Nicht weg und nicht da von Anne Freytag

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2018 unter dem Titel Nicht weg und nicht da, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Heyne , 480 Seiten. ISBN nicht vorhanden.

ab 14 Jahren

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Jugendbuch-Rezension von Lisa Reim: Wie geht man damit um, wenn der eigene Bruder Selbstmord begeht?

Als Lanas Bruder sich in den Tod stürzt, verliert sie sich in ihrer Trauer. Sie wendet sich von ihrer besten Freundin Ming ab, entfernt sich immer weiter von ihrer Mutter, weigert sich mit ihrem Therapeuten zu sprechen und rasiert sich in einer radikalen Kurzschlussreaktion ihre langen Haare ab. Zufällig begegnet Jacob dem glatzköpfigen Mädchen mit den traurigen Augen im Treppenhaus und ist sofort fasziniert von ihr. Lana öffnet sich ihm nur langsam, erkennt aber bald, dass er die Fähigkeit besitzt, sie von ihrer Schwermut zu befreien. Doch nicht nur Jacob erweist sich als Retter in dieser dunklen Zeit: Lana erhält E-Mails von ihrem verstorbenen Bruder, in denen er ihr Aufgaben stellt. Aufgaben, die ihr beibringen mit ihrer Trauer umzugehen. Und die ihr helfen sollen, ihn endlich loszulassen.

Intensiv, grausam und schön

Es ist eine schwierige Thematik, der sich Anne Freytag in ihrem Buch widmet. Ein schonungsloser Versuch, die emotionalen Dynamiken nach einem grausamen Verlust darzustellen und damit eine Geschichte zu erzählen über die Bewältigung dieser dunklen Energien. Unglaublich feinfühlig geht die Autorin dabei zu Werke, lässt uns durch geistreiche Wortspiele und Bilder teilhaben an Lanas Schicksal und erschafft eine bedrückende Atmosphäre, die den Schmerz derartiger Erlebnisse greifbar macht.

Umso emotionaler gestaltet sich der Hoffnungsschimmer der sich Lana offenbart: Die von ihrem Bruder vorbereiteten E-Mails, die er ihr in bestimmten Abständen von einem Programm schicken lässt. Diese stecken voller Liebe, Aufmunterung und Verständnis. Doch vor allem sind es die an Lana gestellten Aufgaben, welche die ergreifendsten Momente der Geschichte darstellen: aufheiternd und schmerzlich zugleich.

Tolle Idee, mit kleinen Störfaktoren

Im Gegensatz dazu gestaltet sich die Liebesgeschichte zwischen Lana und Jacob etwas holprig. Denn Jakob ist ein Charakter, der nicht so recht ins Bild passen mag. Er wirkt zu konstruiert, gleicht viel zu sehr einem Fremdkörper, der in den falschen Plot hineingezwängt wurde, als dass man seine Daseinsberechtigung einwandfrei bewilligen könnte.

Hinzu kommt der stete Perspektivwechsel zwischen Lana und Jakob, der häufig bereits nach einer halben Seite stattfindet und für die Dramaturgie der Geschichte leider oft nicht sehr förderlich ist. Anstatt dem Leser interessante Einblicke in die Gefühlswelt der beiden Protagonisten zu ermöglichen, fällt dieser Kniff eher störend denn hilfreich auf. Längere zusammenhängende Passagen wären hier für den Lesefluss eindeutig vorteilhafter gewesen.

Fazit:

Ein Buch, das mit seiner bewegenden Thematik bestimmt nicht für jeden geeignet ist. Dennoch liefert Anne Freytag eine berührende Geschichte über Trauerbewältigung ab. Kleine Durchhänger mindern den emotionalen Sog der Geschichte nur gering. Das Buch wird auf alle Fälle seine Anhänger finden.


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