Der Tag, an dem ich starb von Anthony McGowan

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel The Knife that killed me, deutsche Ausgabe erstmals 2009 beiISBN 3473353094.

ab 12 Jahren

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Kurzbeschreibung:

An Pauls Schule regiert der Terror. Brutale Schlägereien, Erpressung und Demütigung stehen auf dem Stundenplan ganz oben. Hoffnung gibt es keine, nur Angst, Scham und sehr viel Wut …

Jugendbuch-Rezension von Corinna Abbassi-Götte: »Ein Teufelskreis aus Gewalt«

Eine gigantische Messerspitze, dicke Blutstropfen …Bereits das Cover lässt Unheilvolles erahnen, und in der Tat bestätigt sich dieser Eindruck bereits nach wenigen Seiten. Pauls Geschichte ist niederschmetternd und erschütternd.

Die Schule ist die Hölle, die Lehrer Tyrannen oder Weichlinge, die Mitschüler gefährlich oder feige. Gewalt beherrscht den Schulalltag. Es geht nicht um den Lernstoff, sondern darum, unsichtbar zu bleiben, um nicht drangsaliert zu werden. Wenn ein anderes Opfer gefunden ist, kann man selbst aufatmen. 
Dem Opfer helfen? Nein, bloß nicht, bloß keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. 
Mitleid? Ja, schon, aber die Freude, nicht selbst ins Visier geraten zu sein, ist größer. 
Und das Schlimme daran ist: Dies ist bittere Realität – hier und heute.

Mitten in dieser Hölle befindet sich Paul, der uns seine Geschichte erzählt. Er ist eigentlich ein ganz pfiffiges Kerlchen mit einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe. Doch auch sein oberstes Ziel ist: Bloß nicht auffallen! Welches der Tag ist, an dem er starb, ist nicht ganz klar. Vielleicht der Anfang, vielleicht das Ende seiner Geschichte, vielleicht auch der Tag, an dem die tragischen Ereignisse ihren Höhepunkt gefunden haben - Interpretationssache, ganz eindeutig! Jedenfalls erzählt er von Anfang an, wie sich das Netz um ihn herum immer mehr zugezogen hat und er sich dem Strudel der Gewalt schließlich nicht mehr entziehen konnte. Ganz genau beobachtet er dabei sein Umfeld, durchschaut die Strukturen und sieht die Ungerechtigkeit, das Fehlverhalten, die Opfer und die Täter.

Der Täter ist eindeutig der brutale Roth. Er ist nicht nur ein Schläger, er ist ein Meister der Manipulation, und genau das macht ihn so gefährlich. Geschickt beginnt er, Paul zu umgarnen und auf seine Seite zu ziehen. Einzig die sogenannten Freaks, eine Clique von Außenseitern, scheinen sich im Großen und Ganzen nicht vor Roth zu fürchten, was definitiv an ihrem Anführer Shane liegt, der wohl als einziger Roth’ manipulative Vorgehensweise durchschaut. Shane nimmt Paul in seiner Clique auf, doch leider akzeptieren ihn nicht alle. Obwohl Paul weiß, dass er wohl nie komplett dazugehören wird, bekommt er trotzdem einen Eindruck davon, wie es sich anfühlt, angenommen zu werden. Außerdem baut er Selbstvertrauen auf.

Doch Roth gibt nicht auf. Er bedient sich Pauls Furcht, zeigt ihm seine Anerkennung und schafft es viel zu schnell, ihn für sich einzuspannen. Und so bringt Paul dem Anführer Goddo der verfeindeten Temple-Moor-Schüler ein Päckchen – ein grausiges Geschenk, wie sich herausstellt. Mit einer Kriegserklärung wird Paul zurückgeschickt: Goddo wird Roth töten!

Letztendlich waren Shanes Bemühungen umsonst. Paul versucht zwar noch, aus der ganzen Sache auszusteigen, wird aber durch diverse Rückschläge ins Zentrum der Gewalt zurück katapultiert. Er vergisst jeglichen Weit- und Überblick und wird schließlich sogar zum Opfer seines eigenen Sozialverhaltens, weil er sich im unmittelbar bevorstehenden Kampf um die noch Schwächeren kümmert. Die Geschichte gipfelt in einer Orgie aus Gewalt und endet so erschütternd und deprimierend, wie sie begonnen hat: Der Kampf endet mit einem Toten.

Für den Leser gibt es über die kompletten 250 Seiten hinweg keinen wirklichen Hoffnungsschimmer. Selbst der kleinste Lichtblick schwindet sofort wieder, denn allzu deutlich wird immer wieder, dass sich Paul Roth einfach nicht entziehen kann. Zunächst hält ihn sein Hunger nach Anerkennung zurück und schließlich sein Verantwortungsbewusstsein für die noch Schwächeren. Bedauerlich ist ebenfalls, dass Paul die vielen Chancen, selbst gewaltfrei zu bleiben, nicht genutzt hat. Er ist kein Held und muss auch kein Held sein – aber man fragt sich, ob er nicht doch einen Weg aus dem ganzen Desaster hätte finden können?

Richtig sympathisch war mir Paul von Anfang an nicht, und manche seiner Reaktionen waren für mich nicht nachvollziehbar. Während er anfangs noch den kritischen Durchblick besitzt, entgleitet ihm diese Fähigkeit später. Meine (wahrscheinlich sehr gewagte) Vermutung ist, dass Anthony McGowan keinen anderen Weg gefunden hat, Paul auf sein gewünschtes Ende hinführen zu können. So wirkte die Geschichte ab einem gewissen Zeitpunkt ein wenig konstruiert.

Insgesamt ist es natürlich gut, wenn die Lebensumständen und Situationen in der Jugendliteratur möglichst authentisch sind. Die Brutalität, Trostlosigkeit und Hoffnungslosigkeit sind hier jedoch, und dies sollte man wissen, in extremster Form dargestellt. Dieses Buch zeigt deutlich, wie ein normaler, durchschnittlicher Junge zu einem Opfer der perfiden Manipulation eines anderen wird – unwissentlich und wissentlich.

Bleiben folgende Fragen: 
Was genau will uns der Autor mit diesem Buch sagen? 
Dass die wenigen, die sich gegen willkürliche Gewalt und Ungerechtigkeit auflehnen, keinen Erfolg haben und tragisch scheitern?
In jedem Fall aber hat dieses Buch bewirkt, dass man Gewalt noch mehr ablehnt als man es ohnehin schon tut und für psychische Manipulation sensibilisiert worden ist.
Insgeheim hoffe ich natürlich, dass Anthony McGowan hier nicht den durchschnittlichen Schulalltag zeigt – weder den aktuellen noch den zukünftigen. 

FAZIT

Anthony McGowan bedient sich durch die harte Darstellung von Tragik und Gewalt wahrscheinlich dem Werkzeug der abschreckenden Wirkung.  Vielleicht soll der Leser dieses Buch mit dem Gedanken »Diese Geschichte darf nie Wirklichkeit werden!« zur Seite legen. Hoffentlich mit dauerhaften Erfolg!

Eure Meinung zu »Anthony McGowan: Der Tag, an dem ich starb«

Corinna zu »Anthony McGowan: Der Tag, an dem ich starb« 06.01.2010
Für mich ist das Buch teilweise zu Detailreich und mit der Altersbegrenzung bin ich sowieso nicht zufrieden .
Hier steht ab 12 Jahren allerdings bin ich 14 und mir ist das Buch fast etwas zu gewaltätig.
Aber sonst ist es Perfekt. Meiner Meinung nach hat der Autor das häufige Problem an Schulen angesprochen, denn oft ist es das einzelne Schüler verschiedener Schulen andere anstiften und eine Massenschlägerei daraus wird aber ich glaube nicht das jemals jemand dabei gestorben ist . Der Schluss ist mit so viel emotionen und man fühlte richtg mit Paul.
Dein Kommentar zu Der Tag, an dem ich starb

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