Wonder Woman von Leigh Bardugo

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel Wonder Woman - Warbringer, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei dtv , 448 Seiten. ISBN nicht vorhanden.

ab 14 Jahren

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Jugendbuch-Rezension von Lisa Reim: Limitierte Frauenpower

Sie ist eine der ältesten und bekanntesten weiblichen Superhelden überhaupt: Wonder Woman. Kein Wunder, dass ihr der erste Titel der neuen DC Icons Serie des dtv gewidmet wurde. Dafür hat sich Autorin und bekennender Wonder Woman-Fan Leigh Bardugo ein neues Abenteuer einfallen lassen, das die jugendliche Titelheldin in Romanform auf ihre erste spannende Reise führt.

Zunächst wird der Leser jedoch auf die Amazonen-Insel Themyscira geführt, wo er Diana, der Tochter der Königin Hippolyte begegnet. Diese startet gerade in einem Wettrennen um die ganze Insel, unterbricht dieses aber als sie Zeugin eines Schiffunglücks wird. Ohne groß zu überlegen springt sie in die Fluten und rettet das dunkelhäutige Mädchen Alia, wohl wissend, dass es mit Verbannung gestraft wird, eine menschliche Person auf die Insel zu bringen. Doch bald findet Diana heraus, dass mehr hinter dem Schiffbruch steckt als ein gewöhnlicher Unfall. Und dass Alia, ohne es zu wissen, ein todbringendes Geheimnis hütet. Gegen etliche Gesetze der Amazonen verstoßend, macht sich Diana zusammen mit Alia auf nach New York und Griechenland, um die Welt vor einem alles vernichtenden Krieg zu bewahren.

Wonder Woman – Stark, clever, ehrenhaft

Mit Diana wird den vornehmlich jungen Leserinnen eine ungewöhnlich starke Frauenfigur präsentiert, die nicht nur körperliche Widerstandsfähigkeit besitzt, sondern auch klug, stolz, ehrgeizig und rechtschaffen ist. Sehr glaubwürdig wird hier eine Protagonistin entworfen, die der schüchternen, durch ihre Hautfarbe oft benachteiligten, Alia zeigt, was es bedeutet für seine eigenen Interessen einzustehen und sich nicht von (männlichen) anderen degradieren zu lassen. Erzählerisch unterstützt wird dieser Prozess von gut eingesetzten Perspektivwechseln zwischen Diana und Alia, was die Geschichte nicht nur facettenreicher macht, sondern auch die beiden Protagonistinnen selbst, ihre Ansichten und Einstellung anderen gegenüber näher beleuchtet. Diese beiden ungleichen Hauptfiguren auf ihrem Abenteuer zu begleiten ist eine ungemein spaßige Angelegenheit, die durch den Culture Clash, den Diana in New York erlebt, noch zusätzlichen Reiz gewinnt.

Vielversprechender Anfang mit ernüchterndem Schluss

Anders gestaltet sich die zweite Hälfte des Romans. Es kommen neue Charaktere hinzu, der humorvolle Umgang zwischen Diana und Alia tritt immer mehr in den Hintergrund und muss zunehmend mehr Actionszenen Platz machen. Insgesamt wird der Grundton deutlich ernster. Dies alles wäre durchaus kein Grund zur Kritik, wäre da nicht eine männliche Figur, die die originelle Charakter-Anlegung der weiblichen Superheldin sehr schnell zerstören würde. Plötzlich erscheint die starke Diana nicht mehr ganz so souverän wie am Anfang, muss das Heft der Führung immer weiter abgeben und verfällt ihrem männlichen Konkurrenten zusehends. Im Nu findet man sich in alten Rollenklischees und typischen romantischen Verstrickungen wieder, für deren Erfüllung sogar ein drastischer Charakterbruch hingenommen wird. Eine große Enttäuschung, die bei Weitem nicht hätte sein müssen. Auch an anderer Stelle fällt teilweise auf, dass das Potential der Geschichte leider nicht vollends ausgeschöpft wurde. Des Weiteren sorgen viele, manchmal wortwörtliche, Wiederholungen von bereits Gesagtem für Aversionen.

Nichtsdestotrotz beweist Bardugo sich als Wortjongleurin, die ein gutes Gespür für einen einnehmenden Schreibstil besitzt. Dementsprechend spritzig und unterhaltsam sind auch die Dialoge gestaltet. Das sprachliche Können der Autorin ist einer der großen Vorzüge des Buches.

Fazit:

Das neue Wonder Woman-Abenteuer fängt vielversprechend an, hat aber einige Schwierigkeiten das hohe Anfangsniveau über den gesamten Roman hinweg aufrechtzuerhalten und bewegt sich stattdessen auf ausgetretenen Pfaden dem Finale entgegen. Dies liegt v.a. in der enttäuschenden Entwicklung der im Grunde ausgezeichnet angelegten Protagonistin begründet. Junge Leserinnen werden mit diesem Werk trotzdem gut unterhalten, dank der lobenswerten Schreibkünste der Autorin Bardugo.

Eure Meinung zu »Leigh Bardugo: Wonder Woman«

Bücherliebende zu »Leigh Bardugo: Wonder Woman« 16.04.2018
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