Im Januar 2010 ist Bettina Belitz’ "Splitterherz» erschienen, im Juni der erste Band ihrer neuen Reihe «Luzie und Leander». Ob mystisch-romantisch oder chaotisch-amüsant, Bettina Belitz hat sich direkt in die Herzen der Mädchen geschrieben.
Ich freue mich daher sehr über das Interview mit der Jugendbuchautorin!
Jugendbuch-Couch:
Vielleicht könnten Sie sich eingangs kurz selbst vorstellen?
Was sollte der Leser über Sie wissen?
Bettina Belitz:
Eigentlich muss der Leser gar nichts über mich wissen, bevor er meine Bücher liest. Aber ich erzähle gerne ein paar Dinge über mich – ich liebe Buchstaben, setze mich lieber aufs Pferd als in ein Auto, stromere gerne in der Natur herum, habe ein Faible für Kampfsport und momentan fürchterliches Fernweh nach Italien, wo ich früher viele schöne Urlaube verbracht habe.
Jugendbuch-Couch:
Können Sie uns erzählen, wie Sie zum Schreiben gekommen sind?
Wann haben Sie bemerkt, Talent dafür zu haben? Und was war das erste, das Sie zu Papier gebracht haben?
Bettina Belitz:
Ich habe schon früh lesen gelernt und immer gerne geschmökert. Recht bald entstand der Wunsch, selbst Geschichten zu erfinden, die aber vom Umfang her noch sehr übersichtlich waren – eher Kurzgeschichten als Bücher. Die Idee zu meinem ersten Buch hat mich getroffen wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Es war eine Sache von Sekunden. Ich begann sofort, das erste Kapitel zu schreiben. Das Ergebnis – nach vielen Überarbeitungen und Korrekturen – ist «Sturmsommer», ein Pferdeabenteuer, das im Januar 2010 bei Thienemann erschienen ist.
Jugendbuch-Couch:
Wie lange haben Sie gebraucht, um Ihren Debütroman zu schreiben?
Bettina Belitz:
Da Anfang 2010 zwei Romane zugleich herauskamen, beantworte ich die Frage mal für beide: An «Sturmsommer" in seiner Urfassung habe ich zwei Jahre lang geschrieben, da ich damals nur in den Schulferien schreiben durfte, an Splitterherz dreieinhalb Monate plus Überarbeitungen und Korrekturen. Man sieht also – ich bin schneller geworden.
Jugendbuch-Couch:
Was macht Ihnen am meisten Spaß, wenn Sie einen neuen Roman entwerfen, und was können Sie dabei nicht ausstehen?
Bettina Belitz:
Zum Glück macht mir fast alles Spaß – das Skizzieren der Charaktere, die Kapitelplanung, das ständige Weiterfabulieren. Allerdings zerren die ersten Kapitel immer ein wenig an meinen Nerven, weil dann die Selbstzweifel am stärksten sind. Die verschwinden jedoch fast immer, sobald ich das erste Drittel hinter mir gelassen habe.
Jugendbuch-Couch:
Woher nehmen Sie Ihre Ideen?
Und wie entwickeln Sie Ihre Figuren?
Werden Sie beim Schreiben von beispielsweise Wetter, Umgebung oder Musik beeinflusst?
Wie dürfen wir uns Ihren Arbeitsalltag vorstellen?
Bettina Belitz:
Meine Ideen entstehen fast immer, wenn ich Musik höre. Woher ich sie nehme, weiß ich gar nicht so genau – es fühlt sich an, als würde ich etwas finden, was schon da war. Und ich habe die Ehre, es aufzuschreiben. Wenn die Geschichte dann in meinem Kopf Hand und Fuß hat und ich mit dem konkreten Schreiben beginne, lasse ich mich von äußeren Faktoren nur wenig beeinflussen. Im Vorfeld aber können Wetter und Umgebung sehr inspirierend sein. Mein Arbeitsalltag ist eher unglamourös. Ich setze mich morgens an den Schreibtisch und hau in die Tasten – Tag für Tag. Mittags übernehme ich dann den Kleinen. Abends geht es meistens noch einmal an den Computer. Zeit ist momentan ein kostbares Gut …Aber zum Glück greift mir mein Freund in sämtlichen Lebensbereichen unter die Arme. Ohne ihn ginge das alles nicht.
Jugendbuch-Couch:
Wissen Sie am Anfang eines neuen Buches schon, wie es ausgehen wird?
Bettina Belitz:
Ja, und das ist auch notwendig, wenn man für einen Verlag arbeitet. Früher habe ich munter drauf losgeschrieben, ohne mir Gedanken um das Ende zu machen. Doch natürlich will der Verlag nicht die Katze im Sack kaufen und vorab wenigstens die grobe Richtung kennen. Und das hilft mir selbst sehr beim Schreiben – ich möchte das gar nicht mehr anders haben.
Ein paar Fragen zu Splitterherz:
Jugendbuch-Couch:
Haben Sie mit dem Erfolg gerechnet?
Bettina Belitz:
Ich habe mit gar nichts gerechnet. Ich hatte ja nichts zu verlieren! Niemand kannte mich. Es war ein unglaubliches Gefühl, die ersten positiven Rezensionen zu lesen – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich konnte es nicht fassen. Inzwischen google ich mich und »Splitterherz« aber kaum mehr, weil ich gemerkt habe, dass das ständige Überprüfen auch schädlich sein kann. Ich weiß also nicht genau, ob es tatsächlich ein Erfolg ist oder nicht.
Jugendbuch-Couch:
Was hat Sie zur Handlung inspiriert?
Bettina Belitz:
Die Themen Traum und Schlaf haben mich schon immer fasziniert und interessiert. Colin ist mir aber quasi zugeflogen – ihn habe ich plötzlich vor meinem geistigen Auge gesehen, als ich abends nach dem Reiten zu »Live for tomorrow« von Moby über die einsame Landstraße fuhr. Und mit ihm fing alles an …
Jugendbuch-Couch:
Was war Ihr schönstes Erlebnis, während Sie »Splitterherz« geschrieben haben?
Bettina Belitz:
Mein Söhnchen wachsen und sich entwickeln zu sehen. Das geht ja so schnell bei den kleinen Würmchen. Als ich mit »Splitterherz« begonnen habe, war er gerade mal zwölf Wochen alt. Er war beim Schreiben oft dabei, weshalb ich das Buch auch ihm gewidmet habe.
Jugendbuch-Couch:
In »Splitterherz« gibt es viele wunderbare Naturbeschreibungen. Welche Beziehung haben Sie zur Natur?
Bettina Belitz:
Eine sehr innige. Gerade heute bin ich wieder zwei Stunden durch den Wald gestapft. Ich liebe es, mich an der frischen Luft zu bewegen und den Geräuschen der Natur zuzuhören.
Jugendbuch-Couch:
Gibt es etwas, auf das Sie besonders stolz sind, das aber in noch keiner Rezension entsprechend gewürdigt wurde?
Bettina Belitz:
Ach, solch einen hohen Anspruch habe ich an die armen Rezensenten nicht. Sie müssen mich oder das Buch nicht in allen Details würdigen. Ich bin dankbar, wenn sich überhaupt jemand die Arbeit macht, es zu kritisieren. Ich hoffe nur, dass die Rezensenten mir als Debütantin eine ehrliche Chance geben und das Buch lesen, bevor sie es beurteilen. Eine Interpretation möchte ich niemand vorgeben, und auch eine Botschaft habe ich nicht, die man zwingend entdecken müsste. Wie jeder Autor wünsche ich mir, als eigenständige Schreiberin mit eigenständigen Geschichten wahrgenommen zu werden, aber im Großen und Ganzen ist das ja auch passiert.
Jugendbuch-Couch:
Wird es eine Fortsetzung geben?
Bettina Belitz:
Ja! Ich habe sie bereits geschrieben, nach meinem Urlaub geht es an die Korrekturen. Der zweite Band wird im Januar 2011 erscheinen, der dritte voraussichtlich Januar 2012.
Ein paar Fragen zu "Luzie & Leander»:
Jugendbuch-Couch:
In Kürze erscheint der erste Band von «Luzie & Leander».
Ohne zu viel zu verraten: Worum geht es im ersten Band «Verflucht himmlisch»?
Bettina Belitz:
Die dreizehnjährige Luzie – eine echte Rotzgöre mit Hang zum Chaos und Katastrophen – stellt eines Tages fest, dass die ganze Zeit immer jemand bei ihr war. Eine Art Wächter, der sie beschützen sollte. Und dieser Wächter – Leander – ist nun in den Streik getreten und wird dafür mit einem saftigen Fluch bedacht, der ihn nach und nach sichtbar werden lässt. Damit fängt der ganze Ärger eigentlich erst an …Wer hierbei an klassische Schutzengel-Klischees denkt, irrt jedoch gewaltig.
Jugendbuch-Couch:
Mit welchen drei Worten würden Sie die Hauptpersonen Luzie und Leander beschreiben?
Bettina Belitz:
Luzie: eigensinnig, frech, waghalsig.
Leander: eitel, anstrengend, faul.
Aber beide sind sie auf ihre Weise liebenswert.
Jugendbuch-Couch:
Was ist das Besondere an der Reihe?
Bettina Belitz:
Puh, als Autorin schwierig zu beantworten. Vielleicht, dass man mit gängigen Klischees zum Thema Schutzengel nicht weit kommt. Man sollte dieses Wort in Leanders Gegenwart auch niemals aussprechen. Er hasst es! Und mit Sicherheit ist Luzie kein durchschnittliches Mädchen. Obwohl sie mit allen Wassern gewaschen und Spezialistin im Flunkern ist, muss man sie einfach gerne haben. Bei Leander dauert das womöglich ein bisschen länger, aber ich hoffe, dass die Leser auch ihm nur schwer widerstehen können.
Jugendbuch-Couch:
Wie viele Bücher wird es über die beiden geben?
Bettina Belitz:
Ich habe gerade den dritten beendet, und wenn die Reihe nicht ein kompletter Reinfall wird, werden weitere folgen. Der zweite Band erscheint bereits im September.
Jugendbuch-Couch:
Welche Autoren lesen Sie in Ihrer Freizeit?
Bettina Belitz:
Alles, was mir zwischen die Finger kommt und mich auf den ersten Seiten fesselt. Allerdings meide ich derzeit Fantasy, um mich nicht unbewusst beeinflussen zu lassen.
Jugendbuch-Couch:
Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Bettina Belitz:
Mehrere – unter anderem «Homo Faber» von Max Frisch und «Ronja Räubertochter" von Astrid Lindgren.
Jugendbuch-Couch:
Wenn Sie für einen Tag eine fiktive Person sein dürften, welche wäre es, und warum?
Und welche fiktive Person würden Sie gern einmal treffen?
Bettina Belitz:
Ich gestehe es – ich wäre gerne Ellie und würde Colin treffen. Oh ja. Aber nur in den ersten zwei Dritteln des Buches, und bitte ohne Spinnen. Für alles andere wäre ich nicht tough genug.
Jugendbuch-Couch:
Was halten Sie von Fanfiction?
Bettina Belitz:
Oh je. Asche auf mein Haupt! Ich weiß gar nicht, was das ist. Moment, Google …Ah, okay. Kann ich auf die Schnelle nicht sagen. Aber es klingt spannend.
Jugendbuch-Couch:
Hat es Sie schon einmal in den Fingern gejuckt, eine Fortsetzung für ein Buch, einen Film oder eine Serie zu schreiben?
Bettina Belitz:
Nein, noch nie – außer natürlich bei meinen eigenen Geschichten. Ich bin noch nicht einmal auf die Idee gekommen, das zu tun. Ich denke mir lieber etwas komplett Eigenes aus. Aber das soll nicht heißen, dass dieser Gedanke keinen Reiz hat!
Jugendbuch-Couch:
Gibt es eine Frage, die Sie schon immer gern in einem Interview gestellt bekommen hätten, die bisher aber nie aufgetaucht ist? Wenn ja, wie lautet diese Frage und bitte verraten Sie uns doch auch die Antwort darauf.
Bettina Belitz:
Hm – obwohl ich fast zwölf Jahre lang als Journalistin gearbeitet und etliche Interviewfragen gestellt habe, muss ich passen. Mir fällt spontan keine Frage ein, die ich vermisse. Interessant fand ich aber, was mich kürzlich eine Schülerin in einer Lesung gefragt hat: Würden Sie gerne Ellie sein? Wie vorhin schon angedeutet: Colin würde ich zu gerne mal begegnen. Ansonsten fiebere und fühle ich zwar stets mit Ellie mit, lasse ihr bei ihren Abenteuern und Kämpfen aber gerne den Vortritt.
Herzlichen Dank!
Corinna Abbassi-Götte
Juli 2010
