Pusteblumentage von Rebecca Westcott

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel Dandelion Clocks, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei dtv , 208 Seiten. ISBN 3423761652.

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Jugendbuch-Rezension von Rita Dell’Agnese: Die Tage des Abschieds

Liv ärgert sich über Mum. Nicht nur, dass sie sie vor den Mädchen der Schule blamiert, weil sie im letzten Moment in das Geschäft stürmt und verhindert, dass Liv Ohrlöcher stechen lassen kann, sie hat auch plötzlich so seltsame Ideen, dass sie ihr zeigen muss, wie man Bolognese-Sauce kocht oder mit ihr den ersten BH kaufen will. Dabei ist Liv mit ihren zwölf Jahren doch noch gar nicht so weit, einen BH tragen zu müssen.

Überhaupt ist die Mutter in der letzten Zeit so seltsam. Als Mutter dann erlaubt, dass Liv sich Ohrlöcher stechen lassen kann, weiß das Mädchen definitiv, dass etwas nicht stimmt. Trotzdem trifft es sie tief, als sie erfährt, dass ihre Mutter schwer krank ist. Hat sich Liv eben noch darüber geärgert, für ihren großen Bruder, der an Asperger leidet, stark sein zu müssen, wird ihr jetzt noch eine ganz andere Art von Stärke abverlangt. Das Mädchen, das an der Grenze zum Teenager steht, muss sich mit Themen wie Krankheit und Verlust auseinandersetzen.

Ernste Themen in eine Geschichte voller Leichtigkeit

Es gelingt der Autorin Rebecca Westcott, ein paar ernste Themen in eine Geschichte voller Leichtigkeit zu packen. Dabei verlieren die Themenbereiche zwar nicht ihre grundsätzliche Tragweite, sie werden jedoch einfacher zu begreifen und dem anvisierten Publikum der 10- bis 13-Jährigen auf eine gut verkraftbare Art nähergebracht.

Sehr umsichtig spricht Rebecca Westcott den Bereich Krankheit, Verlust und Tod an, etwas direkter wird es, wenn es um die Auswirkungen von Asperger auf das Zusammenleben innerhalb der Familie geht. Die zwölfjährige Liv trägt etwa eine große Verantwortung auf ihren Schultern, wenn sie ihren um drei Jahre älteren Bruder mit zum Einkaufen nehmen muss. Feinfühlig beschreibt die Autorin eine Szene, in der sich Liv einer heftigen Reaktion ihres Bruders stellen muss und gleichzeitig versucht, die Wogen nach außen zu glätten. Schön ist dabei, dass Rebecca Westcott ihre Protagonistin in diesem Moment nicht übermenschlich reagieren lässt, sondern genauso, wie es eine verhältnismäßig reife Zwölfjährige tun würde. Auch die Eltern sind sich der Situation durchaus bewusst und reagieren angemessen auf den Zwischenfall.

Zurückhaltung bei der Charakterzeichnung

Genau diese Zurückhaltung bei der Charakterzeichnung ihrer Figuren macht die Stärke des Romans aus. Rebecca Westcott lässt damit ihrem Publikum die Möglichkeit, in die Rolle von Liv zu schlüpfen und ihre Ängste, Hoffnungen und Freuden mitzuerleben. Liv ist ein Mädchen, das nicht nur dem zugewiesenen Alter angepasst ist, sondern auch eine gute Portion von behütetem Optimismus versprüht. Damit wird der tragischen Ausrichtung des Romans eindeutig die Spitze gebrochen. Die Leserinnen und Leser kommen sehr nahe an den Schmerz und die Verzweiflung des Mädchens heran, erleben mit ihr alle Stadien des Bewältigens. Dass Rebecca Westcott dabei eine sehr angenehme Sprache pflegt, die dem jugendlichen Alter des Publikums angemessen ist, ist ein weiterer Pluspunkt. Eine Sprache im Übrigen, die durchaus auch älteren Leserinnen und Lesern angenehm ist.

Fazit

«Pusteblumentage» ist ein bezaubernder Roman, der aus der Sicht der zwölfjährigen Liv schwere Schicksale schildert, ohne die positive Grundstimmung zu verlieren. Es ist eine gute Möglichkeit, ein sehr junges Publikum an die Themenbereiche Verlust und Tod, aber auch Asperger oder Mobbing in der Schule heran zu führen. Ein wirklich gelungenes Leseerlebnis, das nicht nur dem angestrebten Zielpublikum gerecht wird, sondern auch weitaus ältere Leserinnen und Leser anspricht.

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