Sabine Giebken: Wolkenherz - Die Spur des weißen Pferdes von Sabine Giebken

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel Wolkenherz - Die Spur des weißen Pferdes, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Magellan , 288 Seiten. ISBN nicht vorhanden.

ab 12 Jahren

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Jugendbuch-Rezension von Andrea Delumeau:

Jola hat die unstete Lebensweise ihres Vaters satt. Nach 2 Jahren Aussteigertraum in Neuseeland will sie endlich sesshaft werden und irgendwo dazugehören. Am liebsten will sie auf dem Reiterhof eines Kindheitsgefährten ihres Vaters bleiben, erst recht, als dort plötzlich ein geheimnisvolles weißes Pferd auftaucht, das niemandem zu gehören scheint …

Dieser Reiterhof soll eigentlich nur eine erste Anlaufstelle für Jola und ihren Vater sein, als sie nach 2 Jahren Neuseeland wieder in die Heimat zurückkehren. Doch Jola will endlich wie alle Jugendliche sein, in die Schule gehen und einen festen Wohnsitz haben.
So kann sie bei ihrem Vater durchsetzen, erst einmal vorübergehend auf dem Reiterhof zu bleiben.

Anziehungspunkte sind die Familie des Kindheitsgefährten ihres Vaters, die im harmonischen Verbund auf dem Reiterhof lebt. Und natürlich das geheimnisvolle weiße Pferd, das plötzlich mitten in der Nacht auf dem Reiterhof auftaucht, ohne dass jemand weiß, wie und warum es dort hingekommen ist und von dem keiner seinen Namen oder Besitzer kennt.

Ein einziger Hinweis bildet ein stark verblasstes und daher im weißen Fell mit bloßem Auge fast unlesbares Brandzeichen, das denen der Trakehner Pferde gleicht, jener legendäre Vollblutpferderasse, die bis Ende des zweiten Weltkrieges in Deutschland vor allem in Ostpreußen vertreten war.

Wird es Jola gelingen, in Deutschland wieder Fuß zu fassen und dem Geheimnis des weißen Pferdes auf die Spur zu kommen?

Zu der Hauptgeschichte wird in kurzen und sparsamen Kapiteln eine Nebengeschichte um das Mädchen Lotte eingeflochten, das die letzten Jahre des zweiten Weltkrieges auf einem Gutshof (wo, wird dem Leser nicht mitgeteilt) verbringt, wo sie sich mit Max, dem Sohn des Gutsbesitzers und dessen fabelhaftem schwarzen Pferd Wolkenherz anfreundet.

Max muss schließlich als Soldat in den Krieg und auf den benachbarten Gütern gehen alle, Mensch und Tier, auf die Flucht; nur Max’ Vater, und auch Lotte, die auf dem Gut auf ihren Vater wartet, wollen bleiben. Da kommt Max eines Nachts unerwartet kurz zurück und beschwört Lotte mit Wolkenherz doch auf die Flucht zu gehen, da es zu gefährlich sei, zu bleiben.

Diese Nebenhandlung verstärkt den Geheimnischarakter des Buches, zugleich lässt sie den Leser auch frustriert zurück, da im vorliegenden ersten Band in der Haupthandlung keinerlei Indizien über den Zusammenhang mit der Nebenhandlung geliefert werden und der Leser auf seine eigene Fantasie angewiesen ist. Hoffentlich muss der Leser nicht allzu lange auf den Folgeband warten

Obwohl Titelbild (ein edel aussehendes weißes Pferd mit wehender Mähne) und Buchtitel gleich Pferderoman signalisieren, handelt es sich nicht um ein typisches Pferdebuch im eigentlichen Sinne. Die Buchheldin, Jola, ist nicht von klein auf mit Pferden aufgewachsen wie ihre zuerst Erzfeindin, dann gute Freundin Katie und hat überhaupt keine Ahnung von Pferden, was das Buch auch für Pferdelaien interessant macht. Im Mittelpunkt stehen nicht schwärmerische Ausführungen über den Reitsport, sondern Jolas Entwicklungsprozess in der neuen Heimat und die spannenden ersten Schritte zur Aufdeckung des Geheimnisses um das »weiße Pferd«. So werden dem Leser mehrere Anknüpfungspunkte geboten, Jolas Geschichte und die Geschichte des weißen Pferdes.

Die Charaktere wirken glaubwürdig und lebensgetreu, traditionelles Rollenverhalten (der Vater arbeitet außer Haus, die Mutter ist zu Hause und kocht) wird jedoch nicht immer konsequent aufgelöst. Jolas Vater führt seit dem Unfalltod seiner Frau ein unstetes Aussteigerleben.

Ein Gegenentwurf einer modernen Familie ist in dem vorliegenden Roman, dass der Vater von Jolas Gastfamilie zu Hause arbeitet und seine Frau selbstständig den Reiterhof leitet.

Mit dem Großvater sind es drei Generationen, die unter einem Dach wohnen, sodass der Leser auf ungezwungene Weise eine Alternative zur heute typischen Kleinfamilie vermittelt bekommt.

Erfrischend ist auch mal, dass das Buch ganz ohne Liebesgeschichte auskommt und Jola gegenüber dem Mädchenschwarm Nico, der auf dem Reiterhof aushilft und u.a. Reitunterricht gibt, einen kühlen Kopf behält und nur freundschaftliche Gefühle für ihn hegt.

Die Nebenhandlung um das Mädchen Lotte stellt einen lebendigen Beitrag zum historisch inzwischen weitentfernt liegenden zweiten Weltkrieg dar. Sie sorgt dafür, dass so wichtige Themen wie Krieg, Flucht und Vertreibung, nicht in Vergessenheit geraten.

Die Sprache ist locker und eingängig, jedoch manchmal sogar fast poetisch mit gelungenen Wortbildern, aber ohne jedes Pathos und ohne den Leser zu überfordern.

Hervorzuheben ist auch die liebevolle und ökologisch fundierte Ausstattung des Buches, wofür dem Verlag ein dickes Lob auszusprechen ist! Der Bucheinband bis hin zum Umschlag sind graphisch sehr interessant und ansprechend gestaltet, so dass man gleich auf das Buch neugierig wird und es gerne in die Hand nimmt. Das Buch wurde auf umweltfreundlichen Papier gedruckt und in Deutschland hergestellt und nicht in einem Billiglohnland.

Fazit:

Alles in allem ein untypisches Pferdebuch und im positiven Sinne eher eine Detektivgeschichte, die beste Unterhaltung ab zwölf liefert.

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