Der Herr des Turms von Anthony Ryan

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel Tower Lord, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Klett-Cotta , 859 Seiten. ISBN nicht vorhanden.

ab 16 Jahren

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In Kürze:

Vaelin al Sorna kehrt aus den Schlachten zurück und die schwere Bürde der Erinnerung lastet auf ihm. Nie wieder will er töten. Zu viele haben in König Janus’ Krieg ihr Leben gelassen. Nicht nur, dass er für viele, die überlebt haben, das Ziel ihrer Rachegelüste ist. Zum Turmherrn der Nordlande ernannt, möchte er fern aller Intrigen Ruhe finden. Doch der neue König ist schwach und die Feinde des Reiches schmieden ein Bündnis, das mehr und mehr an Macht gewinnt. Wird Vaelin al Sorna, der das Töten hasst und in seiner Loyalität hin und her gerissen ist, doch wieder zum Schwert greifen?

Jugendbuch-Rezension von Carsten Kuhr: »Die Geschichte einer Invasion – packende High-Fantasy für Leser aller Altersgruppen«

Einst waren sie nur eine Gruppe von Kindern, die dem dritten Orden zur Ausbildung übergeben wurden. Nachdem sie die strenge Zucht des Ordenshauses durchlaufen hatten, wurden sie in den Krieg geschickt – und zur Legende. Obwohl auch sie die Niederlage nicht aufhalten konnten, wurden und werden sie vom Volk als Helden verehrt. So mancher von ihnen gab sein Blut und sein Leben im Kampf gegen die Aggressoren. Doch der Mann, der von seiner geheimen Gabe geleitet als legendärer Anführer in die Annalen einging, überlebte.

Nun ist Vaelin Al Sorna zurück, trägt sein Schwert in einem Leinenbeutel und hat sich geschworen, sich nie mehr in politische Ränke verwickeln zu lassen. Der König ernennt ihn zum neuen Herren des Turmes, so dass er seinen Plan, den verschollenen Gefährten nachzuspüren, nicht nachkommen kann. Währenddessen machen sich die feindlichen Volarier, durch dunkle Gaben unterstützt, daran, das Königreich zu erobern.

Aus Sicht von Vaelin al Sorna, Prinzessin Lyrna, der kirchlichen, Attentäterin Reva und Vaelins verschollenen Gefährten Frentis erleben wir mit, wie das Reich durch dunkle Gaben, Verrat und einer minutiös geplanten Invasion niedergeworfen werden soll. Einmal mehr scheint es an Vaelin zu sein, buchstäblich das Schwert in die Hand zu nehmen, um Böses zu verhindern und den Fall von Recht, Ordnung und Freiheit zu verhindern – auch wenn er dazu seine eigene dunkle Gabe nützen müsste und eigentlich nichts mehr sucht, als Frieden und Vergessen …

Ryan schreibt verteufelt gut

Um es vorweg zu nehmen – die Lektüre des ersten Teils der Trilogie ist Pflicht, sonst wird man der Handlung dieses Mittelbandes nicht folgen können. Leider hat es der Verlag vorliegend versäumt, dem Leser eine Zusammenfassung des ersten Romans beizugeben, die das Zurechtfinden in den alternierenden Handlungssträngen sicherlich etwas vereinfacht hätte.

Mittels der abwechselnd die Bühne übernehmenden Hauptpersonen schildert der Autor uns den Verrat, die Invasion und Besetzung des Königreichs. Dabei kommt er seltsamerweise bis weit ins letzte Drittel des Bandes ohne große oder auch kleine Schlachtengemälde aus. Statt uns also mit martialischen Kämpfen, mit Blut und Leid zu fesseln, setzt er auf interessante Geheimnisse – und davon jede Menge – die sich uns nach und nach offenbaren. Dabei lässt er seine ganz eigene Magie auftreten.

Das sind keine allmächtigen Zauberer in spitzen Hüten, die ihre Zaubereien scheinbar mühelos aus dem Handgelenk wirken, sondern eher geschundene Männer und Frauen, die als Medium für zumeist unwillkommene Gaben dienen. Dass sie für die Nutzung dieser dann noch einen hohen Obolus zahlen müssen, macht ihren Unwillen, die Kräfte zu nutzen, verständlich. Die religiös begründeten Anfeindungen, denen sie ausgesetzt sind, erklären ihr Zögern auch nur zuzugeben, über die Gaben zu verfügen.

Immer deutlicher zeichnet sich der Widersacher ab, der hinter den vielfältigen, seit Jahrzehnten minutiös geplanten Angriffen steckt. Wer, oder besser was sich aber hinter dem Widersacher versteckt, bleibt zunächst noch offen.

So gering dosiert der Einsatz der magisch anmutenden Kräfte insgesamt auch bleibt, so prägt er doch die archaische Welt und ihre Figuren. Diese haben sich von den Kindern und Jugendlichen des ersten Bandes fortentwickelt. Die Erziehung und Ausbildung haben sie geprägt, die Kämpfe, der Verrat und die schmerzhaften, ja traumatischen Verluste taten ein Übriges, sie als Persönlichkeiten reifen zu lassen. So ist der legendäre Schwertkämpfer, der sein scharfes und spitzes Arbeitsutensil in einem Beutel mit sich herumträgt, ein Mann, dem man als Leser abnimmt, dass er nicht mehr kämpfen, nie mehr töten möchte. Dies ist für Leser jeglichen Alters gut nachvollziehbar und auch in sich logisch.

Dass das Leben auch feste Vorsätze oftmals umstößt, dass es zumeist anders kommt, als geplant, ist Bestandteil des Erwachsenwerdens und des Daseins. Insbesondere die Tatsache, dass die Kämpfe – spät und dann nie grell im Detail beleuchtet – nie im Mittelpunkt stehen, machen den Roman auch für jugendliche Leser interessant. Dass der Plot dann mit einem mehr als fiesen Cliffhanger endet, lässt die Zeit bis zum Erscheinen des abschließenden dritten Teils allerdings lang werden.

Fazit

So muss moderne Fantasy sein – frisch, ohne plakative Gewalt mit faszinierenden Figuren vollgepackt und unheimlich spannend!

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