitäre System. Alles wird geregelt: die Verlobung wird bereits vor der Geburt arrangiert, die Anzahl der Kinder ist festgelegt und das Leben wird mit 75 Jahren beendet.

Doch nicht jeder kann sich dem fügen: Ihr Leben lang fühlt sich Morgan Stockhour gleichzeitig von der Stadt beschützt und erdrückt. Ihre größte Angst ist es, dass ihr Drang, sich dem Rand zu nähern, irgendwann über ihre Vernunft steigt. Solche, die ihm zu nahe kommen, verfallen beim Anblick der endlosen Weite dem Wahnsinn und werden als »Springer« von der Gesellschaft gemieden. Ihr großer Bruder Lex war nicht stark genug und kam als blinder, gebrochener Mann zurück. Seitdem schließt er sich in seiner Wohnung ein und meidet soziale Kontakte.

So will Morgan nicht enden und besinnt sich auf das, was sie hat: Eltern, die sie lieben; ihre beste Freundin Pen, die wie eine Schwester für sie ist; und ihr Verlobter Basil, der alles für sie tun würde. Und doch hat alles seine Schattenseite, scheint doch nicht alles perfekt zu sein und der Wunsch nach Veränderung lässt sich immer schwerer unterdrücken.

Als schließlich eine Mitschülerin von Morgan ermordet aufgefunden wird, zeigt Internment sein anderes Gesicht: der König vertuscht Wahrheiten und verbreitet Lügen. Solche, die gegen das System rebellieren, werden unter Medikamente gesetzt oder ermordet. Immer mehr beginnt Morgan sich zu fragen, ob es doch ein Leben außerhalb von Internment gibt und ob es sich zu entdecken lohnt. Doch wem soll sie sich anvertrauen? Einen Verbündeten findet sie in Judas, dem Verlobten der Ermordeten, doch ist er ausgerechnet derjenige, der des Mordes an ihr verdächtigt wird …

Eine faszinierende Grundidee, die jedoch nicht gut genug ausgeschöpft wurde

Als mir dieses Buch das erste Mal unter die Augen gekommen ist, hat mich direkt die Originalität des Settings angesprochen. Zusätzlich visuell durch das gelungene Cover in Bann gezogen, beschloss ich, das Buch zu lesen. Dabei ist mir gleich der flüssige Schreibstil von DeStefano aufgefallen, der es mir leicht machte, mich in die Geschichte einzufinden. Leider hat die Autorin ihr Talent nicht dafür genutzt, Internment so darzustellen, dass sie einem klar vor Augen steht. Für einen so besonderen Schauplatz hätte mehr Energie aufgewandt werden müssen, um den Leser in die Welt hineinzuziehen. Für mich kam einfach nicht diese bedrückende Stimmung auf, die auch Morgan gefühlt haben muss. Eine Karte der Stadt wäre nicht nötig, aber zumindest doch hilfreich gewesen. Ich hätte aber vor allem gerne mehr über den Aufbau der Stadt, über die Gesellschaft an sich und das dortige Leben kennengelernt. Die Autorin hat stattdessen nur kurze Anmerkungen eingestreut, die in mir den Wunsch geweckt haben, mehr über die dortigen Wissenschaften, die Landwirtschaft, die Königsfamilie, einfach die Gesamtsituation in Internment kennenzulernen – da hätte ich auch einige Seiten mehr in Kauf genommen.

Gut war dagegen, dass DeStefano einige Fragen unbeantwortet gelassen hat, die mich neugierig auf deren Beantwortung zurückließen. Vor allem das irdische Leben bleibt dem Leser verschlossen; gibt es ein Leben auf dem Boden? In welcher »Epoche« befindet man sich dort? Man hat das Gefühl, noch viel entdecken zu können. Auch Morgans Bruder Lex bleibt sehr rätselhaft, ebenso seine Motive, sich dem Rand genähert zu haben.

Allgemein scheinen alle Charaktere ihre Geheimnisse zu tragen und diese nicht so einfach preisgeben zu wollen. Mir kommt es so vor, als wäre das Buch nur eine Vorbereitung auf etwas Größeres. So bleibt die Handlung um das tote Mädchen eher flach und unausgereift, scheint noch nicht an die anderen Stränge anknüpfen zu können. Auch das Ende war etwas konfus und sehr plötzlich. Doch all die unbeantworteten Fragen und das dennoch gelungene Ende reichen aus, um neugierig auf den zweiten Band »Zerbrochene Krone« zu machen. Durch das Einbringen einer neuen Variablen könnte dieser Twist das nötige Etwas sein, das die Geschichte voranbringt.

Fazit:

»Fallende Stadt« unterscheidet sich von anderen Romanen dieser Art durch ein außergewöhnliches Setting. Obwohl die Handlung nicht überzeugen konnte, reicht sie als Vorbereitung auf etwas (hoffentlich) Größeres.


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