Spiegelherz von Janine Wilk

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2018 deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Planet Girl , 368 Seiten. ISBN nicht vorhanden.

ab 12 Jahren

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Jugendbuch-Rezension von Lisa Reim: Unbeständiges Hexenabenteuer

Die sechzehnjährige Anna zieht mit ihrer Familie in ein kleines Dorf im Harz. Schnell wird ihr klar, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht: flüsternde Stimmen, Albträume und eine geheimnisvolle Botschaft lassen Anna an ihrem Verstand zweifeln. Als sie zusammen mit dem gutaussehenden aber arroganten David in der Nähe des Brocken auf drei Hexen trifft, macht sie eine unglaubliche Entdeckung: Sie ist selbst eine Hexe. Und nicht nur das. Sie und David waren in einem früheren Leben ein Liebespaar und gehörten zu den mächtigsten Magiern überhaupt. Damals kämpften sie gemeinsam gegen Nebruel, den Sohn des Teufels. Doch dieser droht nun aus seinem Spiegelgefängnis zu entkommen. Nur Anna und David können ihn aufhalten, vorausgesetzt sie finden ihre damalige Liebe füreinander wieder. Doch Anna kommen Zweifel auf, denn merkwürdigerweise fühlt sie sich zu Nebruel, der versucht über Spiegel mit ihr in Kontakt zu treten, hingezogen – viel mehr als zu David, ihrem eigentlichen Seelengefährten.

Hexerei, Teenie-Romantik, umwerfende Typen, eine Dreiecksgeschichte und der Auftrag, die Welt zu retten – das kennt man schon. Trotzdem gelingt es Janine Wilk sich gleich zu Beginn die Aufmerksamkeit der Leser zu sichern: mit dynamischem Erzählstil und einer lebensnahen Protagonistin werden wir in den winterlichen Harz am Fuße des sagenumwobenen Blocksberges entführt. Den Leser erwartet eine düstere Atmosphäre, die sich Dank der geschickten Einflechtung lokaler Legenden und schauriger Szenen immer mehr verdichtet. Die Spannung steigt, genauso wie die Leseerwartungen. Doch dann trifft Anna auf die drei Brockenhexen und die Geschichte beginnt in unstete Gefilde abzudriften und die schöne Anfangsstimmung einzubüßen.

Argloser Teenager trifft auf tumbe Hexen

Sobald die Sache mit der Magie ins Spiel kommt scheint die Autorin überfordert zu sein, Teenie-Geschichte, Liebesgeflüster, Zauberei und die Bedrohung durch das Böse sinnvoll unter einen Hut zu bekommen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Deutlich wird dies an der anfangs überzeugenden Ich-Erzählerin Anna, die zunehmend in die Rolle eines naiven Dummchens abzurutschen droht. Ihr zunehmend fragwürdiges Verhalten ist vermutlich dem Umstand geschuldet, dass durch eine vernünftige und logisch denkende Protagonistin die Geschichte deutlich kürzer ausgefallen wäre. Wer nun seine Hoffnungen in die jahrhundertealten Hexen legt, die immerhin auf einen ebenso alten Erfahrungsschatz zurückgreifen können, wird eines Besseren belehrt. Auch sie scheinen mit der Situation überfordert und legen ein dermaßen dubioses Verhalten an den Tag, dass einem mehr als einmal Zweifel an deren Kompetenz aufkommen.

Wenn das Böse keine Furcht einflößt

Dem ultimativ bösen Antagonisten ergeht es da nicht anders. Auch hier gelingt es der Autorin nicht, der Geschichte genügend Tiefe zu verleihen. Die Gefahr, die von Nebruel ausgeht, ist zu keiner Zeit wirklich greifbar. Zu viel wird in diesem Zusammenhang nur nacherzählt, zu wenig Konkretes lässt die Gefahr für den Leser tatsächlich spürbar werden. Da nützt es auch nicht viel, das mysteriöse Massensterben der Nachbarshühner zu erwähnen. Auch der Ausflug in das Reich des Dämons Uriel, ein äußerst gefährliches Unterfangen, wie immer wieder betont wird, ist nicht mehr als ein kurioser Wochenendausflug. Selbst wenn man bedenkt, dass es sich um ein Jugendbuch handelt, wird hier vergleichsweise wenig geboten.

Man merkt: Das Konstrukt mag nicht so recht zusammenpassen, obwohl die Ideen durchaus ihren Reiz haben. Ein wenig mehr Zeit in die Ausarbeitung zu investieren, hätte dem Ganzen aber mehr Glaubwürdigkeit verliehen. Doch so begegnen einem zu viele außer Acht gelassene Handlungsstränge und unbeantwortete Fragen. Der unbeholfene Spagat zwischen humorvollen Auflockerungsversuchen und ernsten Tönen tut da sein Übriges. Wer zudem die Geschichte gedanklich zu durchdringen versucht, dürfte die überraschende Wendung am Schluss nur noch mäßig überraschend finden.

Fazit

Janine Wilks Roman weist zu viele Elemente auf, die nicht zufriedenstellend ausgearbeitet wurden. Insgesamt ein recht oberflächliches Hexen-Abenteuer, das sich Dank des schwungvollen Schreibstils jedoch schnell lesen lässt und somit trotzdem Unterhaltungswert besitzt. Leichte literarische Kost für Zwischendurch, besonders für Wenig-Leser.


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