Das Auge von Licentia von Deana Zinßmeister

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2017 bei Arena , 320 Seiten. ISBN nicht vorhanden.

ab 12 Jahren

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Jonata lebt mit ihrer Familie in der Mittelaltersiedlung Licentia. Smartphones, den Supermarkt um die Ecke, all das kennt sie nicht, ahnt noch nicht mal von deren Existenz. Und schon gar nicht weiß sie, dass Licentia in Wahrheit eine Fernsehshow ist, und die ganze Welt ihr und den anderen Bewohnern Licentias zusieht – jeden Tag, schon seit Jahren. Erst, als sie auf Tristan trifft, einen Jungen aus dem verfeindeten Clan der Wolfsbanner, kommen die Lügen und Geheimnisse ihres Dorfs langsam ans Tageslicht, und Jonata wird für manche Dorfbewohner zu einer Bedrohung …

Jugendbuch-Rezension von Melanie Reichert: Wenn deine Realität gar keine ist …

Die 15-jährige Jonata ist behütet in der Gemeinschaft Licentia aufgewachsen, die sich aus einer Gruppe Aussteigern formiert hat, um sich tief in die Natur zurückgezogen mit dieser im Einklang zu leben. In der Gemeinschaft geht es friedlich zu und jeder hat seine Rolle zu erfüllen. So ist auch Jonata im Schoß der Familie glücklich und darüber hinaus auch noch eine grandiose Jägerin.

Als sie endlich mit den Burschen auf die Jagd gehen darf, läuft letztendlich alles schief. Sie gerät an den jungen »Wolfsbanner« Tristan, die vor Jahren aus Licentia verbannt wurden und seitdem in einem weiter entfernten Dorf leben. Dumm nur, dass sie sich ausgerechnet in Tristan verlieben muss. Dieses Aufeinandertreffen hat weitrechende Folgen, denn Licentia ist eigentlich kein Aussteigerdorf, sondern eine TV-Produktion und die Bewohner werden bei jedem Schritt beobachtet. Und das schon seit Jahren …

»Das Auge von Licentia« ist der erste Jugendroman der Autorin Deana Zinßmeister, die sich sonst eher im historischen Bereich bewegt. Ich muss gestehen, dass ich eigentlich etwas anderes erwartet hatte und teilweise etwas enttäuscht bin, Details hierzu in der folgenden Rezension.

Zunächst möchte ich die tolle Gestaltung des Buchs ansprechen, denn diese ist auch der Grund, weswegen ich auf die Geschichte erst aufmerksam wurde. Das Cover ist farblich sehr rund gestaltet und die einzelnen Elemente sind teilweise 3D hervorgehoben, was ich sehr ansprechend finde. Das Buch an sich ist in klassisch-nummerische Kapitel unterteilt, wobei viele Abschnitte sehr kurz gehalten sind, was der Dynamik sehr gut tut. Die Geschichte selbst wird uns aus Sicht eines allwissenden Erzählers nähergebracht, der aber trotzdem die Perspektiven des jeweils agierenden Charakters einnimmt. So hat der Leser die Chance, immer direkt am Geschehen zu sein. Der Schreibstil ist flüssig und lässt den Leser vollkommen in die Story eintauchen, was mir sehr gut gefallen hat.

Die Protagonistin Jonata hat mich überzeugen können, weil sie für ihre Ideale einsteht. Sie weiß genau, wo ihr Platz in der Gemeinschaft ist und ist trotzdem für Dinge offen, die über ihr Verständnis hinausgehen. Das macht sie zu einer perfekten Heldin, die sich mutig neuen Dingen in den Weg stellt. So passt sie auch perfekt zu Tristan, der eine ein wenig andere Erziehung genossen hat und ohnehin keine Auseinandersetzung zu scheuen scheint. Seine weiche Seite hat mich teilweise sehr berührt, weil sie offenlegt, dass auch er eigentlich nur einen Wunsch hat: einen Menschen zu finden, der zu ihm steht.

Die Nebencharaktere haben mich teilweise etwas ratlos zurückgelassen. Gerade Jonatas beste Freundin agiert oft emotional sehr krass, was ich meistens nicht nachvollziehen konnte. Sie macht Jonata Vorwürfe, die man nur man ein Stückweit verstehen kann, somit verliert sie in meinen Augen an Glaubwürdigkeit. Auch andere Dorfbewohner werden nur sehr blass oder gar nicht beleuchtet (außer dem Namen), weswegen die Gemeinschaft etwas untergeht.

Die Spannungskurve war mir ab dem zweiten Drittel einfach zu flach. Gerade am Ende habe ich noch mal auf ein paar aufregende Seiten gehofft, wurde aber leider sehr enttäuscht, da auch viele Fragen offen bleiben, die ich gerne beantwortet gehabt hätte.

Die Thematik an sich Aussteiger, die sich in ein mittelalterliches Setting zurückziehen und jeglicher Technik usw. abschwören hatte ein unglaubliches Potential, was aber leider nur teilweise ausgeschöpft wurde. Mir ist klar, dass der Verlag eine Empfehlung ab 12 Jahren ausgesprochen hat, die ich so auch komplett unterstützen kann (keine deutliche Gewaltdarstellung und auch nur eine zarte sowie unschuldige Lovestory). Allerdings hätte man bei der Geschichte viel deutlicher auf die Psyche der Bewohner eingehen können. Für den Leser wäre es sicher spannend gewesen, wie sich die Aussteiger eigentlich in das mittelalterliche Leben eingefügt haben damals und was das in ihnen ausgelöst hat.

Fazit:

Eine solide Geschichte, die stellenweise gute Parts enthielt, allgemein aber einen zu flachen Handlungsbogen hatte und mich somit nicht komplett überzeugen konnte. Die starke Protagonistin hat einiges wieder wettmachen können, aber eben nicht alles.

Eure Meinung zu »Deana Zinßmeister: Das Auge von Licentia«

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