Zum Glück braucht mich niemand von Liv Marit Weberg

Buchvorstellung und Rezension

unter dem Titel Det er heldigvis ingen som trenger meg, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Sauerländer , 208 Seiten. ISBN 3737352445.

ab 14 Jahren

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In Kürze:

Anne Lise ist eigentlich zu schüchtern für eine Beziehung, aber so verliebt, dass es kaum auszuhalten ist. Deshalb zieht sie Hals über Kopf mit ihrem frischgebackenen Freund Stian zusammen. Die beiden schmeißen ihr Studium in Oslo, um mitten in der Pampa eine Tierhandlung zu übernehmen. Doch Stian kümmert sich mehr um die Tiere als um Anne-Lise. Die ist natürlich stinksauer – wozu will er eigentlich überhaupt eine Freundin? Doch wie soll man sich streiten, wenn man eigentlich schon zum Küssen zu schüchtern ist? Und soll das jetzt etwa die große Liebe sein? Um herauszufinden, was man vom Leben eigentlich will, ist abhauen immer noch die beste Lösung – zumindest, wenn es nach Anne-Lise geht …

Jugendbuch-Rezension von Andrea Delumeau: »Eine Selbstfindungsgeschichte mit einer sperrigen Hauptfigur, die zum Nachdenken anregt.«

Anne-Lise ist extrem schüchtern und steht sich damit oft selbst im Weg. Trotzdem sind aus ihr und ihrer großen Liebe Stian ein Paar geworden. Gemeinsam wollen sie im tiefsten norwegischen Hinterland die Tierhandlung von Stians Tante übernehmen. Bald findet sie jedoch, dass Stian sich mehr um die Tiere als um sie kümmert. Deswegen ergreift sie die Flucht und zieht wieder bei ihrer Mutter ein. Ist das jedoch eine hilfreiche Lösung für ihre Probleme?

Trotz ihrer großen Schüchternheit ist es Anne- Lise gelungen, ihre große Liebe Stian für sich zu gewinnen. Sie ziehen zusammen und übernehmen in der tiefsten norwegischen Provinz die Tierhandlung von Stians Tante. Diese rät Anne-Lise wegen ihrer extremen Menschenscheu von jeglichem Kundenkontakt ab, was dem Unternehmen in ihren Augen einen deutlichen Dämpfer verpasst. Auch findet sie bald, dass das Zusammenleben nicht so einfach ist. Ein passender Ausweg scheint ihr in ihrer Konfliktscheuheit, sich heimlich aus dem Staub zu machen und wieder bei ihrer geschiedenen Mutter einzuziehen.

Diese will jedoch ihr eigenes Leben leben und deshalb zieht Anne-Lise recht bald wieder zu Hause aus und in eine eigene Wohnung. Um eigenständig leben zu können, sucht sie sich eine Arbeit als Tierpflegerin. Die Arbeitssuche gestaltet sich nicht zuletzt wegen ihrer extremen Schüchternheit als schwierig und langwierig. Schließlich findet sie einen Job in einer Tierhandlung. Der etwas unkonventionelle Besitzer der Tierhandlung lässt sie selbstständig arbeiten, die Arbeit macht ihr Spaß und der Kontakt mit den Tieren tut ihr gut. Auch die Freundschaft mit einer ehemaligen Klassenkameradin lockt sie aus ihrem Schneckenhaus.

Am Radikalsten wird sie jedoch von einem »Selbstfindungskurs« herausgefordert und schließlich beeinflusst. Der Kursleiter stellt unbequeme Fragen, die Anne-Lise zwingen, ihre früheren Verhaltensmuster zu überdenken.

Obwohl das vorliegende Buch die gleiche Heldin wie Liv Marit Webergs Debütroman Zum Glück bemerkt mich niemand...dachte ich, nämlich die extrem schüchterne Anne-Lise hat, handelt es sich hier nur um eine indirekte Fortsetzung, die vollkommen unabhängig zu lesen und in sich abgeschlossen ist. Die Heldin Anne-Lise ist anfangs so menschenscheu und lebensunlustig, dass es fast schon schmerzhaft ist und an Verhaltensgestörtheit grenzt.

»Warum zum Teufel werde ich nicht überfahren? Ich bekomme mehrmals pro Tag das Leben neu geschenkt und bin kein bisschen dankbar.«

»Und währenddessen steht Brille auf der Arbeit an der Kasse und pfeift oder liegt neben mir und schnarcht oder geht neben mir her und hält meine Hand. Er ist da, die ganze Zeit. Und nichts hat sich verbessert.«

»Ich will überhaupt nichts lernen, ich will einfach nur, dass die Tage vergehen und mein Leben irgendwann vorbei ist.«

Sätze wie diese entspringen vielleicht dem typischen Weltschmerz, der der angesprochenen Zielgruppe (ab 15 J.) eigen ist, wirken jedoch verschroben und depressiv. Im Klappentext heißt es, dass die Autorin selbst sehr schüchtern ist und sie beim Schreiben ihrer Bücher eigene Erfahrungen verarbeitet hat. Die Gestaltung des Textes, von den extrem kurzen Kapiteln bis zur Ich-Perspektive der Erzählstimme, erinnert auch an ein Tagebuch, so dass man beim Lesen den Eindruck nicht los wird, es handele sich beim vorliegenden Buch um ein Stück Eigentherapie. Zum Glück sind Anne-Lises manchmal eher schwermütige Beobachtungen in einem feinfühligen, selbstironisch-distanzierten Humor gehalten, der dem Leser zur Seite steht.

Positiv zu vermerken ist auch, dass die Heldin nicht in einer lähmenden Lethargie versinkt, sondern dass es ihr gelingt, sich zu befreien: Durch eine eigene Wohnung, neue Freunde, einen neuen Job und schließlich durch eine Art Selbstfindungskurs, der ihr dabei hilft, ihr Innenleben zu sortieren. Dieser Wandlungsprozess wird sehr realistisch mit seinen kleinen Erfolgserlebnissen und auch den Rückschlägen geschildert.

Trotz des versöhnlichen Schlusses ist Anne-Lises Freund Stian nicht der strahlende Märchenprinz, der unsere Heldin errettet, sondern sie verschafft sich selbst eine Art von »Happy-end«.

FAZIT

Eine Selbstfindungsgeschichte mit einer sperrigen Hauptfigur, die zum Nachdenken anregt.

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