Die Stadt der Regenfresser von Thomas Thiemeyer

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel Die Stadt der Regenfresser - Die Chroniken der Weltensucher 1, bei Loewe , 447 Seiten. ISBN 3785565747.

ab 12 Jahren

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Kurzbeschreibung:

Eine Stadt in der Vertikalen, 3000 Meter über dem Meeresspiegel. Ein vergessenes Volk, bedroht durch eine unheimliche, archaische Macht. Und eine kleine Truppe von Abenteurern aus der alten Welt, zu allem entschlossen.
Dies ist die Geschichte des Carl Friedrich Donhauser, der sich selbst Humboldt nannte. Zusammen mit seinen Gefährten bereiste er die letzten noch nicht erforschten Orte der Erde. Er entdeckte vergessene Völker, schloss Freundschaften mit den fremdartigsten Geschöpfen, hob unvorstellbare Schätze und erlebte die haarsträubendsten Abenteuer. Viele seiner Entdeckungen und Erfindungen gehören noch heute zu unserem täglichen Leben. Warum er aber selbst in Vergessenheit geriet, das wird wohl immer ein Geheimnis bleiben. Thomas Thiemeyer verwebt atemraubende Schauplätze und verwegene Charaktere zu einer klassischen Abenteuergeschichte, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesseln wird.

Jugendbuch-Rezension von Corinna Abbassi-Götte: »Ein phantastisch-historisches Expeditionsabenteuer«

[Jugendbuch des Monats – November 2009]
Eine Stadt in der Luft? Eine unglaubliche Vorstellung! In der wunderbaren Atmosphäre des ausgehenden 19. Jahrhunderts macht sich eine Gruppe von Abenteurern auf den Weg, um genau diese legendäre Stadt  zu finden.

Im Prolog bekommt man bereits einen ersten, sehr vagen Eindruck von der Stadt der Regenfresser: Ein Forscher versucht mit Fotomaterial von dort zu fliehen, kommt jedoch nicht weit.
Berlin 1893 – Das erste Kapitel beginnt mit dem pfiffigen Taschendieb Oskar, mit dem man sich auf der Stelle anfreundet. Der überaus gewitzt vorgehende Langfinger hält Ausschau nach seinem nächsten Opfer und entscheidet sich für einen großen, breitschultrigen Herrn. Eine schlechte Wahl, wie sich bald herausstellt.
Zwar lässt der Respekt einflößende Herr sich problemlos die Geldbörse abnehmen, doch wenig später bemerkt er den Diebstahl und nimmt die Verfolgung auf. Oskar kann rennen so schnell er will, er wird den Verfolger nicht los – und bereits jetzt fiebert man mit und weiß doch schon: Den wird Oskar nicht los!

Und in der Tat, Oskars Tage als Taschendieb scheinen gezählt – doch dann kommt alles ganz anders. Der Herr entpuppt sich als niemand Geringeres als der uneheliche Sohn des berühmten Naturwissenschaftlers Alexander von Humboldts.
Eigentlich heißt er Carl Friedrich Donhauser, doch nach seinem Vater nennt er sich kurz Humboldt. Von ihm hat er wohl auch seinen Forscherdrang geerbt.

Seit kurzem befindet sich eine höchst faszinierende Fotoplatte in seinem Besitz, auf der große wespennestähnliche Unterkünfte zu sehen sind, die durch Strickleitern und Hängebrücken verbunden und zwischen denen die unterschiedlichsten Luftfahrzeuge zu sehen sind. Die Fotoplatte ist der erste Beweis für die Existenz der Stadt der Regenfresser.

Oskars Wahl war vielleicht doch nicht so verkehrt.
»Es heißt, sie seien mächtige Zauberwesen, denen es gelungen sei, die Fesseln der Schwerkraft zu zerschneiden und wie Vögel den Himmel zu beherrschen.« erklärt Humboldt ihm. 
»Die Legende besagt, sie würden die Regenwolken durchkreuzen und dem Land darunter immerwährende Dürre bescheren. Sie seien so gut wie nie zu sehen, weil sie oberhalb der Wolken lebten. Es heißt, nur Eingeweihte können den geheimen Weg zu ihrer Stadt finden. Ein Weg, der von mächtigen Wächtern bewacht werde.«

Gemeinsam mit Humboldts abenteuerlustiger Nichte Charlotte, der haitianischen Voodoo-Magierin Eliza und dem Kiwi Wilma brechen die beiden Richtung Peru auf. Ihre Reise führt sie zunächst zum Fundort der Fotoplatte in die Anden, genauer gesagt in das Gebiet des Canón del Colca.

Zur selben Zeit versieht der Zeitungsmogul Alfons T. Vanderbilt den Global Explorer-Journalisten Max Pepper mit einem für diesen höchst unwillkommenen Expeditionsauftrag. Vier weitere Fotoplatten sind aufgetaucht, die in der Tasche des seit kurzem in der Colca-Schlucht verschollenen Explorer-Forschers Harry Boswell versteckt waren.
Max soll daher ebenfalls nach Peru reisen und Boswell suchen, obwohl er doch am liebsten von seinem gemütlichen Zuhause aus über ferne Länder berichtet.

Hilfe bekommt er von der rothaarigen Abenteurerin Valkrys Stone, die hin und wieder für Vanderbilt arbeitet. Sie ist faszinierend, gefährlich und eine ausgezeichnete Kämpferin.
Die Zeit drängt, denn beide erfahren, dass Humboldt dasselbe Ziel wie sie hat. Durch seine Veröffentlichungen im National Geographic Magazine ist er der stärkste Konkurrent für den Explorer. Außerdem kommt hinzu, dass Valkrys noch eine alte Rechnung mit ihm offen hat.
Und so wird der Expeditionsauftrag schnell zu einem persönlichen Wettkampf.

Doch bis die beiden ungleichen Expeditionsgruppen ihr Ziel erreichen, müssen sie noch das ein oder andere Problem bewältigen, sei es nun ein korrupter Gouverneur oder eine besonders große Insektenspezies.
Humboldt mahnt zur Eile, denn Valkrys kommt immer näher. Um einer Konfrontation auszuweichen, müssen sie dringend den versteckten Himmelspfad zur Stadt der Regenfresser finden.

Die Stadt der Regenfresser und ihre Bewohner stellen schließlich die größte Überraschung des Buches dar. Nicht nur der verschollene Harry Boswell befindet sich dort; auch gibt es eine tödliche Bedrohung und eine alte, gruselige Prophezeiung, die sich zu erfüllen droht. 

Thomas Thiemeyers Roman ist viel mehr als ein historischer Abenteuerroman. Die Verflechtung von historischen Fakten mit phantastischen Elementen ist ihm so grandios gelungen, dass man nicht nur für mehrere Stunden in längst vergangenen Zeiten versinken kann, sondern ganz nebenbei Lust auf Wissen bekommt. Schön ist daher, dass Thiemeyer bereits viel im angehängten Glossar, der Encyclopedia Humboldtica, erklärt.

Besonders hervorzuheben sind neben dem außergewöhnlichen Abenteuer jedoch die vielen Personen, die dieses bestehen. Sie alle sind unverwechselbar, wobei meine persönlichen Favoriten der pfiffige Taschendieb Oskar und der oftmals völlig verzweifelnde aber immer ehrenhaft handelnde Max Pepper sind.
Doch auch Humboldts eher stoische Art, die immer wieder durch seine Begeisterungsfähigkeit für naturwissenschaftliche Entdeckungen unterbrochen wird, sowie die einfühlsame Eliza oder die voller Überraschungen steckende Charlotte überzeugen auf ganzer Linie.
Valkrys ist sicherlich die schillernste Figur des Buches, und es ist schön zu sehen, dass Max trotz anfänglicher Probleme schließlich ihren Respekt erringt.

Im recht langen Epilog erhält der Leser schlussendlich einen kleinen Ausblick auf den zweiten Band der Chroniken der Weltensucher:
»Schon wieder ein Schiff unter mysteriösen Umständen in der Ägäis gesunken. Augenzeugen berichten von einem Seeungeheuer. Reederei steht vor einem Rätsel.«

Der Leser darf gespannt sein – doch vorher sollte er sich natürlich keinesfalls den ersten Band entgehen lassen!

Fazit

Thomas Thiemeyer bietet dem Leser nicht nur ein phantastisch-historisches Expeditionsabenteuer, das Spaß macht. Er reißt ihn gleich mit und lässt ihn an der Seite mutiger Abenteurer große Gefahren überstehen und atemberaubende Entdeckungen machen. Dabei überrascht er immer wieder, sei es durch seinen Humor oder allein dadurch, dass er es sogar schafft, einen exotischen Vogel zu einem vollwertigen Expeditionsmitglied zu machen.

Eure Meinung zu »Thomas Thiemeyer: Die Stadt der Regenfresser«

Kossi zu »Thomas Thiemeyer: Die Stadt der Regenfresser« 14.01.2010
Komm mit mir ins Abenteuerland....

.... auf deine eigene Reise... so sang es einst die Band PUR und an genau diesen Song musste ich denken, als ich zu dem Chroniken der Weltensucher griff. Und ich bin ihrem Ruf gefolgt und habe ein wunderbares Abenteuer erleben dürfen.

Der kleine Oskar ist ein Taschendieb, wie er im Buche steht. Mit seinen Diebstählen finanziert er seinen Lebensunterhalt und genau dieser Job bringt ihn eines Tages scheinbar in Gefahr, als er nach dem Portemonnaie von Carl Friedrich von Humboldt greift, der behauptet, der Sohn des Naturforschers Alexander von Humboldt zu sein. Wie von Geisterhand wacht er nach dem Diebstahl nämlich in dessen Haus auf, doch statt einer Bestrafung erhält Oskar ein Angebot von Carl Friedrich, das er nur schwer abschlagen kann.

Und so begeben die beiden sich, samt Charlotte, der Nichte von Carl Friedrich, auf die abenteuerliche Reise nach Peru, um die Stadt der Regenfresser zu finden und zu erkunden. Doch sie sind nicht die einzigen Forscher, die den Weg dorthin suchen. Parallel zu den Erlebnissen von Oskar und seinen Freunden wird auch die Geschichte des verschwundenen Fotografen Harry erzählt, der von seinen Arbeitskollegen gesucht wird und die sich ebenfalls auf ein riesiges Abenteuer einlassen.

Dies ist der erste Teil einer Serie und das einzige, was mich nun traurig macht, ist die Tatsache, dass ich noch ca. ein halbes Jahr warten muss, bis ich den zweiten Teil in Händen halten darf. Dieses Buch hat mich sehr an meine Kindheit erinnert, in der ich oft heimlich mit der berühmten Taschenlampe unter der Bettdecke, bis spät in die Nacht mit Oliver Twist, der roten Zora und wie sie alle hießen, große Abenteuer erlebt habe. Denn obwohl es eigentlich als Jugendbuch deklariert ist, kann man es durchaus in meinem Alter (40) lesen. Ich fühlte mich zurückversetzt in die Kinderzeit, in der man selber auf der Suche nach Abenteuern war und es galt, Dinge zu erforschen und zu entdecken.

Von der ersten Seite an hat mich dieses Buch gefesselt und ich freue mich, dass der Autor seine Ideen niedergeschrieben hat. Ich kenne bisher kein weiteres Buch von Thomas Thiemeyer und soweit ich recherchiert habe, ist dies auch sein erster Ausflug in die Jugendbuchliteratur. Ich kann nur sagen: Dieser Ausflug ist ihm mehr als geglückt! Der Schreibstil ist spannend und ich habe mich in dem Buch 'zu Hause' gefühlt, denn selbst die Stimmung des 19. Jahrhunderts konnte ich bei jeder Seite spüren.

Wer das Abenteuer sucht und neue Welten entdecken und erforschen möchte, den bitte ich darum: Komm mit mir ins Abenteuerland!
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