Einmal von Morris Gleitzman

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Once, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Carlsen , 187 Seiten. ISBN nicht vorhanden.

ab 12 Jahren

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Jugendbuch-Rezension von Corinna Abbassi-Götte: »langsames Erkennen«

Der 9-jährige Felix lebt seit ungefähr dreieinhalb Jahren in einem katholischen Waisenhaus. Seine Eltern haben ihn dort in Sicherheit gebracht, als es 1942 in Polen für die jüdische Bevölkerung gefährlich wird.
Das Waisenhaus liegt abgelegen in den Bergen, die Kinder sind dort gut versorgt, auch wenn das Leben voller Entbehrungen ist. Der Erste im Badewasser sein zu dürfen und sich nicht als Letzter in der schmutzigen Brühe waschen zu müssen, bedeutet schon viel.
Doch eines Tages kommen die Nazis in das Waisenhaus und verbrennen Bücher. Felix, der nicht versteht, was vor sich geht, denkt sofort an seine Eltern, die Buchhändler sind.
Er muss sie warnen! Dies ist sein erster Gedanke.
Er läuft davon und kehrt zurück in sein Heimatdorf, muss dort jedoch feststellen, dass seine Eltern nicht mehr da sind und eine ihm bekannte, unsympathische Familie nun in seinem früheren Zuhause lebt. Trotz vieler Hinweise auf das, was geschehen ist, versteht Felix nicht, was das alles zu bedeuten hat. Er macht sich auf den Weg in die große Stadt, wo er glaubt, seine Eltern zu finden. Unterwegs kommt er an einem brennenden Haus vorbei, dessen Bewohner erschossen worden sind. Ihre kleine Tochter lebt dagegen noch, ist aber verletzt. Er bringt die Bewusstlose in Sicherheit. Felix und Zelda bleiben fortan zusammen, beide in der Annahme, in der Stadt ihrer beider Eltern zu finden, denn Felix traut sich nicht, Zelda vom Tod ihrer Eltern zu berichten.
Erst als sie in der Stadt erneut auf deutsche Soldaten treffen und beide von einem jüdischen Zahnarzt gerettet und in ein Versteckt gebracht werden, erkennt Felix langsam, was wirklich um ihn herum geschieht.

Schon beim Lesen des Klappentextes fühlt man sich an das Buch »Der Junge im gestreiften Pyjama« von John Boyne erinnert. Daher vorher kurz der dezente Hinweis: »Der Junge im gestreiften Pyjama« ist 2006 erschienen, »Einmal« bereits 2005, und während man auf den ersten Seiten vielleicht noch Vergleiche ziehen kann, so erkennt man doch recht schnell, dass beide Bücher eine völlig andere Geschichte erzählen.
Während der 9-jährige Sohn eines Offiziers in »Der Junge im gestreiften Pyjama« bis zuletzt nicht versteht, was um ihn herum eigentlich passiert, wer die Menschen in den Pyjamas sind und was ihnen angetan wird, so erkennt der 9-jährige Sohn jüdischer Buchhändler langsam, in welcher Gefahr er als Jude schwebt.

Felix ist ein ausgesprochen phantasievoller Geschichtenerzähler, der sich schon im Waisenhaus die wildesten Geschichten ausgedacht, erzählt und in einem kleinen Notizbuch notiert hat. Daher beginnt jedes Kapitel mit dem Wort »Einmal«.
Er erzählt dem Leser seine Geschichte, in seinen Worten, mit all seinen Gedanken.
Der Leser erfährt, was er erlebt, was er dabei denkt, wie er Erlebnisse beurteilt und glaubt zu verstehen – und weiß im Gegensatz zu ihm natürlich mehr als er.
Der Leser weiß zum Beispiel, dass die Soldaten im LKW, denen er auf seinem Weg zugewunken hat, mit Absicht auf ihn geschossen haben. Der Leser weiß, dass Felix seine Eltern nicht finden wird.
Man ist gespannt, was er tun wird, und natürlich bangt man um ihn, da ihn seine Unwissenheit mitten hinein in die Gefahr führt. Nicht nur einmal hegt man den Gedanken, dass er besser im Waisenhaus geblieben, dass er dort in Sicherheit gewesen wäre.
Hinzu kommt die Verantwortung für Zelda, zu der er wie ein großer Bruder eine enge Beziehung aufbaut.
Obwohl man sich im Großen und Ganzen denken kann, was mit Felix und Zelda geschieht, gibt es natürlich immer wieder kleine und größere Überraschungen. Ob es sich um kleine Informationen handelt, eine Wendung, die einen gefassten Plan vernichtet oder das widerstrebende Eingehen eines Kompromisses – es bleibt spannend. Nicht zuletzt ist es Felix’ ganz persönlicher Weg aus der Unwissenheit hin zum Erkennen der Situation, die den Leser immer eindringlicher und mit wachsenden Emotionen auf den Seiten hält.

FAZIT

Zu verfolgen, wie der 9-jährige Felix in seiner vollkommen normalen kindlichen Naivität lange Zeit nicht versteht, was den Juden 1942 in Polen angetan wird, und er sich der Gefahr  unwissentlich immer weiter nähert, sorgt für arge Beklemmung.
Die Grausamkeiten des Nationalsozialismus neben kindlicher Unwissenheit, die schmerzhaft authentisch geschildert ist – eindringlicher hätte Morris Gleitzmann dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte nicht darstellen können.

 

Eure Meinung zu »Morris Gleitzman: Einmal«

Valentine zu »Morris Gleitzman: Einmal« 30.01.2014
Es ist erstaunlich zu sehen,wie ein Kind auf diese Zeit blickt.
Felix ist ein Junge, der für sein Alter schon sehr erwachsen handelt.
Auf der anderen Seite ist er immer noch ein Kind.

"Einal" ist eine rührende Geschichte und gut geeignet, um Kinder an den Nationalsotialismus heran zu führen.

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Tolles Buch!!!
Nele zu »Morris Gleitzman: Einmal« 01.09.2013
Ich habe das Buch nach einem Tag durchgelesen. Es ist einfach super! Ich habe schon oft Bücher über den 2.Weltkrieg gelesen, u. a. Anne Frank und das ist eins der besten. Am besten fand ich, dass Felix für jeden Vorfall eine harmlose Erklärung hat und erst später merkt worum es wirklich geht. Ich kann es nur weiterempfehlen!
Marie zu »Morris Gleitzman: Einmal« 02.06.2013
Das Buch ist sehr interessant und da Felix noch so naiv ist schätzt er alles ganz harmlos ein.
Als er und Zelda in der Großstadt ankommen ist das Buch sehr dramatisch geschrieben und Morris Gleitzman hat das Drama des 2. Weltkrieges sehr gut umgesetzt.
Ich wurde das Buch für Geschichtsliebhaber weiter entfehlen.
Das Buch ist durchaus als Klassen Lektüre geeignet. Es können aber auch jüngere Menschen wie ich das Buch lesen.

Danke fürs lesen!!
Natalie zu »Morris Gleitzman: Einmal« 16.02.2013
Ebenfalls Klassenlektüre. Ich zweifle zwar noch immer Stark den Büchergeschmack unserer Deutschlehrerin an, und stehe nicht wirklich auf solche 'Problembücher', allerdings kann ich das Buch nur weiterempfehlen. Das Thema ist zwar nicht für jeden geignet, allerdings macht der Schreibstil wieder alles Wett.
Da das Buch sehr leicht geschrieben wurde, könnte ich mir auch vorstellen es 10 Jährigen als Wochenlektüre zu geben, wenn das Thema ein anderes wäre.
Daher sehr ratsam für Leute die nicht viel, bzw. sehr langsam lesen.
Nina B. zu »Morris Gleitzman: Einmal« 22.10.2011
Wir haben das Buch ebenfalls als Klassenlektüre gelesen. Es ist sehr spannend, vorallem am Ende.
Wenn man sich für Sachen wie zweiter Weltkrieg oder Holocaust interessiert ist es auf jeden Fall sehr ratsam, sich es zu kaufen!

Da ich die Englische Ausgabe gelesen habe, und die sehr gut ist, würde ich sie jedem auf Englisch empfehlen, der gut Englisch kann.

Danke fürs Lesen! (: greets
Dinah zu »Morris Gleitzman: Einmal« 11.07.2011
Ich Habe Das Buch Als Klassenlektüre Gelesen Ich Fand es richtig Interessant über früher zu erfahren aber es tat mir Leid Für ihn und Zelda da sie ja ihr Eltern verloren Haben vorallem Zelda da sie ja Erschossen Wurden und über Felix´ Eltern weiß man nicht viel.
Ich Kaufe mir aufjedenfall Den Zweiten Teil :)
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