Gefangen zwischen den Welten von Sara Oliver

Buchvorstellung und Rezension

deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Ravensburger , 416 Seiten. ISBN nicht vorhanden.

ab 14 Jahren

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In Kürze:

Ve und Nicky gleichen sich bis aufs Haar. Doch Ve und Nicky sind keine Zwillingsschwestern. Zwischen ihnen liegen sprichwörtlich Welten! Eine mysteriöse Apparatur hat Ve in ein Paralleluniversum katapultiert – mitten hinein in das Leben ihrer Doppelgängerin. Um in ihre eigene Welt zurückkehren zu können, muss Ve sich mit Nicky verbünden, mutiger sein, als sie es jemals zu träumen wagte, und eine große Liebe opfern …

Jugendbuch-Rezension von Stefanie Eckmann-Schmechta: »Was wäre wenn ...«

 …man ein Leben ab einer bestimmten Entscheidung zweimal weiterleben könnte? Wären wir immer noch der gleiche Mensch? In welchem Paralleluniversum würde es uns besser gehen? Ve und Nicky sind eigentlich ein- und dieselbe. Es gibt sie zweimal, in zwei Welten. Die geheimnisvolle Erfindung ihres Vaters bringt Ve in die Welt von Nicky, ihrer Doppelgängerin, wo nichts so ist, wie sie es kennt.

Als Ve von ihrer Mutter aus L.A. in die Einöde nach Bayern geschickt wird, hofft sie immerhin am Flughafen auf ihren Vater zu treffen, doch der scheint sie vollkommen vergessen zu haben. Als sie mitten in der Nacht endlich an dem alten, vernachlässigten Schloss ihres Vaters angekommen ist, ist er auch dort nicht. Er hat nichts für sie vorbereitet und ist einfach spurlos verschwunden. Eine ehemalige Arbeitskollegin, Marcella, kommt ihr schließlich zur Hilfe, aber auch sie kann sich keinen Reim auf sein plötzliches Verschwinden machen.

Ves Mutter in den USA ist leider auch keine große Hilfe. Schließlich möchte Ve nur noch fort, weg von diesem düsteren Ort. Doch dann entdeckt sie diese merkwürdige Apparatur im Keller des Schlosses. Dadurch gerät sie- unter sehr unangenehmen Umständen – in ein Paralleluniversum: Hier ist das marode Schloss gepflegt und elegant möbliert, ihre Familie scheint wohlhabend zu sein. Auch ihre Mutter lebt bei ihnen. Doch sie ist ganz anders als die selbstbewusste Geschäftsfrau, die Ve aus ihrer Welt kennt.

In der anderen Welt ist ihre Mutter in einem traurigen Zustand. Im Gegensatz zu ihrer toughen Mutter, die stets mit ihrer Karriere beschäftigt ist, ist diese Mutter traurig, mutlos und lebensuntüchtig. Ve stellt zu ihrem Erschrecken fest, dass die vollschlanke Version ihrer Mutter obendrein noch ein großes Problem mit dem Alkohol hat, zu dem sie in jedweder Stress-Situation und zu jeder Tageszeit greift.

Bald trifft Ve auf ihr »Double« – auf Nicky. Auch sie ist ganz anders als Ve. Unter anderen Umständen würden die beiden Mädchen wohl kaum Freundinnen werden, so sehr unterscheiden sie sich voneinander. Doch Ve muss sich mit ihrer Doppelgängerin zusammentun, damit sie ihr hilft, zurück in ihre Welt zu gelangen. Doch dann trifft Ve auf Finn Werfel; aber hier ist er nicht der eingebildete berühmte Pop-Star, sondern ein ganz normaler, netter Junge, der leidenschaftlich gerne Musik macht. Sie verliebt sich auf Anhieb in ihn – doch es gibt so viele Barrieren in dieser Welt zwischen ihnen, dass es beiden schwer fällt, Vertrauen zueinander zu fassen. Und dann ist da noch Nicky, die ihr auch immer wieder in Quere kommt – oder ist es umgekehrt?

Sara Oliver hat eine interessante Idee aufgegriffen: Was wäre, wenn es uns in einem anderen Universum nochmal gäbe? Wie würde unser Leben sich weiterentwickelt haben, wenn wir nicht diese oder jene Entscheidung getroffen hätten. Ve erhält die Antwort, auf zumindest ein Paralleluniversum, ganz ungefragt. Und nichts von dem, was in dieser Realität passiert ist, unterlag wirklich ihren Entscheidungen – es waren ihre Eltern, die sich entschieden.
Erst spät erfährt Ve, dass auch ein sehr mächtiges Konsortium seine Finger in diesem verwirrenden Spiel hat; dieser Weltkonzern will die Erfindung ihres Vaters für sich nutzen – mit fatalen Folgen für die Parallelwelt. Oder sind es mehrere? Ve muss den Zugriff des Konzerns auf die Erfindung verhindern. Sie muss eine schwere und endgültige Entscheidung treffen, sie wird Finn, ihren Finn, wohl nie wiedersehen.

Zu Beginn des Romans sind mir zunächst einige Stereotype aufgefallen: Die erfolgreiche, rastlose Business-Frau, die, der Karriere zuliebe, ihre Tochter durch die ganze Welt mitschleift; der schrullige, weltfremde Wissenschaftlicher, der über seine Forschungsarbeit sogar seine Tochter vergisst, oder der selbstverliebte, arrogante Pop-Star, der zwar verteufelt gut aussieht, jedoch leider sehr unsympathisch ist. Aber als – zugegeben – das Schloss ins Spiel kam, wurde es dann doch interessant und versprach mehr Spannung und Atmosphäre.

Es ist schon eine sehr komplizierte Konstellation, in die Sara Oliver ihre Heldin wirft. Und sie behält auch stets einen guten Überblick – und damit auch ihre Leser/innen. Zwar wird der aufmerksame Leser hier und da ein paar Logik-Fehler finden, die wohl aber dem Erzählfluss zugunsten als Kompromiss herhalten mussten. Das allein ist es aber nicht, was den Roman irgendwie – das Wortspiel sei erlaubt – eindimensional sein lässt. Aus den Verknüpfungen der beiden Welten hätte man definitiv mehr machen können. Auch ist mir das Buch einfach zu gefällig. Mit seinen typischen Charakteren, der manchmal etwas kitschigen Liebesgeschichte und dem üblichen Teenie-Zicken-Krieg liegt der Fokus zu stark auf das Alltägliche und Bekannte, wo es doch so viele andere, unbekannte Bereiche auszuloten gäbe. Dabei gibt es einige gute Ansätze, wie zum Beispiel die familiären Beziehungsprobleme, die hier wie dort ganz anders gelebt werden, wie auch einen interessanten Versuch Ves, in die verkorkste Beziehung zwischen Mutter und Tochter einzugreifen.

Die Charaktere bleiben dennoch flach, spannende Absurditäten, die sich zwangsläufig aus den parallelen Welten ergeben, wurden – noch – nicht richtig ausgeschöpft. Für diejenigen, die wissen möchten, wie und ob es mit Ve und Finn weitergeht, gibt es im Frühjahr 2017 den zweiten Band.

FAZIT

Eher als ein Science-Fiction-Roman, ist Gefangen zwischen den Welten doch ein Liebesroman. Dabei hätte die Idee zweier Parallelwelten wirklich Potential, für eine spannende, vielschichtige Story mit vielen unerwarteten Wendungen. Aber vielleicht rücken diese Aspekte ja im zweiten und dritten Band mehr in den Vordergrund.

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