Moonsurfer - Seven Waves von Jan Birck

Buchvorstellung

Originalausgabe erschienen 2012 bei Baumhaus , 288 Seiten. ISBN 3833932899.

ab 12 Jahren

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Jugendbuch-Couch-Rezension von Stefanie Eckmann-Schmechta


[Jugendbuch des Monats – Mai 2012]

Eine unheimliche Begegnung mit einem Insel-Greis, ein magisches Surfboard namens »Moonsurfer«, eine scheinbar unlösbare Herausforderung ...
Das Leben des fünfzehnjährigen Steven Waves entwickelt sich schon eigenartig genug, doch »Moonsurfer« sorgt für noch mehr Überraschungen. Ehe Steven bei seinem Ritt auf der monströsen siebten Welle begreift, wie ihm geschieht, befindet er sich an Bord der Blackbird im Jahr 1693 …

… und zwar auf genau dem Dreimaster, der im Jahr 2004 als Wrack vor Sharkfin-Island liegt. Während Stevens Vater, ein berühmter Schatzsucher, noch vor dem Rätsel steht, was die Blackbird dort zu suchen hat – schließlich sollte es die spanische Galeone sein, in der der Schatz verborgen liegt -, sitzt Steven vor dem skrupellosen und offenbar verrückten Käpt´n Skull. Der hält ihn für einen Spion und verurteilt Steven in einem mehr als fragwürdigen Gerichtsverfahren zum Versuchskaninchen mit ziemlich trostlosen Aussichten: Steven soll sich auf die Außenbordkanone stellen, während Skull die Kugel abfeuert. Ein Experiment, das der gelangweilte Skull nur zu gerne einmal durchführen würde.

Während Steven durch die Hilfe von »Shark«, der indianischen Häuptlingstochter, an Land in Sicherheit gelangt, dämmert ihm so langsam, was geschehen ist. »Moonsurfer«, das Board, das er vom alten »Grumble« bekam, hat ihn mit der siebten Welle in die Vergangenheit katapultiert. Ebenso realisiert er, dass »Moonsurfer« ihn nur bei Vollmond und mit einer siebten Monsterwelle zurück in seine Zeit bringen kann.

Doch zuvor muss Steven das Abenteuer seines Lebens bestehen. Als seine neue Freundin »Shark« von Skulls Männern gefangen genommen wird, beschließt Steven zusammen mit »Snake«, dem undurchschaubaren Schiffsjungen der Blackbird, »Shark« und ihre drei Brüder aus den Fängen der Sklavenhändler auf Captiva-Island zu befreien.

Sie bauen gemeinsam ein seetaugliches Gefährt, entkommen den Piraten der Blackbird und dem wütenden Panther-Clan, bezwingen den Ozean, schlängeln sich mit ihrem Ausleger-Segelboot durch  Mangrovenwälder, in denen Krokodile, Piranhas, Haie und giftige Schlangen auf sie lauern und  Millionen von Moskitos -  doch das ist noch die geringste Gefahr im Vergleich zur Gefangeneninsel von Gouverneur Gaspar, einem Nest der widerwärtigsten und skrupellosesten Piraten. 

Und immer wieder gehen Steven die Worte Grumbles durch den Kopf: »Hilf Shark. Rette den Schatz, aber töte Snake!«

Jan Bircks Debüt-Roman bietet so ziemlich alles, was eine Geschichte nur spannend machen kann. Zunächst schildert Jan Birck aus Stevens Perspektive dessen schwieriges Familienleben mit seinen geschiedenen Eltern und seinem desinteressierten Vater. Doch sehr schnell legt er den nächsten Gang ein und präsentiert mit dem Geist des alten Grumble einen schaurig-schönen Einstieg in ein ziemlich unvorhersehbares und spannendes Abenteuer. Dass dieses Board mit Namen »Moonsurfer« quasi selbst auf den Wellen reitet und jeden Anfänger wie einen echten Surfprofi aussehen lässt, ist schon eine verlockende Vorstellung. Dass Steven bei dem großen Surfwettbewerb selbst die Champions alt aussehen lässt, ist darüber hinaus nicht nur amüsant sondern erfüllt den Leser auch mit einer gewissen Genugtuung – stellvertretend für den Helden natürlich. Doch »Moonsurfer« hat einen ganz anderen Plan, als Steven mit der siebten Welle zum Surf-Champion zu machen.

Jan Birck bringt hier ganz überraschend ein weiteres Element ein: die immer wieder faszinierende Reise durch die Zeit. Sehr gut verbindet er die beiden Ereignishorizonte durch die Blackbird, die 2004 gesunken vor Sharkfin-Island und im Jahr 1693 gestrandet auf einer Sandbank liegt – durch die vielen Goldschätze zu schwer beladen, als dass sie jemals wieder frei kommen könnte. Die Horde Piraten um Käpt´n Skull, die mit viel Rum ausharren, hoffen, dass einer nach dem anderen von ihnen das Zeitliche segnet, damit möglichst wenige mit möglichst viel von dem Schatz verschwinden können. Das Schicksal steht im Jahr 2004 wenigstens in so fern fest, als das die Blackbird tatsächlich nicht mehr von der Sandbank loskommen wird.

In seinem ersten der drei Bände schafft Jan Birck auf sehr markante und bildreiche Weise die Basis für ein verzwicktes Zeitreiseabenteuer. Dabei ergeben sich eine ganze Reihe von Handlungssträngen und Einzelschicksalen, die von beiden Seiten der Zeit – der Gegenwart und der Vergangenheit – beeinflusst werden. Besonders die gut recherchierten historischen Fakten und die Schilderungen der tatsächlichen Lebensumstände der damaligen Zeit haben mir gut gefallen, denn sie machen den Roman – trotz seiner abenteuerlichen Handlung – glaubwürdig. Die Mischung aus historischen Fakten und den fantastischen Elementen der Zeitreise funktioniert hier hervorragend. Eine Erzählweise, von der der Autor selbst sagt, dass man »Moonsurfer« auch einen historischen Roman für Jugendliche nennen könnte – und da liegt er meiner Meinung nach ganz richtig. Genauer gesagt, ist  »Moonsurfer« ein historischer Roman, der gerade Jungs ab 12 gefallen wird.

Dabei fängt Jan Birck auf sehr greifbare, lebendige Weise nicht nur die besondere Atmosphäre der Florida Keys ein, sondern schildert auch die unmenschlichen Bedingungen unter Deck des Piratenschiffs, wo die Gefangenen bei totaler Dunkelheit, Hitze und Gestank um ihr Überleben kämpfen müssen. So wie er auch keinen Bogen um die unschönen Machenschaften der Kopfgeldjäger, Piraten und sogenannten Gouverneuren macht, so bringt er gerade zum Höhepunkt des Abenteuers seinen ganz besonderen schwarzen Humor ins Spiel – und zwar immer dann, wenn es einen der Bösewichte erwischt. Viele einzelne Ereignisse kommen dann zu einer guten Pointe zusammen, die – voller skurriler Details – ihre Wirkung bei den Lesern sicherlich nicht verfehlen wird.

Durch den filmischen Aufbau, in dem er seine einzelnen, manchmal sehr kurzen Kapitel gliedert, ehe er sich einem anderen Schauplatz zuwendet, – zum Beispiel »Captiva-Island, Vogelperspektive, Zoom auf den natürlichen Hafen« – kann Jan Birck auf lange Übergänge oder Einleitungen von einem Kapitel zum nächsten verzichten. Diese knappe, filmische Umsetzung kommt seiner Zielgruppe sehr entgegen. Ohne sich mit langen Erläuterungen aufzuhalten, ist der Leser gleich beim nächsten spannenden Höhepunkt der Geschichte. Da werden auch mal zwei Wochen einfach übersprungen oder Bedingungen wie »Im Laderaum der Blackbird, völlige Dunkelheit/Hitze«  in kurzen, markanten Kapitelüberschriften zusammengefasst.

Ich finde, das ist Lesen ohne große Umschweife. Dadurch und durch die überraschenden Wendungen wird das Buch zu keinem Zeitpunkt langatmig. Gerade zum Ende hin hält Jan Birck seine Leser in Atem, denn die Flucht der Schicksalsgemeinschaft von Captiva-Island scheint fast aussichtslos. Dass es ebenso spannend ist zu erfahren, ob Steven Waves jemals in seine Zeit zurück gelangen wird und wie das Leben in unserer heutigen Zivilisation weitergeht,  ist ein weiterer Pluspunkt.  Auch hier baut Jan Birck so manchen Überraschungsmoment ein und legt einige Fährten, die seine Leser herausfordern. Eine gute Voraussetzung, um dabei zu bleiben und sich schon auf den zweiten Band zu freuen.

Übrigens: Viele Details über die Natur, das Licht und das mal friedliche und mal tosende Meer, konnte Jan Birck vor allem deshalb so gut beschreiben, weil er »Moonsurfer« in seinem Strandhaus genau an dem Ort geschrieben hat, wo sich die Geschichte abspielt. Zu dieser und vielen anderen Fragen der Jugendbuch-Couch-Redaktion findet Ihr hier unser Interview mit Jan Birck, in dem er auch über das Segeln, das Surfen, Tornados und die Schatzsuche erzählt.

FAZIT

Ein toller Roman für alle Jungs ab 12. »Moonsurfer« ist packend, einfallsreich und nie langweilig.  Mit historischen Fakten, schwarzem Humor, jeder Menge guter Einfälle sowie vielen glaubwürdigen und intensiven Schilderungen hat Jan Bircks erster Band der »Moonsurfer« Trilogie das Potential, selbst Lesemuffel zum Lesen zu bewegen.

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