Henriette und der Traumdieb von Akram El-Bahay

Buchvorstellung und Rezension

deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Ueberreuter , 400 Seiten. ISBN 3764151129.

ab 12 Jahren

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In Kürze:

Keiner träumt wie Henriette. Jeden Morgen erinnert sie sich klar und deutlich an die Abenteuer der vergangenen Nacht sogar herbeiwünschen kann sie ihre Träume. Doch eines Tages ist alles anders. Jede Spur an den letzten Traum ist wie ausradiert. Ein Traumdieb hat zugeschlagen! Entgegen aller Warnungen beschließt Henriette, den Dieb zu suchen und zur Rede zu stellen. Ihr Weg führt sie durch schöne und böse Träume, in die heiße Wüste, in den finsteren Wald der Alben und zu einer Tür, hinter der etwas Schreckliches lauert …

Jugendbuch-Rezension von Carsten Kuhr: »Willkommen in der Welt der Träume«

Henriette und ihr einen Tag jüngerer Zwillingsbruder verstehen sich oft nicht sonderlich gut. Zu verschieden sind die Beiden von der Art her. Nick, wie Nickolaus sich selbst nennt, ist ein Junge, der immer etwas zu tun haben will, während Henriette eher verträumt ist. In den Ferien werden sie regelmäßig bei ihrer Oma geparkt. Während Nick die Zeit verabscheut, freut sich seine Schwester auf die Tage. Nicht nur auf die Zeit mit ihrer Großmutter, sondern auch auf die wunderbare Antiquariats-Buchhandlung, die im Erdgeschoss untergebracht ist. Mit den beiden älteren Buchhändlern versteht sich Henriette wunderbar, doch dieses Mal ist alles anders.

Als sie eintreffen, werden sie von Herrn Punktatum noch freundlich begrüßt und ermahnt, bei der Glätte und dem Schnee draußen aufzupassen – am nächsten Tag ist der alte liebe Herr tot! Damit aber beginnen die wundersamen Geschehnisse erst.

Henriette hat von klein auf immer viel und lebhaft geträumt. Jeden Morgen berichtet sie am Frühstückstisch von ihren Träumen – allein, plötzlich kann sie sich an diese nicht mehr erinnern! Mehr noch, eines Nachts durchschreitet Nick in seinem Traum eine Tür und findet sich unerwartet mitten im Traum seiner Schwester wieder. Hilflos muss er miterleben, wie ein maskierter Dieb Henriette ihren Traum stiehlt.

Als er seine Schwester aufweckt und von den Erlebnissen berichtet, ist diese sehr erstaunt. Kann es so etwas wie einen Traumdieb geben, wie kann man in anderer Menschen Träume gelangen und was hat der Dieb von seinem Raub?

Als sie dem überlebenden Antiquar von den Geschehnissen berichtet, weiß dieser Rat. Aus alten, fast geheimen Büchern berichtet er von den Traumdieben, von Wachträumern und der Kunst, aktiv in seine Träume einzugreifen. Aber Achtung, dort lauern auch gefährliche Gegner – Alben, die Verursacher der Albträume, können Menschen dem Vergessen anheim fallen lassen und Verräter die besten Absichten zunichtemachen – auch und gerade, wenn sie es eigentlich gut meinen oder einfach nur versuchen, ihr Leid und ihre Trauer zu bewältigen …

Auf den Spuren großer Vorbilder

Akram El-Bahays erster Roman für jugendliche Leser beschäftigt sich mit einigen Themen, die nicht ganz einfach zu vermitteln sind. Es geht um Verlust, um Trauer und die Akzeptanz des Schicksals. Verpackt hat der Autor, der uns bislang durch seine farbenprächtigen »Flammenwüste-Trilogie« (Bastei-Lübbe) ein Begriff ist, diese ersten Themen in ein märchenhaftes, gleichzeitig aber auch sehr abenteuerliches Buch.

Dabei lässt er die ausgetretenen Wege der Fantasy ganz bewusst hinter sich, wandelt auf eigenen Traumpfaden und erinnert in seiner Art zu erzählen an Vorbilder wie Michael Ende, Ralf Isau oder Cornelia Funke. Das sind sehr große Namen, doch in der Art, wie er altersgerecht seine Zielgruppe an diese Themen heranführt, erinnert er wirklich an diese Vorbilder.

Verpackt in die allzeit interessante, packende und gleichzeitig immer wieder überraschende Handlung hat er seine Botschaft ganz geschickt eingearbeitet. Nicht nur, dass er seinen jungen Leserinnen und Lesern ideale Identifikationsfiguren an die Hand gibt – die anfänglichen Kabbeleien der Geschwister sind ebenso nachvollziehbar und glaubwürdig wie ihre Liebe und Treue zueinander – die Welt, die er als Bühne wählt ist abwechslungsreich und immer wieder faszinierend ausgestaltet.

Sei es die Wüste mit den Beduinen, die Zwillings-Ritter oder der Nachtschattenwald – immer wieder werden Hinweise auf Träume und Vermengungen mit der Realität gegeben. Beeindruckend, wenn wir in einem sehr frühen Traum miterleben, wie Henriette in einer Welt riesiger Häuser und Wesen sich nur mühsam auf dem Bauch robbend vorwärts bewegen kann – erinnert uns das nicht an die Welt, wie sie Babys erscheinen muss? Gleichzeitig schimmert immer wieder auch die Liebe zum Medium Buch durch den Text durch. Die Art und Weise etwa, wie das Antiquariat beschrieben wird, verdeutlicht das Faible für das Medium Buch in seiner papierenen Form.

Fazit

Auf den jugendlichen Leser wartet ein Abenteuergarn erster Güte. Voller Überraschungen tauchen wir ein in die Welt der Träume, lernen dabei aber auch viel über uns selbst, wie wir Verluste akzeptieren, verarbeiten und weiterleben müssen.

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