Dieses Leben gehört Alan Cole (Bitte nicht knicken) von Eric Bell

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel Alan Cole is not a coward, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Fischer , 304 Seiten. ISBN 373735488X.

ab 12 Jahren

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Jugendbuch-Rezension von Julian Hübecker: »Das Leben eines Jungen lässt sich im Grunde in zwei einfachen Fragen zusammenfassen: Wie viel Hüpfknete hat er gegessen, und wer hat ihn dazu gezwungen, sie zu verdrücken?«

Der zwölfjährige Alan Cole hat es nicht leicht: sein strenger Vater erwartet stets Leistung, straft ihn aber sonst mit Desinteresse, während sein älterer Bruder Nathan es genießt, ihn auf jede erdenkliche Weise leiden zu lassen. Als er auch noch herausfindet, dass Alan schwul ist, hat er ihn vollkommen in der Hand. Sieben schwere Aufgaben muss er lösen, sonst wird er von Nathan vor der versammelten Schule geoutet.

Über die Selbstbestimmung des eigenen Lebens

Eric Bell präsentiert mit »Dieses Leben gehört: Alan Cole« sein Erstlingswerk auf dem deutschen Buchmarkt und legt etwas Ungewöhnliches vor: Einen Protagonisten, der mit seinen 12 Jahren bereits weiß, dass er schwul ist. Dieses Alter ist mit Sicherheit ungewöhnlich früh, um seine Sexualität zu entdecken, und doch wirkt Alan Cole bereits reif genug, um sich dessen sicher zu sein.

Doch wie lässt sich Alans Leben am Besten beschreiben? Oberflächlich betrachtet, scheint sein Leben normal: Er wohnt zusammen mit seinen Eltern und seinem großen Bruder und besucht die Schule. Er hat zwei beste Freunde, Zack und Madison, und liebt es zu zeichnen, weshalb er ständig ein Notizbuch mit sich herumträgt, um jede Idee gleich festzuhalten. Doch dieser talentierte Junge entwickelte sich mit seinen jungen Jahren bereits zu einem ausgeprägten Zyniker: »Auf meinem Grabstein wird einmal stehen: Hier liegt Alan Cole. Er aß einen gigantischen Berg Hüpfknete. Sein Stuhlgang klebte an Wänden fest, und man konnte Figuren daraus formen.«

Wie konnte es dazu kommen? Alan wächst mit einem Vater auf, der keine Liebe zeigt, sondern nur Leistung von seinen Söhnen erwartet. Die Kunst hält er dabei für Schwäche, die Alan möglichst ablegen sollte. Und Nathan verhält sich auch nicht gerade, wie es von einem älteren Bruder zu erwarten wäre. Er drangsaliert und ärgert Alan, wo er nur kann, und verprügelt ihn sogar, wenn er mit seiner Großspurigkeit nicht weiterkommt. Die größte Tortur ist für Alan jedoch, wenn Nathan CgC mit ihm spielen möchte – »Cole gegen Cole«. Dabei müssen die Brüder selbst auferlegte Aufgaben erledigen. Wer diese als erstes schafft, der darf etwas von dem Verlierer verlangen. Das Problem: Die Aufgaben sind so verzwickt, dass sie für Alan unmöglich zu schaffen sind, weshalb er auch stets verliert. Doch nun steht viel mehr für ihn auf dem Spiel: Nathan findet heraus, dass Alan sich in seinen Mitschüler Connor verliebt hat. Nathan erpresst Alan daraufhin mit einer Zwangsrunde C. g. C. Verliert er, wird er vor der versammelten Schule geoutet. Doch die Aufgaben haben es in sich, und so steht Alan vor einem gigantischen Dilemma. Gut, dass er seine besten Freunde hat, die ihm helfen – obwohl deren Freundschaft dabei hart auf die Probe gestellt wird.

Wie eine Welt voller Hindernisse einen wachsen lässt

Was erstmal nach harter Kost klingt, ist doch viel mehr als das: Bell hat ein Buch voller Witz und Ironie geschrieben, wo es um das wachsende Selbstbewusstsein eines Jugendlichen und seinen Kampf gegen Unterdrückung geht. Es ist auch ein kleines Familiendrama gespickt mit etwas Tragik. Aber vor allem geht es darum, wie man seinen Platz trotz aller Hindernisse in der Welt findet und seine persönlichen Dämonen bezwingt – etwas, wozu viele Erwachsene nicht in der Lage sind.

Zu Anfang kam ich aufgrund des Schreibstils leider nur schwer in das Buch rein, da es mit vielen in Klammern gesetzten Nebensätzen arbeitet. Nach dem ersten Kapitel hatte ich mich aber daran gewöhnen und voll auf die Handlung einlassen können. Und die war großartig! Man erlebt Schritt für Schritt Alans Entwicklung, wie er zu unterschiedlichen Selbsterkenntnissen gelangt. Er war für mich ein außergewöhnlicher Charakter, der mich mit seiner Unerschütterlichkeit schnell packen konnte. Auch die meisten anderen Personen waren gut gestaltet; vor allem Alans Freund Zack hatte es mir angetan, dessen Sorglosigkeit und Fantasie mich oft zum Schmunzeln brachte. Nathan jedoch konnte ich wenig abgewinnen. Mir ist klar, dass er Alans Antagonist darstellt, gegen den er sich behaupten muss, doch war er mir in seiner Brutalität zu extrem, da es schon ans Sadistische grenzte. Seine Person hätte abgeschwächter dargestellt werden können, ohne die Bedeutung der Geschichte abzumildern. Und diese war klar definiert rübergebracht sowie schlüssig dargestellt.

Wie ich zuvor eigentlich vermutet hatte, ist es keine Coming Out-Story im klassischen Sinne, da die Homosexualität nur ein Randthema ist. Dennoch spricht das Buch ein Thema von großer Wichtigkeit an: nämlich sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist, und die Notwendigkeit, stets über sich hinauszuwachsen.

Fazit:

Alan ist ein sympathischer, intelligenter Charakter, der selbstreflektierend an sich arbeiten und daran wachsen kann. Trotz seiner jungen Jahre schafft er es, dem Leser einiges mitzugeben. Mit einem flüssigeren Schreibstil und weniger überspitzten Charakteren hätte das Buch eine glatte 10 verdient.


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