Killing God von Kevin Brooks

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel Killing God, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei dtv , 272 Seiten. ISBN 3423714514.

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Jugendbuch-Rezension von Corinna Abbassi-Götte: »Killing God – nicht wie, sondern warum?«

Dawn Bundy ist 15 Jahre alt, als sie beschließt, Gott umzubringen.
Denn Gott, weiß sie, ist verantwortlich für all das Leid in ihrem Leben. Ihre Mutter ist Alkoholikerin, ihr Vater verschwunden, und sie selbst versucht, unsichtbar zu bleiben und irgendwie die Tage zu überstehen. An ihrer Seite befinden sich ihre beiden Hunde, im Ohr hat sie stets die Musik ihrer Lieblingsband.
Zwei Jahre ist es inzwischen her, dass ihr Leben auseinanderbrach und ihr Vater verschwand. Zurückgelassen hat er eine Tasche mit Geld und eine Pistole.
Das perfekte Elternhaus hat es für sie aber auch vorher nie gegeben. Vor allem ihr Vater war fast immer betrunken und hat Drogen genommen. Doch wenigstens war er immer ihr Vater, hat gesungen, hat gelebt, aber eben auch getrunken.
Und dann wurde alles anders: Aus der Abhängigkeit von Rauschmitteln wurde fanatischer Glaube an Gott. Da war Dawn 13 Jahre alt.

Von Anfang an spürt man, dass etwas mit Dawn geschehen ist, und natürlich fragt man sich umgehend, was dies wohl sei.
Da man direkt in Dawns Kopf steckt und daher den ganzen Wust ihrer Gedanken abbekommt, die zwar weitestgehend geordnet aber auch mal recht chaotisch und ihre Vergangenheit betreffend recht lückenhaft sind, dauert es schon relativ lang, bis sich eine erste Ahnung einschleicht.
Zunächst lernt man nämlich ihr Leben genauer kennen – ihre bedingungslose Liebe zu ihrer Mutter, die ihre Tage trinkend vor dem Fernseher verbringt; ihre Liebe zu ihren beiden Hunden, die ihre einzigen Freunde zu sein scheinen; die Bedeutung der Texte ihrer Lieblingsband.
Und am wichtigsten natürlich ihr Vorhaben, Gott umzubringen, obwohl sie nicht weiß, wie sie das eigentlich machen soll.
Sie kauft sich Bibeln, beginnt zu lesen, verbrennt sie.
Und plötzlich interessieren sich zwei Mädchen, vor denen man sich lieber in Acht nehmen sollte, für sie und wollen sich unbedingt mit ihr treffen. Ein wenig hilflos steht sie den beiden und ihren undurchsichtigen Plänen gegenüber, kann sich ihnen aber nicht entziehen, lässt sich dummerweise sogar mit Alkohol abfüllen. Als Leser erwartet man sofort das Schlimmste und wird immer wachsamer, während Dawn noch überlegt, ob sie die Freundschaft mit den Mädchen zulassen soll oder nicht.

Dank Kevin Brooks Schreibstil fließen die Seiten einem Musikstück gleich nur so dahin. Im Interview, das im Anschluss des Buches abgedruckt ist, erzählt Kevin Brooks, dass er viel mit Rhythmus arbeitet, da man den Rhythmus der Sprache nutzen kann, um Gefühle zu verstärken, Dinge zu betonen und Stimmungen zu erzeugen. Dies hält er sich nicht nur auf das gesamte Werk bezogen vor Augen, erklärt Brooks weiter, dies lässt sich auch auf einzelne Sätze und Wörter hinunterbrechen. Wie wichtig Brooks die Musik ist, zeigen am deutlichsten die Songausschnitte, die nicht nur als Kapitelüberschriften herhalten, sondern immer wieder einfließen und Dawns Gefühlsleben unterstreichen.

Vielleicht findet man wegen genau dieser Erzählmelodie keine Längen in dieser doch sehr außergewöhnlich erzählten Geschichte. Die unheilvolle, beklemmende Stimmung reißt den Leser mit, bis man versucht, jede kleine Situation als Puzzleteil dem Gesamtbild hinzuzufügen.
Dass dies nicht so ohne weiteres funktioniert und man trotz aufmerksamen Lesens Diverses übersehen hat, wird am Ende deutlich.

Was Dawn hat erleiden müssen überrascht allerdings nicht. Viel überraschender dagegen ist, wie sie das Erlebte letztendlich überwindet und wieder zu sich selbst findet.

Wie man es von Kevin Brooks nicht anders erwartet, zeigt er dem Leser wieder die Vielschichtigkeit menschlicher Gefühle, Gedanken und Taten. Der Mensch besteht nicht nur aus Schwarz und Weiß, sondern aus unendlich vielen Grauzonen. Diese an sich, aber auch an ihren Eltern zu akzeptieren, bedeutet für Dawn letztendlich, erwachsen zu werden.
Begangenes Unrecht zu verzeihen und die Gründe dafür zu erkennen, mag vielleicht auf den ersten Blick ein wenig unglaubwürdig oder naiv erscheinen, erweist sich bei Dawn jedoch als große Stärke.

Bewundernswert ist zudem, wie authentisch der Verlauf der Geschichte ist. Obwohl man in gewisser Weise von einem guten Ende sprechen kann, wird hier nichts beschönigt. Zurück bleibt man als Leser vielmehr mit einem beklommenen Gefühl und viel Bedauern.

FAZIT

Kevin Brooks präsentiert mit »Killing God« ein schwieriges und mutiges Buch zugleich. Dawn Bundy muss und musste Dinge überstehen, die sie zur Außenseiterin gemacht haben und fast zerstört hätten. Als Leser steigt man ohne Genaueres zu wissen in ihre Geschichte ein, erliegt der Sogwirkung und dem Erzählrhythmus und setzt all die vergangenen und gegenwärtigen Ereignisse Stück für Stück zusammen.
Beklommen bleibt nach der letzten Seite zurück, aber auch mit Bewunderung für Dawn.

Eure Meinung zu »Kevin Brooks: Killing God«

Nathalie zu »Kevin Brooks: Killing God« 02.03.2012
Ich fand das Buch sehr gut. Es ist eine sehr ungewöhnliche Erzählweise, aber Kevin Brooks kann einfach sehr gut schreiben. Sein Schreibstil beeindruckt mich sehr. Auch, dass er es trotz dieser speziellen Erzählart geschafft hat, dass der Leser sich Gedanken zur Geschichte macht. Und das, finde ich, ist eigentlich auch der Sinn solcher Bücher. Dass man selbst mitdenkt.
Nanni zu »Kevin Brooks: Killing God« 17.03.2011
Dawn Bundy ist ein starkes Mädchen. Ein starkes Mädchen, das schon einiges erlebt hat. Sie ist der einzige Rückhalt, den ihre Mutter, die eigentlich den ganzen Tag betrunken ist, noch hat. Doch Dawn ist nur stark, weil sie sonst zerbrechen würde, an all der Last, die sie zu tragen hat. Sie ist eine Einzelgängerin und ihr einziger Freund ist ein 10-jähriger Junge.

Anfangs hatte ich etwas Schwierigkeiten mit der lockeren Erzählweise des Autors, bis ich entdeckt habe, dass es wohl als Stilmittel gedacht ist, um den Leser und Hauptfigur Dawn näher zu bringen. Kurze Sätze, mit einfachem Satzbau, die etwas gelangweilt wirken, und damit Dawns Leben widerspiegeln. Ihre Position als Loser ohne Freunde und als Außenseiterin in der Schule. In dieser Situation fühlt sich Dawn allerdings recht wohl, denn vor einiger Zeit gab es sehr viel Aufregung in ihrem Leben und die Ruhe ist für sie eine sichere Zuflucht.

„Killing God“ ist ein ansprechendes Buch, das den Leser aber nicht unbedingt umhaut. Da es sich aber leicht und schnell lesen lässt, kann man es sehr gut mal zwischendurch lesen und die Themen, die der Autor verarbeitet sind auch wirklich interessant. Mir fehlte allerdings etwas der Bezug zum Titel. Unter „Killing God“ habe ich mir ein Mädchen vorgestellt, dass Aufgrund der Ungerechtigkeiten, die es in seinem Leben erfahren hat, mächtig wütend auf Gott ist, und ihn deswegen umbringen möchte. Dawn hätte allen Grund dazu, aber sie schluckt alles einfach runter, verdrängt, und ihre einzige Auflehnung besteht darin, dass sie ihre Hunde „Mary“ und „Jesus“ getauft hat. Eigentlich nach ihrer Lieblingsband, den „Mary and Jesus Chans“, aber die gläubigen Nachbarn sind doch sehr geschockt angesichts der Tatsache, dass sie diese heiligen Namen so leichtsinnig benutzt und das gefäält ihr.

Ich hätte mir einfach mehr Wut, mehr Dramatik in der ganzen Geschichte gewünscht. So gehen die Themen, Alkoholismus, Drogenabhängigkeit, Kriminalität, leider ein bisschen unter.
Zum Ende steigt die Spannung des Buches stark an und der Leser muss sich auf einige Überraschungen und unverhoffte Wendungen gefasst machen.
Dein Kommentar zu Killing God

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