Roofer von Jutta Wilke

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel Roofer, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Coppenrath , 256 Seiten. ISBN 3649615096.

ab 14 Jahren

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Jugendbuch-Rezension von Rita Dell’Agnese: Das Spiel mit der Angst

Was ist nur mit Nasti los? Alice merkt, dass sich ihre beste Freundin verändert, irgendwie von ihr entfernt hat. Gerade jetzt, da sie sie doch so dringend braucht. Denn Zuhause passt nichts mehr richtig. Alices Stiefvater gibt den Ton an, lässt der Jugendlichen kaum Raum, sich zu entwickeln. Und ihre Mutter tut, was der neue Mann sagt. Doch in Nastis Leben gibt es nun Trasher.

Trasher ist ein Roofer. Einer der Besten, wie Nasti voller Stolz sagt. Alice kann sich nichts darunter vorstellen, folgt Nasti jedoch zur Baustelle, wo sich Trasher mit seinem größten Konkurrenten Adrian einen erbitterten Wettstreit liefert, der die ganze Gruppe hart an ihre Grenzen führt. Alice ist diese Welt fremd. Sie möchte Nasti wieder für sich haben, sieht in der Gruppe junger Frauen und Männer eine Gefahr für ihre Freundschaft mit Nasti. Gleichzeitig ist Alice fasziniert. Nicht von der Gefahr, in die sich die Roofer bringen, sondern vom Zusammenhalt in der Gruppe. Und auch von Nikolaus, einem jungen Obdachlosen, der einst mit den Roofern geklettert ist, aber nicht diese Verbissenheit aufbrachte, die Trasher und Adrian an den Tag legen.

Alice, die sich als Außenseiterin empfindet, sieht in Nikolaus, die tiefe Verletzung, die dazu führte, dass er auf der Straße lebt. Und sie erkennt den ähnlich denkenden Menschen in ihm. Die Freundschaft zwischen Alice und Nasti hingegen scheint unmittelbar vor dem Ende zu stehen. Denn Alice will alles unternehmen, um zu verhindern, dass Nasti mit Trasher für ein ganz spezielles Bild posiert – in gefährlicher Lage.

Nicht nur ein Thema

Es ist ein ungewöhnliches Thema, dem sich Jutta Wilke hier zuwendet. Wie die Buchheldin Alice dürfte ein beachtlicher Teil der Jugendlichen noch nie mit Roofern konfrontiert gewesen sein. So braucht es eine fundierte Einführung ins Thema. Die Autorin geht den Weg über Nasti, die sich aufgrund ihrer Verliebtheit in Trasher zu einer Mitläuferin entwickelt, ohne jedoch selber von dieser Gier nach der gefährlichen Mutprobe erfasst zu sein. Ihre Gespräche mit Alice geben dem Leser schon mal einen Eindruck von der Szene, in welcher der Roman spielt.

Die Thematik als solche würde durchaus ausreichen, um den Leser in eine andere Welt zu entführen. Dass Jutta Wilke noch zwei andere, ebenso gewichtige Themen in den Roman mit einbindet, erwürgt die eigentliche Geschichte manchmal fast. Zum einen steht Alice als Jugendliche im Mittelpunkt, die sich in der neuen Partnerschaft ihrer Mutter nicht mehr findet und echte Zuneigung vermisst. Sie ritzt sich, um sich selber zu spüren.

Zum anderen ist es Nikolaus, der zum Obdachlosen wird, weil er nicht mehr im Jugendheim bleiben mag. Auch hier wird die Thematik: »Jugendheim, Heimatlosigkeit, Obdachlosigkeit« nur am Rande gestreift, eine vertiefte Auseinandersetzung kann nicht stattfinden. Es stellt sich die Frage, ob Jutta Wilke ihrem eigenen Thema »Roofer« zu wenig zugetraut hat oder ob sie sich nicht entscheiden konnte, wo sie mit der Geschichte von Alice wirklich hin möchte.

Überzeugend ist der Aufbau der Geschichte, wenn es um die zunehmende Rivalität zwischen Trasher und Adrian geht – sowie beim Verhalten Nastis, die plötzlich zwischen ihren Gefühlen für Trasher und ihrer Freundschaft zu Alice steht. Diesem Bereich vermag Jutta Wilke sehr viel Gewicht zu geben und den Leser tief einzubinden. Wer noch nichts von Roofern gehört hat, wird nach diesem Buch zumindest eine Ahnung davon haben, was diese Jugendlichen dazu bringt, auf unfertigen Hochhäusern, Kränen oder anderen gefährlichen Höhen herum zu klettern. Schön ist, dass es Jutta Wilke schafft, die Sache so zu beschreiben, dass sie nicht dazu einlädt die gefährlichen Szenen nachzumachen. Ebenfalls nahe kommt die Autorin ihrem Zielpublikum mit der Wahl der einzelnen Szenerien, die der Welt der Jugendlichen durchaus entspricht, ohne anbiedernd oder verzerrend zu wirken.

Fazit

Die Autorin hat einen spannenden Roman über Jugendliche in Ausnahme-Situationen geschrieben. Leider hat sie dabei zu viele Themen vermischt, was dem einzelnen Bereich zu wenig Platz lässt, um sich voll entfalten zu können. Von der Sprache, wie auch von den beschriebenen Gefühlen her ist Jutta Wilken sehr gut auf ihr Zielpublikum, die 14- bis 17-jährigen Leserinnen und Leser, eingegangen. Der Roman kann zwar nicht sein ganzes Potenzial ausschöpfen, bietet aber einen hohen Unterhaltungswert mit attraktiven Themen.

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