Tage wie diese von John Green, Maureen Johnson, Lauren Myracle

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Let it snow, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Arena , 400 Seiten. ISBN 3401065440.

ab 12 Jahren

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Jugendbuch-Rezension von Corinna Abbassi-Götte: »Willkommen im Winter-Weihnachts-Wunderland!«

»Tage wie diese« klingt vielleicht ein wenig nach dem ganz normalen Alltagswahn – doch weit gefehlt!

Mitten im tiefsten Winter gerät Jubilees Zug in eine Schneewehe, und notgedrungen verbringt sie eine Nacht in Gracetown.
Unfreiwillig verfolgt von einer Horde Cheerleader strandet sie in einem Waffelhaus und lernt dort Stuart kennen.

Der Herzog ist eigentlich ein Mädchen, auch wenn sie von ihren beiden besten Freunden JP und Tobin nicht als solches behandelt wird. Daher ist es umso härter für sie, von beiden durchs verschneite Gracetown Richtung Waffelhaus geschleift zu werden, da beide nichts anderes im Sinn haben, als sich an der unerwarteten doch umso erfreulicheren  Cheerleader-Invasion zu ergötzen.

Eigentlich liebt Addie Jeb über alles, doch dann kommen ihr Zweifel an seiner Liebe und sie wird ihm untreu. Im heftigsten Schneetreiben muss sie nicht nur lernen, nicht permanent an sich selbst zu denken, sie muss sich auch fragen, ob Jeb ihr jemals verzeihen wird und ob er ihr noch eine Chance gibt.

Auf den ersten Blick haben die drei Geschichten bis auf die Kulisse – das eingeschneite Gracetown – nichts miteinander zu tun.
Man beginnt mit »Der Jubilee-Express« aus der Feder von Maureen Johnson und lässt sich von ihr und ihrer locker-frechen Erzählweise direkt in das schneeüberschüttete Kleinstadtnest transportieren.
Jubilees Geschichte sprüht nur so vor irrwitzigen Einfällen – angefangen bei Flobie (Durch die Lektüre des Buches unbedingt selbst herausfinden, was Flobie eigentlich ist!) über die Tatsache, dass Cheerleader entweder Amber oder Madison heißen, bis hin zum besten Schutz gegen Schnee und Eis: Plastiktüten!
Beeindruckend ist, wie schnell man sich trotz aller Skurrilität in Jubilee hineinversetzen kann, und wie wunderbar man sich in ihrer absurden Situation zurechtfindet. In erster Linie geht es natürlich um das Thema Liebe und die Frage »Was will ich?«, so dass eine ernste Komponente in diese verrückt-amüsante Story gelangt. Jubilee hat nämlich einen wunderbaren Vorzeigefreund, doch gibt er ihr wirklich das, was sie von einem Freund erwartet?

Ähnlich verhält es sich in John Greens »Ein cheer unglaubliches Weihnachtswunder«, in der Tobin viel zu langsam erkennt, dass er drauf und dran ist, sich in den Herzog zu verlieben.
John Green ist, nebenbei bemerkt, wohl auch der bekannteste der drei Autoren, die dieses Buch kreiert haben. Nach "Eine wie Alaska», «Margos Spuren» und «Die erste Liebe» zeigt er nun in dieser Kurzgeschichte ein weiteres Mal, wie humorvoll er besondere Details verknüpfen kann, dabei den Tiefgang wahrt, und ganz nebenbei noch eine besondere Liebesgeschichte erzählt.

Lauren Myracle steuert mit «Der Schutzheilige der Schweine" nicht nur die letzte, sondern auch die tragischste Geschichte bei. Ihre Addie muss in erster Linie aufmerksamer und sensibler für die Wünsche ihrer Freunde werden. Außerdem muss sie dringend lernen, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Durch ihre Ich-Bezogenheit hat sie ihre erste große Liebe Jeb schon verloren, weswegen ihr Lernprozess umso dringender und schmerzhafter ist.
Unglaublich, dass ihre Geschichte trotzdem erheitert, da die Autorin nicht an skurrilen Elementen spart.
Teetassenschweine? Die gibt es hier!

Wie die drei ich-erzählenden Hauptpersonen im Schneetreiben Gracetowns zu ihrem wohlverdienten und vom Leser gewiss herbeigesehnten Happy End kommen, und wann man wo noch einmal auf welche Person stößt, muss natürlich selbst erlesen werden.

Wie das Autoren-Trio es schafft, in diesem sehr dichten Netz aus Schnee, liebenswerten Personen und speziellen Örtlichkeiten drei völlig unabhängige und durch zahlreiche Verbindungen dennoch zusammenhängende Geschichten zu erzählen …Respekt!
Gerade durch die kleinen Randinformationen in den jeweils anderen Geschichten erhält vieles noch einmal eine tiefere Bedeutung.
Um nur ein Beispiel zu nennen: Warum genau Stuart aus Geschichte 1 ein kleines Problem mit Cheerleadern hat, wird erst in Geschichte 3 so richtig offenbart.
Die zahlreichen Querverbindungen sorgen also nicht nur für kleine oder größere Überraschungen und besitzen einen hohen Informationsgehalt, sie sorgen ebenso für diverse Aha-Effekte.

FAZIT

Der Handlungsort Gracetwon hat durchaus etwas von einem skurrilen Winter-Weihnachts-Wunderland. Das Autoren-Trio unterhält den Leser mit drei wunderbar witzigen Liebesgeschichten, ohne den Blick für das scheinbar ganz normale und manchmal ein wenig chaotische Gefühlsleben eines Teenagers zu verlieren. Gerade durch diesen Tiefgang berührt jede Geschichte auf ihre ganz eigene Weise. Durch zahlreiche Querverbindungen, deren Informationsgehalt man ganz sicher nicht missen will, und die für viele Aha-Effekte sorgen, wird »Tage wie diese« zu etwas Besonderem.

 


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