Mein Ein und Alles von Beth Kephart

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2013 deutsche Ausgabe erstmals 2014 bei dtv , 260 Seiten. ISBN 3423650087.

ab 14 Jahren

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In Kürze:

Emmys Baby, ihr Ein und Alles, ist gestohlen worden. Und es bleibt verschwunden. Den Verlust kann Emmy nicht verkraften und wird krank. Die zwölfjährige Sophie und ihre Mutter sind unzählige Male umgezogen, immer auf der Flucht vor »dem Bösen«, von dem sich die Mutter verfolgt fühlt.

Doch nun hat Sophie Kontakt mit den Nachbarn aufgenommen, zu Joey, mit dem sie sich anfreundet, und seinen beiden Tanten. Das ist streng verboten. Und sie hat unerlaubterweise die Kisten ihrer Mutter geöffnet. Was sie darin findet, verstört sie. Hatte die Mutter vor ihr schon einmal Kinder? Zwei Jungen? Und wer ist sie selbst? Ist sie das entführte Baby, von dem ein Zeitungsartikel im Tagebuch der Mutter berichtet?

Jugendbuch-Rezension von Rita Dell’Agnese: »Was geschah mit dem Baby wirklich?«

Nur für einen kurzen Moment hastet die junge Mutter Emmy Rane ins Haus, um eine Decke zu holen und sich zu ihrem Baby zu setzen. Sie lässt ihr Töchterchen in der Schaukel am starken Ast des Baumes vor dem Haus zurück. Als die Mutter zurückkehrt, ist das Kind verschwunden. Nur eine gelbe Socke liegt noch da. Emmy ist verzweifelt, sie sucht nach dem Kind, meldet die Entführung der Polizei. Der Vater des Kindes, Peter, ist ausser sich. Er gibt Emmy die Schuld, ist überzeugt, dass sie mit dem Verschwinden etwas zu tun hat. Auch die Polizei scheint von Emmys Darstellung nicht richtig überzeugt und stellt seltsame Fragen. Da macht sich Emmy allein und verzweifelt auf die Suche nach ihrem Baby. Ergebnislos. Niemand in der kleinen Stadt hat etwas gesehen. Emmy verkraftet den Verlust nicht. Sie wird in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Das geschah 1990.

In der Gegenwart fühlt sich die 14-jährige Sophie von ihrer Mutter eingesperrt. Das Kind darf keine Schule besuchen und auch keine Freunde haben. Sie wird von ihrer Mutter unterrichtet. Immer wieder ziehen Mutter und Tochter um, muss Sophie mit einer neuen Umgebung klar kommen. Grund für den Umzug ist das ständig lauernde Böse, sagt die Mutter. Die einsame Sophie findet aber – unbemerkt von ihrer Mutter – doch noch einen Freund. Den Jungen vom Nachbarhaus. Vom Dachboden aus kann Sophie mit ihm Kontakt halten. Denn die gehbehinderte Mutter kann nicht in den Dachboden hoch steigen. Nach und nach muss Sophie erkennen, dass das Verhalten ihrer Mutter nicht normal ist. Sie erkennt, wie stark sie bisher im Leben eingeschränkt war und beginnt, sich langsam aus dem Gefängnis zu lösen. Mutig geworden, stöbert Sophie in der Kiste ihrer Mutter im Keller und entdeckt dort Unterlagen, die alles in Frage stellen, woran Sophie bis jetzt geglaubt hat.

Es sind sehr unterschiedliche Momente, die Beth Kephart in ihrem Buch eingefangen hat. Zum einen ist da die verzweifelte Mutter Emmy. Mit ihr erleben die Leser all die Gefühle, die aufkommen, wenn ein Baby verschwindet. Verzweiflung, Angst, Schuldbewusstsein und vieles mehr quälen die junge Mutter. Von ihrem Partner erhält sie keine Unterstützung, weshalb sie in ein Gefühlschaos abtaucht und Hilfe benötigt. Die Leser erleben mit, wie Emmy zwischen der Hoffnung, ihr Baby wieder zu finden und der erdrückenden Gewissheit, dass es verschwunden bleibt hin und her pendelt. Sie klammert sich an jeden Strohhalm und fällt in ein tiefes Loch, als sich dieser als trügerisch erweist.

Sophie hingegen steht an einem ganz anderen Punkt. Sie ist einsam und kann die strenge Abschottung durch ihre Mutter immer weniger hinnehmen. Die Leser begleiten das Mädchen auf ihrem zaghaften Weg, sich mit anderen Menschen anzufreunden. Die bedrückende Welt, in der Sophie gefangen ist, kommt sehr gut zum Ausdruck. Hier geht die Autorin Beth Kephart geschickt dicht an die Situation heran und macht diese Welt für die Leser sehr direkt erfahrbar. Zu einem guten Teil kommt das auch aus der gewählten Ich-Erzählform heraus.

Es ist dieser Gegensatz der Gefühle, der den Roman befruchtet und zu etwas Besonderem macht. Die Zusammenhänge zwischen den beiden Erzählsträngen liegen auf der Hand und so macht es den Leser vor allem neugierig, wie sich die Situation entwickelt und auf welche Weise sich Sophie aus der strengen Überwachung ihrer Mutter befreit. Die Autorin agiert hier mit grossem Feingefühl und macht die einzelnen, kleinen und vor allem sehr zögernden Schritte sichtbar. Dadurch wirkt die ganze Situation überzeugend und nachvollziehbar.

Fazit

Die wechselnde Erzählperspektive und der geschickt aufgebaute Plot geben dem Roman eine Tiefe, die ideal auf das Zielalter der 14-17jährigen zugeschnitten ist. Auch sprachlich vermag der Roman zu überzeugen. Einzig der Umstand, dass die Zusammenhänge schon von Anfang an klar sind, nimmt die Spannung. So bleibt ein solider Roman, der den Lesern, die von der Thematik fasziniert sind, gute Unterhaltung bietet.

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