Du und ich: best friends for never von Hilary T. Smith

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel A Sense if the Infinite, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Fischer , 368 Seiten. ISBN nicht vorhanden.

ab 14 Jahren

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Jugendbuch-Rezension von Andrea Delumeau: Die Freundschaft als Rettungsring

Annabeth und Noe sind beste Freundinnen und unzertrennlich. Gemeinsam schmieden sie Pläne, was sie alles nach dem Schulabschluss machen wollen: an der gleichen Uni studieren, in eine gemeinsame Wohnung ziehen, nach Paris reisen, zusammen ein kleines Restaurant aufmachen und vieles mehr. Aber dann beginnt Noe andere Pläne ohne Annabeth zu machen! Wird es Annabeth und Noe gelingen, ihre Freundschaft zu retten?

Eigentlich ist Annabeth eher ein Einzelgängerin. Seitdem sie mit dreizehn zuerst von ihrer älteren Kusine Ava und dann von ihrer Mutter erfahren hat, dass ihr Vater ein Studienkollege ihrer Mutter war, der sie bei einem Gruppenausflug vergewaltigt hat, fühlt sie sich sowieso wie ein Monster, obwohl ihre Mutter beteuert, dass sie sich bewusst dafür entschieden hätte, das Kind auszutragen und dass sie Annabeth über alles lieben würde.

Die Freundschaft mit der beliebten Noe ist daher so etwas wie ein Rettungsring, der sie vor dem Ertrinken in der Gemeinschaft anderer bewahrt. Mit Noe an ihrer Seite fühlt sie sich stark und unbezwingbar und fast wie ein normaler Mensch.Noes neuen Freund Steven kann sie zwar akzeptieren, ja, sie entwickelt sogar eine besondere, von Noe unabhängige, Freundschaft mit ihm. Es trifft sie jedoch sehr hart, als Noe anfängt, Zukunftspläne zu schmieden, die Annabeth nicht miteinbeziehen, obwohl sie doch vorher viele gemeinsame Pläne hatten.

Falsche Entscheidungen?

Beim »Homecoming«-Ball in ihrem letzten Schuljahr auf der »High School« lässt sich Annabeth bewusst mit einem älteren, ehemaligen Mitschüler ein, vermeidet jedoch nach diesem von ihr als »wunderschön« empfundenen »one night stand« jeglichen Kontakt mit ihm.

Als sie nach einigen Wochen merkt, dass sie schwanger ist, ist der Vater längst in Alaska, wie er es immer vorhatte und ist nicht bereit zurückzukommen, als Annabeth ihn telefonisch von der Schwangerschaft unterrichtet. Für Annabeth steht gleich fest, dass das ungeborene Baby nicht in ihre Lebensplanung passt und sie es daher abtreiben will.

Da trifft es sich gut, dass ein Tag der offenen Tür an ihrer Wunschuniversität ansteht, die auch von ihrer Kusine besucht wird. Da sie alleine dort hinfährt, kann sie an der dortigen Studentenklinik die Abtreibung vornehmen lassen, ohne dass ihre Mutter zunächst davon weiß. Weniger mühelos gelingt der schmerzhafte Abnabelungsprozess von Noe. Die beiden entfremden sich immer mehr, wird es Annabeth gelingen, sich von Noe zu lösen und auf eigenen Füssen zu stehen?

Freundschaft ja, Lebenshilfe nein

Geschickt schafft es die Autorin, diesen spannenden Jugendroman zu entwickeln. In Annabeths Gefühls- und Gedankenwelt können sich sicher viele der heranwachsenden Leserinnen wiederfinden, auch wenn die Existenz der meisten auf weniger dramatischen Umständen beruht. Ist es doch ein wichtiger Teil des Erwachsenwerdens, sich von den Eltern abzunabeln und generell eine eigenständige Persönlichkeit zu werden. Und die Darstellung dieses oft schmerzhaften Prozesses gelingt der Autorin auf zutreffende Weise. Zum Beispiel wird im Umgang zwischen Annabeth und ihrer Mutter die Sprach- und Hilflosigkeit der einzelnen Generationen, miteinander effizient zu kommunizieren, deutlich.

Auch bei der Darstellung ihrer Charaktere kann die Autorin punkten. Nicht nur die Buchheldin Annabeth überzeugt, auch die Nebencharaktere wie Noe oder Annabeths Mutter wirken glaubwürdig und lebensecht.

Die Kapitel sind kurz und knapp gehalten, die Sprache überrascht mit poetischen, ausdrucksvollen Vergleichen, die den Leser durch ihre Treffsicherheit begeistern und zum Unterstreichen einzelner Ausdrücke verleiten können.

Das Thema »Freundschaft« ist bei der angestrebten Zielgruppe ab 14 J. besonders wichtig. Die Autorin leistet aber mit ihrem Buch und dessen Botschaft, sich selbst treu zu bleiben, seine eigenen Träume zu leben und nicht blindlings den Vorstellungen anderer für sein Leben zu folgen, nur bedingt Entscheidungs- und Lebenshilfe.

Denn: Weniger nachahmenswert ist jedoch Annabeths Umgang mit ihrer ungewollten Schwangerschaft, ist es doch wissenschaftlich erwiesen, dass eine Abtreibung nicht so leicht wegzustecken ist wie hier im Buch. Annabeth wird ungewollt schwanger, weil sie dem von Noe verbreitetem »Ammenmärchen« aufsitzt, dass die Pille zu Bartwuchs führt und daher die Einnahme einer halben Pille zur Verhütung genügt und etwaigen Bartwuchs verhindert.

Zur kritischen Auseinandersetzung regt auch die Entscheidung der Mutter an, ihrer Tochter mit dreizehn! zu erzählen, dass ihr Vater ein Vergewaltiger ist. Dass diese viel zu jung dafür ist, mit diesem bedrückenden Wissen lebensbejahend umzugehen, wird dem Leser schnell klar.

Fazit:

kein überladenes Problembuch, sondern ein packender Jugendroman zum gerade für Heranwachsende wichtigen Thema »Freundschaft«.

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