Halbe Helden von Erin Jade Lange

Buchvorstellung und Rezension

deutsche Ausgabe erstmals 2015 bei Magellan , 336 Seiten. ISBN nicht vorhanden.

ab 14 Jahren

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In Kürze:

So ganz kann Dane sich nicht erklären, wie er da hineingeraten ist: Gerade ging er noch (überwiegend) friedlich und unbescholten zur Schule, jetzt hat er einen Aufpasserjob. Dumm nur, dass Billy D., ein neuer Schüler mit Downsyndrom, nicht will, dass man auf ihn aufpasst viel lieber ist ihm, wenn Dane ihm beibringt, wie man sich prügelt, oder wenn er ihm hilft, seinen Dad zu finden. Der hat Billy nämlich einen Atlas mit geheimnisvollen Hinweisen hinterlassen, und Billy ist überzeugt, dass sie ihn am Ende zu seinem Vater bringen werden. Dane kann den Ärger förmlich riechen, der ihm blüht, wenn er Billy einmal quer durchs Land kutschiert, aber dessen Enthusiasmus hat er wenig entgegenzusetzen. Wo ihr Weg sie schließlich hinführt, hat keiner von ihnen geahnt …

Jugendbuch-Rezension von Rita Dell’Agnese: »Ein Plädoyer für mehr Toleranz«

Dane lebt zusammen mit seiner Mutter in einer kleinen Stadt. Einer Mutter, die zwar ein goldenes Händchen hat, wenn es darum geht, bei Lotterien zu gewinnen, die ihre Gewinne aber nie einlöst. Und eine Mutter, die ihrem Sohn verschweigt, wer sein Vater ist. Dane, der sich in vielem allein gelassen fühlt, lehnt sich auf. Nicht gegen die Mutter – aber gegen jede mögliche Gesellschaftsnorm. Meistens mit den Fäusten …

Beim Disziplinarrat der Schule ist Dane ein Dauergast – obwohl er ein guter Schüler ist, droht ihm nun der Schulverweis. Da taucht Billy in Danes Leben auf. Der Junge mit dem Downsyndrom ist einfach so da – und schafft es scheinbar mühelos, den sorgfältig aufgebauten Panzer von Dane zu durchbrechen. Um Disziplinarmaßnahmen zu umgehen, kümmert sich Dane um Billy. Obwohl er sich anfänglich dagegen zu sträuben versucht, findet er in ihm einen Freund. Billy stellt Fragen, bittet um Hilfe und nötigt seinen starken Freund da und dort auch mal unverhohlen. Denn Billy möchte seinen Vater finden und dazu braucht er Dane. Je näher sich die beiden ungleichen Jungs kennen lernen, desto mehr profitieren sie vom anderen. Denn jeder hat seinem Freund eine ganze Menge mitzugeben. Das merken sie nicht erst dann, wenn sie sich auf der Suche nach Billys Vater ganz auf sich verlassen können müssen.

Dass bei diesem Roman zunächst der Verdacht aufkommt, die Idee könnte sich an Werke wie etwa »Ziemlich beste Freunde« anlehnen, lässt sich kaum vermeiden. Tatsächlich ist die Handlung ähnlich strukturiert. Damit hat es sich aber schon. Halbe Helden ist eine eigenständige Geschichte, die so wunderbar erzählt ist, dass sie einen Vergleich mit ähnlich gelagerten Geschichten nicht zu fürchten braucht. Erin Jade Lange erzählt mit einem so warmherzigen Humor, dass selbst die düsteren Passagen des Buches zu einem eingängigen Leseerlebnis werden. Quasi vom Leser unbemerkt hält die Autorin ein starkes Plädoyer für mehr Toleranz. Und für genaueres Hinsehen.

Da ist zum einen Dane. Er ist auf den ersten Blick ein typischer pubertierender Junge, der seine Kräfte austestet. Auf den zweiten Blick wird er zu einem empfindsamen Kind, der den Tick seiner Mutter mit den Losen nicht versteht und noch weniger begreifen kann, weshalb sie ihm das verschweigt, was ihn bewegt: Wer sein Vater ist. Seine Verunsicherung und seine Suche nach seiner Identität bringen Dane dazu, sich über die Fäuste Luft zu machen. Erst die Verantwortung für den wesentlich schwächeren Billy – und sein tief in ihm verwurzeltes und nun erwachendes soziales Bewusstsein – geben dem Jungen neuen Halt und lassen ihn reifen. Aber auch Billy profitiert von der Freundschaft. Nicht, weil ihm Dane letztlich gegen die gewaltbereiten Schulkameraden beisteht oder mit ihm nach dem Vater sucht. Sondern weil Dane in ihm einen gleichwertigen Menschen sieht und keine Berührungsangst hat. Dane nimmt Billy so wie er ist – ein Mensch, der durch das Down-Syndrom etwas anders ist, als alle anderen. Der schlagfertig, schlau und vor allem sehr direkt ist und seine Gefühle offen auf einem Tablett serviert. So wird aus den zwei Freunden ein starkes Gespann, das im Laufe des Romans im jeweils anderen ungeahnte Fähigkeiten und Seiten weckt.

Halbe Helden ist also ein Buch, das Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen anspricht. Allerdings muss man sich über das Zielpublikum von 14-17jährigen Gedanken machen. Der Stoff passt durchaus zu diesem Alter, könnte auch problemlos Jugendlichen ab 12 Jahren präsentiert werden. Die Schreibweise von Erin Jade Lange hingegen richtet sich eher an ein jüngeres Publikum, eben an 12- bis etwa 15jährige. Das etwas kindliche, das die Autorin durch ihre humorvolle Note einbringt, wirkt hier nicht ganz optimal eingebracht.

Halbe Helden von der US-amerikanischen Autorin Erin Jade Lange – ins Deutsche übersetzt von Jessika Komina und Sandra Knuffinke – wurde von der Kritikerjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016 nominiert.

FAZIT

Halbe Helden ist berührend, bezaubernd und tiefsinnig. Eine Auseinandersetzung mit dem Buch lohnt sich – unabhängig vom Alter des Lesers – auf jeden Fall. Die Autorin hat wunderbare Charaktere geschaffen und eine lebensbejahende und doch keine überzeichnete Happy-End-Geschichte erzählt.

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