Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden von Emily Barr

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Fischer , 352 Seiten. ISBN nicht vorhanden.

ab 14 Jahren

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In Kürze:

Die 17-jährige Flora hatte mit elf einen Autounfall und seitdem leidet sie an einer seltenen Art von Gedächtnisverlust. Sie kann sich nach wenigen Stunden an Nichts Neues erinnern, was sie gerade erst erlebt hat. Bis sie eines Tages von einem Jungen geküsst wird und sich seltsamerweise auch nach Tagen und Wochen noch an diesen Kuss erinnern kann. Leider ist der Junge inzwischen zum Studium nach Spitzbergen abgereist. Flora beschließt, ihm nachzureisen...

Jugendbuch-Rezension von Andrea Delumeau: Ein ungewöhnlicher und unkitschiger Mädchenroman mit einer sympathischen Heldin, der noch länger nachhallt.

Alles in Floras Leben verläuft immer nach Plan und in geordneten Bahnen, unter den wachsamen Augen ihrer Mutter oder ihrer besten Freundin Paige, die auf sie aufpasst, wenn die Eltern nicht zur Stelle sind. Das ist wichtig, damit Flora sich im Leben zurechtfinden kann, da sie wegen ihrer Krankheit immer alles vergisst, was sich gerade erst ereignet hat. Deshalb schreibt sich Flora auch alles auf, was ihr passiert ist oder fotografiert es mit ihrem Handy. Zur Sicherheit schreibt sie auch alles auf über den ersten Kuss, den ihr der ehemalige Freund ihrer besten Freundin Paige nach seiner Abschiedsparty vor seiner Abreise gegeben hat.

Das Seltsame ist, dass sie sich an diesen Kuss auch ohne jegliche Hilfsmittel noch genau erinnern kann. Dummerweise fallen die Aufzeichnungen über eben diesen Kuss Paige in die Hände, die ihr daraufhin die Freundschaft kündigt und sich nicht mehr um sie kümmern will.

Kurz danach müssen die Eltern zu Floras älterem Bruder Jacob reisen, der sich von der Familie entfremdet hat, in Paris lebt und sehr krank ist. Warum er sich von der Familie entfremdet hat, weiß Flora nicht und sie spürt, dass die Eltern ihr etwas vorenthalten.

Die Eltern wissen nichts von Floras erstem Kuss und der Entzweiung zwischen Flora und Paige und verlassen sich fest darauf, dass Paige sich, wie vorher ausgemacht, in ihrer Abwesenheit um Flora kümmern wird. Flora hat zwar Panik, ganz allein auf sich gestellt zu sein, aber gleichzeitig will sie den Eltern und auch sich selbst beweisen, dass sie erwachsen und selbständig genug ist, ein paar Tage allein und ohne Aufsicht zu Hause sein zu können.

In der Abwesenheit der Eltern bekommt sie eine E-Mail von Drake, dass er sie nicht vergessen kann, und daraus entwickelt sich ein reger Austausch zwischen den beiden. Das und die Erfahrung, auch ohne Aufpasser zurechtzukommen, gibt Flora den Mut, Drake heimlich nachzureisen.

Diese Reise wird zu einem Wendepunkt in Floras Leben: welch ein Geheimnis umgibt Jacob, wie wird es mit Flora und Drake weitergehen und wird es Flora gelingen, ein selbständiger Mensch zu werden?

Die Autorin Emily Barr war früher Journalistin und hatte vorher auch schon einige Bücher für Erwachsene veröffentlicht und diese Schreiberfahrung merkt man ihrem vorliegendem Jugendbuchdebut an.
Dadurch, dass das Geschehen in der Ich-Perspektive und aus Floras Sicht erzählt wird, fällt es dem Leser leicht, sich auf die ungewöhnliche Geschichte einzulassen. Und Floras Bemühungen, sich aus dem elterlichen Schutzkokon zu befreien, werden zwar durch ihre Krankheit erschwert, sind jedoch universell genug, dass sich die meisten Leser in ihnen wiederfinden werden.
Auch das Motiv der Reise als Möglichkeit, sich selbst zu finden, ist ein beliebtes und erprobtes Mittel der Weltliteratur. Und welcher Jugendliche träumt nicht davon, wie Flora sein Elternhaus zu verlassen und ins Ausland, hier Spitzbergen, zu reisen?

Sehr angenehm ist der unsentimentale Schreibstil der Autorin. Ohne jegliche Weinerlichkeit beschreibt sie, wie Flora mit ihrer schweren Krankheit zurechtkommt. Auch Floras beste Freundin Paige zeigt sich nach der anfänglichen Funkstille als echte Freundin, die Flora helfen will, sich aus der Abhängigkeit von den Eltern zu befreien. So leisten die beiden sogar eine Art Lebenshilfe für den Leser, beschreiben sie doch, wie man patent mit einer schweren Einschränkung umgehen und wie man Betroffenen in ihrer schwierigen Lage am besten beistehen kann.
Die realistische und vielschichtige Darstellung der Heldin Flora zeichnet auch die Nebenfiguren aus z.B. den anfänglich als Traumprinz erscheinende Drake, der mit seinem Kuss Floras Entwicklungsprozess ins Rollen bringt.

Die Sprache verzichtet ebenfalls auf Kitsch und Pomp. Mit einfachen Worten wird Floras eingeschränkte Welt dargestellt, geschickt baut die Autorin auf Floras Entdeckungsreise zu sich selbst einen Spannungsbogen auf, dem der Leser bis zur unerwarteten Auflösung am Schluss gebannt folgen wird.

FAZIT: ein ungewöhnlicher und unkitschiger Mädchenroman mit einer sympathischen Heldin, der noch länger nachhallt.

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