Ben Fletchers total geniale Maschen von T. S. Easton

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel Boys don´t knit, deutsche Ausgabe erstmals 2015 bei Ueberreuter , 320 Seiten. ISBN nicht vorhanden.

ab 12 Jahren

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In Kürze:

Ben Fletcher ist ein ganz gewöhnlicher Teenager – eher einer von der ruhigeren Sorte. Als er sich ausnahmsweise von seinen Freunden zum Klau von Alkohol für eine Party überreden lässt, nimmt das Unheil seinen Lauf. Als Strafe wird Ben unter anderem dazu verdonnert, seine Sozialfähigkeiten zu steigern. Dazu darf er sich einen von vier Kursen aussuchen. Aufgrund der dürftigen Auswahl und eines Missverständnisses landet er in einem Strickkurs – und stellt zu seiner Überraschung fest, dass Stricken ihm nicht nur Spaß macht, sondern er auch ein natürliches Talent dazu hat. Fortan besteht sein Leben daraus, seine neue Leidenschaft vor seinen Freunden und seinem machohaften Vater geheim zu halten.

Jugendbuch-Rezension von Stefanie Eckmann-Schmechta: »Urkomisch, turbulent und einfach sympathisch!«

Eigentlich ist Ben Fletcher ein ganz normaler Teenager und froh, wenn er der Welt nicht weiter auffällt. Und eigentlich ist er auch ein total anständiger Kerl, wenn er sich nur nicht die falschen Freunde ausgesucht hätte. Aber sie sind nun mal seine einzigen. Und so kommt es, dass sich Ben wider besseres Wissen dazu anstiften lässt, im Supermarkt Alkohol zu stehlen. Natürlich verpatzt irgendeiner mal wieder den »klug« durchdachten Coup. Sie müssen sehen, dass sie schnell verschwinden, bevor ihnen jemand auf die Schliche kommt. Auf ihrer Flucht fährt Ben aber ausgerechnet in die »Lollipop-Frau«, die so heißt, weil sie mit einem riesigen runden Schild für die Fußgänger den Straßenverkehr regelt. Und jeder weiß, mit der »Lollipop-Frau« ist nicht zu spaßen

Als seine Freunde mit ihren Rädern längst das Weite gesucht haben, liegt Ben nach seinem Crash mit der alten Dame auf der Straße und wird mitsamt dem auslaufenden Alkohol auf frischer Tat ertappt. Ben erhält Bewährungsstrafe und soll sich als Auflage ausgerechnet um die »Lollipop-Frau« kümmern, damit seine »Sozialfähigkeit« verbessert wird und er so Wiedergutmachung leisten kann. Zu den Bewährungsmaßnahmen gehört auch, dass er sich aus vier kreativen Abendkursen einen aussuchen soll, damit er auf andere Gedanken kommt. Keiner interessiert ihn wirklich. Durch eine Verwechslung landet Ben ausgerechnet im Strickkurs. Doch entgegen all seinen Erwartungen macht ihm das Stricken Spaß und er beweist echtes Talent. Seine Stricklehrerin erkennt das Ausnahmetalent des Jungen und meldet ihn bei einem großen Strickwettbewerb an, den er gewinnt – und schon bald soll der nächste, noch größere folgen.

Ben erzählt

In Form von Tagebuch-Einträgen und Briefen an seine Bewährungshelferin »Ms. Claudia Gunter, West Meon Bewährungshilfe«, erschließt sich dem Leser erst nach und nach, was genau und wie passiert ist, dass Ben in einer so misslichen Lage steckt. Zuerst mag man gar nicht glauben, dass es sich bei diesem eigentlich doch sehr sympathischen Jungen – ausgestattet mit Cleverness und einer gesunden Portion trockenen Humor – um einen wirklich schlimmen Burschen handelt. Erst nach und nach wird die ganze tragikomische Reichweite seiner »Verstrickungen« deutlich. Das liest sich spannend und ist einfach nur urkomisch.

Ben schildert seine Geschichte ganz aus seiner Perspektive. T.S. Easton lässt ihn so erfrischend und pointiert erzählen, dass wir das Geschehen – oder besser gesagt die unglückliche Verkettung seiner Missgeschicke – unmittelbar vor Augen haben. Ebenso wie Bens Begeisterung für das Stricken, die langsam aber stetig wächst, bis er ganz in seiner Passion aufblüht. Um diesen Prozess mit Freude zu verfolgen, dazu muss man wahrlich nicht vom Strick-Virus befallen sein. Die Art und Weise, wie Ben aus dem Stricken eine eigene Wissenschaft, ja Kunst, macht, ist weit entfernt vom gemütlichen Tee-Trinken und Norweger-Pullover stricken. Hier geht es um Professionalität, um Kenntnisse der Werkzeuge und Materialien, sowie um Technik und Siegeswillen.

Dabei gelingt es Easton ausgesprochen gut, sich in die Strickwelt hineinzudenken – obwohl er nachweislich, wie im Youtube-Video zu sehen, keine Ahnung vom Stricken hat. Easton hätte es sich leichter machen können und Schwimmen, Singen oder Ringen als Thema wählen können. Das hätte aber kaum den gleichen Effekt gehabt. Ergibt sich aus der Mischung Junge plus Stricktalent doch ein sehr viel originelleres Spannungsverhältnis.

»Boys don´t knit« ist damit der noch viel treffendere Originaltitel dieses erfrischenden Jugendromans. Was Bens Lage nämlich gleichzeitig so tragisch macht, ist die wohl kaum überraschende Tatsache, dass Ben nicht zu seiner Leidenschaft für das Stricken stehen darf. Das gilt in ganz besonderem Maße gegenüber seinem Macho-Vater. Der schleppt Ben weiterhin ins Fußballstadion, obwohl Ben dazu überhaupt keine Lust hat, seinen Vater aber nicht in Sachen »Männlichkeit« enttäuschen will.

Perfektes Timing gepaart mit britischem Humor

Sehr amüsant und lebensnah schildert Ben Situationen aus seinem Alltag und von seiner Familie, die ihm die meiste Zeit sehr peinlich ist. Von seiner Mutter, die als Zauberkünstlerin durch die Lande reist – mit eher mäßigem Erfolg – und von seinem Vater, für den eben nur sehr männliche Beschäftigungen in Frage kommen, wie Fußball und Autos reparieren. Da würde ein strickender Sohn so etwas wie seine persönliche Apokalypse bedeuten.

Und nein, um allen möglichen Vorurteilen und Verdächtigungen vorzubeugen: Ben ist trotz seiner Affinität zu textilem Design nicht schwul. Er ist definitiv und ganz schwer in die Tochter seiner Strick-Lehrerin verliebt.

Durch die Tagebuchform, unterbrochen von der Korrespondenz zwischen ihm und der Bewährungshelferin, bleibt das Buch durchgehend interessant und T.S. Easton gelingt es auch die Nebencharaktere mit ganz besonderem Charme auszustatten. Sie wirken zwar so manches Mal humorvoll überzeichnet, aber nicht so sehr, dass man sie nicht alle lebendig vor Augen hätte: Ein bunter und zugleich total verrückter Fanclub, der Ben im großen Finale unterstützt und anfeuert.

Ein schöner, unterhaltsamer Roman über einen Außenseiter, der an sich und der Toleranz seiner Mitmenschen wachsen kann. Also ein besonders schöner und humorvoller Jugendroman für Mädchen und Jungs. Dabei sollten sie sich keinesfalls davon abschrecken lassen, dass es auch ums Stricken geht. Das baut Easton nämlich so spannend in die Erzählung ein, wie man es auch von den berühmten Casting-Shows im Fernsehen kennt.

FAZIT

Hier bekommt die Überschrift »Verstrickungen eines Teenagers« mal eine ganz neue Bedeutung. Ben Fletcher dabei zu erleben, wie er sich auf eloquente Weise mit seiner Leidenschaft fürs Stricken ganz an die Spitze der Strickkunst kämpft, ist auch für Nichtstrickende durch und durch lesenswert. Egal, ob Junge oder Mädchen, egal welchen Alters: Einfach mitreißen lassen!

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